Das luxuriöse Windjammer Kreuzfahrtschiff vereint Gegensätze und entfacht die Segelleidenschaft. Es war ein ganz besonderes Erlebnis mit der neuen Sea Cloud Spirit ans Ende der alten Weg zu segeln … hier der 1. Teil meines Reiseberichts über El Hierro, Teneriffa, La Palma, La  Gomera, Lanzarote und Fuerteventura.

Mit der neuen Sea Cloud Spirit ans Ende der alten Welt segeln - Reisebericht Teil 1
Die Matrosen klettern geschickt in die Wanten, lösen das schwere Tuch und spannen dann an Deck kraftvoll die Leinen.

Der brandneue Großsegler pflügt unter vollen Segeln durch den tiefblauen Atlantik der kleinsten kanarischen Vulkaninsel El Hierro entgegen.

Sie galt als westlichste Insel der damals bekannten Welt – bevor Christoph Kolumbus im Jahr 1492 Amerika entdeckte.

Land in Sicht

Die Crew holt in schwindelerregender Höhe gewandt die weißen Segel ein und das Schiff gleitet sanft in den Hafen Puerto de La Estaca.

Mit der neuen Sea Cloud Spirit ans Ende der alten Welt segeln - Reisebericht Teil 1
Der Kapiutän Sergey Komakin ist stolz auf die traditionelle Takelage. Hier werden die Segel noch per Hand gesetzt.

Vor dem Landgang stärken wir uns am Mittagsbuffet. Es wird im überdachten Außenbereich auf dem Lidodeck angerichtet.

Mit dieser Tradition folgt das neuste Flottenmitglied der Sea Cloud Familie den anderen zwei Luxus-Segelschiffen der Reederei. Heute wird nicht nur unser Gaumen mit Bernsteinmakrele und Boeuf Stroganoff verwöhnt, sondern auch die wärmende Sonne gibt ihr Bestes.

Außergewöhnliche Ziele: El Hierro

Die Reederei favorisiert beim Routing der Reisen außergewöhnliche Ziele, die von den Kreuzfahrtgiganten nicht angelaufen werden. Nachdem die Behörden das 138 Meter lange Dreimast-Vollschiff freigegeben haben, betreten wir die jüngste Insel des Archipels. Sie ist touristisch kaum erschlossen.

Mit der neuen Sea Cloud Spirit ans Ende der alten Welt segeln - Reisebericht Teil 1Auf dieser Destination am südwestlichsten Zipfel Europas ist man der ursprünglichen Natur genauso verbunden wie auf der Sea Cloud Spirit. Das malerische Eiland ist ein Paradies für Naturfreunde, Taucher und Wanderer; und es zieht so manchen Auswanderer an.

Vor zehn Jahren zog es auch die gebürtige Nürnbergerin Heidrun Haury auf das Inselchen, wie sie El Hierro liebevoll nennt. Für ihre Wahl waren die imposante Landschaft sowie die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der rund 11.000 Inselbewohner ausschlaggebend. Sie und ihr Mann leben unter anderem vom Backen und Verkauf von Vollkornbrot und Brezeln auf dem wöchentlichen Markt in La Frontera.

Daneben bieten sie Urlaubern Unterkunft, spektakuläre Höhlenerkundungen sowie Führungen zu den schönsten Orten der Insel.

Im Bauch des Vulkans

Unser heutiger individueller Ausflug auf El Hierro mit Heidrun Haury führt uns vom Hafen zunächst nach Norden über die Inselhauptstadt Villa de Valverde und dann an die westliche Seite des kargen Eilandes.

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El Sabinar: Das Besondere an den hier wachsenden alten Wacholderbäumen sind ihre wingeprägten Formen durch eine stetige Brise.

Dort eröffnet sich uns das fruchtbare El Golfo-Tal. Entstanden sein soll es durch einen gigantischen Erdrutsch, bei dem durch ein Erdbeben rund 300 Kubikkilometer Gestein ins Meer gerutscht sein sollen.

Auf einer Landzunge aus Lavagestein trotzt eines der kleinsten Hotels der Welt den Wogen des Atlantischen Ozeans. Das im Jahr 1830 erbaute Puntagrande verfügt nur über vier Zimmer. Die Fahrt geht weiter entlang der Küstenstraße mit den endlos wirkenden Bananenplantagen bis zum El Sabinar, einem Biosphärenreservat mit seinen durch die immerwährende Brise geformten Wacholder.

Die teilweise mehrere hundert Jahre alten Bäume widerstehen der Kraft des ständigen Windes, indem sie mitunter waagerecht über den Boden wachsen.

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Der Leuchtturm Faro de Orchilla im estlichenn Teil El Hierros kennzeichnet das Ende der antiken Welt.

Die Attraktion des Ausflugs auf El Hierro ist das „Monumento Meridiano“; dem Ende der alten Welt, zu Zeiten, wo die Erdkugel noch eine Scheibe war. Heidrun Haury führt uns über ihre Insel zu dem Monument.

Es markiert den westlichsten Punkt von El Hierro, der bis ins 19. Jahrhundert den Nullmeridian definierte. Sämtliche geografischen Längenangaben und Karten bezogen sich auf diese Position. Heute orientieren sich die Längenkreise am Greewich-Nullmeridian.

Unweit vom Monument markiert der Leuchtturm Faro de Orchilla diesen Punkt bis heute. An dieser Stelle sind die Sonnenuntergänge eine Augenweide. Vor allem wenn man sich vergegenwärtigt, dass da wo die Sonne im Meer versinkt, erst in einigen tausend Kilometern wieder Land ist.

 

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Höhlenwanderung mit Heidrun Haury in der Cueva del Acantilado, einem ganz besonderen Nervenkitzel mit dem Gefühl, sich im “Bauch von El Hierro” zu befinden.

Bevor es zur Sea Cloud Spirit zurückgeht, steigen wir in die Cueva del Acantilado, einer eindrucksvollen 400 Meter langen Höhle im Lavagestein. Sie öffnet sich am Ende in schwindelerregender Höhe direkt in der Steilküste. Von dem natürlichen Balkon mit dem angebrachten, niedrigen Holzgeländer bietet sich ein ungetrübter Blick auf die beginnende Abenddämmerung.

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Blick auf San Sebastián, der Hauzptstadt von La Gomera, dessen historischer Kern des Ortes innerhalb von 500 Jahren eine bewegte Geschichte erlebte.

Vorfreude dank Vorbereitung

Diese Reise führt uns auf alle sieben kanarischen Hauptinseln, die in zwei Provinzen aufgeteilt sind: Die eher dürren Inseln Gran Canaria mit Lanzarote und Fuerteventura sowie die verhältnismäßig grünen Archipele Teneriffa mit La Gomera, La Palma und El Hierro.

Jeweils rechtzeitig, bevor wir unsere nächste Destination erreichen, trägt die auf den Kanaren beheimatete Lektorin Petra Zens illustrierte Geschichten vor: über die Inseln, deren Flora und Fauna sowie Einwohner. Sie gibt auch Auskunft über die angebotenen Landausflüge.

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Direkt in der Nähe des Pico del Teide auf Teneriffa befindet sich die skurille Felsformation Roques de Garcia.

Beispielsweise zum Pico del Teide, dem mit 3.715 Metern höchsten Berg Spaniens und dritthöchsten Inselvulkan der Erde. Wer ihn mitmacht, fährt vom quirligen Tenderhafen Los Christianos hinauf bis zu dem auf 2.200 Meter Höhe gelegenen Hotel Parador im Nationalpark am Fuße des Feuerbergs.

Der Weg führt entlang von Wäldern aus feuerfesten Pinien. Sie wachsen am besten in 800 bis 1.600 Metern über dem Meeresspiegel – in Höhe der Wolken. Die Bäume melken die ziehenden Schwaden, indem sich an den langen Piniennadeln Tautropfen bilden, die zu Boden fallen.

Der sogenannte „horizontale Regen“ aus der feuchten Luft trägt wesentlich zur Wasserversorgung der ansonsten trockenen Vulkaninsel bei. Von weiter oben, direkt am Teide, schaut man, wie aus einem Flugzeug, herab auf das wabernde Wolkenmeer.

Teil 2 der Reisereportage mit der Sea Cloud Spirit unseres Autors Ralf Lieske lesen Sie hier am 18.05.22

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Fischerboote in einer natürlichen Lagune namens “Charco de San Ginés” im Zentrum von Arrecife, der Hauptstadt vonn Lanzarote.

Wissenswertes zur Sea Cloud Spirit:

♦ Länge über alles: 138 m
♦ Größte Breite: 17,20 m
♦ Tiefgang: 5,65 m
♦ Höhe des Großmastes über Wasserlinie: 57,90 m
♦ Gesamtsegelfläche: 4.100 m²
♦ Anzahl der Segel: 28
♦ Passagiere: max. 136
♦ Crew: ca. 85
♦ Baujahr: 2021
♦ Kabinen: 69 Außenkabinen (davon 22 Junior- und drei Owner-Suiten jeweils mit Balkon) sowie sieben De-Luxe-Lido-Außenkabinen mit Panoramafenstern zum Öffnen
♦ Öffentliche Bereiche: Restaurant, Lidobar und Bistro, Lounge mit Steinway-Flügel, Bibliothek mit Sitzecke, Sonnendeck mit Sonnenliegen und Dusche, Boutique, Rezeption, Hospital
♦ Fitness, Wellness & Spa: Wellness- und Spa-Bereich mit zwei Anwendungsräumen, finnischer Sauna, Dampfbad, Ruheraum, Erlebnisdusche, Kosmetik und Friseur, Fitnessbereich mit Meerblick und modernen Kardiogeräten, Badeplattform, Wassersport-Equipment, vier Zodiacs

Text: © 2022 by Ralf Lieske. Die Reise wurde unterstützt von Sea Cloud Cruises.
Fotos: Titelbild © SeaCloud, alle anderen Fotos © Ralf Lieske.

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