Harry Bellafonte hatte recht mit Grenada: makellos weiße Strände, sattgrüner Regenwald, rauschende Wasserfälle, einsame Buchten, eine buntschillernde Unterwasserwelt, angenehme Wasser- und Lufttemperaturen und Sonne satt.

Grenada erfüllt auf den ersten Blick alle Träume von einer Insel in der Karibik – und ist doch so viel anders als ihre Nachbarn. Das Klima ist zwar tropisch, aber durch den Passatwind wirkt die Schwüle nicht so drückend. Bei Durchschnittstemperaturen zwischen 24 und 30 Grad Celsius lässt es sich gut aushalten.

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Am niedrigsten sind sie zwischen November und Februar. Von Juni bis Dezember kann es auch mal regnen, ganz selten länger als eine Stunde am Stück – und anschließend lacht wieder die karibische Sonne vom  Himmel. In Grenada nennt man übrigens den Regen „Liquid Sunshine“ („flüssigen Sonnenschein“), was den Nagel auf den Kopf trifft.

In Ruhe tratschen am Liming Spot

Weil Grenada insgesamt „unter dem Winde“ liegt, also am Rand des klassischen Hurrikangürtels, ist das Land zum Glück nur sehr selten von den Auswirkungen tropischer Stürme betroffen und noch seltener von echten Hurrikanen. Ivan war 2004 der letzte und hatte ziemlich gewütet. Allerdings ist heute davon nichts mehr zu entdecken – die Natur hat wieder die Oberhand gewonnen, der Regenwald sich regeneriert und bei den Aufräumungsarbeiten wurde viel verbessert. Das lässige Selbstbewusstsein der Grenadiner hat seine Wurzeln in den franzîsischen Anfängen.

Grenada kulinarischGehörte Grenada nach der „Entdeckung“ durch Kolumbus doch zu den wenigen Plätzen in der Karibik, auf denen mehr freie Mulatten und Schwarze als Weiße große Plantagen betrieben.

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Eine ungewohnte Situation für die neuen weißen Kolonialherren aus England, als sie Grenada übernahmen. Prompt beschnitten sie die Rechte der schwarzen Plantagenbesitzer.

Am 2. März 1795, beflügelt durch die revolutionären Ereignisse in Paris, kam es unter der Führung des schwarzen Plantagenbesitzers Julien Fédon zu einem blutigen Aufstand gegen die englischen Inselherrn.

Heute wird Julien Fédon als Nationalheld auf Grenada gefeiert.

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Alles in allem sind die Grenader ein gemütliches Völkchen, das sich selten aus der Ruhe bringen lässt. Hetze, ein Fremdwort. Im Englisch der Karibik gibt es ein eigenes Wort für  entspanntes Herumhängen und Tratschen: „Liming“. Dazu gibt es sogar eigene Liming Spots: vor den bunten Holzhäuschen, auf Brettern oder Stühlen am Straßenrand. Und hier sind es die Männer und nicht die Frauen, die diesem „Volkssport“ am liebsten nachgehen! Uns fällt es schnell leicht, uns einzugliedern: ganz einfach entspannen, zurücklehnen, abwarten und Punsch trinken.

Relaxen und/oder Powern auf Grenada

Nach knapp 10 Stunden Direktflug landet die Condor-Maschine auf dem internationalen Flughafen im südlichen Teil der Insel. Da auf Grenada sowohl der Flughafen, als auch das touristische Zentrum der Insel nahe beieinander liegen, ist es zum Hotel nicht weit. Ein kurzer Transfer über eine Anhöhe, dann erfrischt uns im luxuriösen LaSource der erste Rum-Cocktail. Inmitten eines 16 Hektar großen tropischen Gartens am Pink Gin Beach liegt das Sandals La Source Grenada Resort & Spa.

Grenada kulinarischDen Sonnenuntergang vom Balkon aus genießen, bereit für Wellness und das breite Sportangebot von Tauchen und Schnorcheln über Wasserski und Tennis bis hin zu Bogenschießen, Golfen, Tai-Chi und Yoga lassen Gästen die Qual der Wahl.
Vier Restaurants verwöhnen den Gaumen mit herausragender Fusion-Cuisine, die karibikweit ihresgleichen sucht. Egal ob á-la-carte oder in Buffetform, Snacks und Kuchen am Nachmittag und alkoholfreie und alkoholische Getränke am Strand und in der Bar stellen mich vor die Qual der Wahl.

Hotspot für Taucher

Das Wassersport-Center des LaSource bietet Tauchausflüge verschiedener Schwierigkeitsgrade an der Westküste Grenadas an. Ein echtes Juwel für jeden Wracktaucher ist das italienische Kreuzfahrtschiff Bianca C, das hier 1961 nach einem Brand im Hafen gesunken ist. Man nennt es auch die „Titanic der Karibik“. Es ist mit 183 Metern Länge das größte Wrack der Karibik und schlummert jetzt friedlich in 30 bis 55 Metern Tiefe.

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Beim Tauchen begegnet man hier häufig anderen neugierigen Meeresbewohnern, die in den untergegangenen Schiffen ein neues Zuhause gefunden haben: Stachelrochen, Riffbarschen, Papageienfischen oder auch Schildkröten. Wer nicht tauchen kann, darf oder möchte, sollte sich wenigstens als Schnorchler einen Eindruck von der farbenprächtigen Unterwasserwelt verschaffen – einfach phantastisch.

Weil es auf Grenada so hügelig ist, entstand rund um die Insel eine unregelmäßig geformte Küste mit sehr vielen kleinen Buchten und über 40 Stränden. Wasser, Wind und Wetter haben im Laufe der Jahrtausende Korallen zu feinem weißen Sand zermahlen. Daneben gibt es auch 9 Strände mit schwarzem Sand, der aus dem Vulkangestein der Insel entstanden ist. Dieser dunkle Sand ist sogar noch feiner und noch weicher als der weiße. Die Strände sind alle sehr leicht zu erreichen, Taxis und Busse auf der Insel kein Problem. Und so kann, wer will, neben dem Hotelstrand einen auch mal ganz für sich alleine haben.

Grenada kulinarischBei Einheimischen und Gästen gleichermaßen beliebt ist der Strand von Grand Anse, in einer geschützten Bucht, ein 3 km langer Traum. Da er an der Westküste (Karibisches Meer) der Insel liegt, gibt es hier normalerweise nur wenig Wellen. Viele der größeren Hotels sind hier angesiedelt, stört aber nicht, da kein Hotel höher gebaut wurde als Palmen wachsen.

Grenada kulinarischSt. George – charmante Hauptstadt

Mit den Zehen im Sand spielend, lasse ich den Blick über das Meer, ein Bergmassiv im Hintergrund und hinüber zur winzigen Hauptstadt der Insel mit dem Namen St. George’s schweifen. Gerade mal 5 km liegt das hübsche Städtchen entfernt an einem fast rundum geschlossenen Naturhafen, der Carénage. Eine alte Festung, das Fort St. George, bewacht noch heute das Kommen und Gehen großer und kleiner Schiffe, die die Insel anlaufen.

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Die terrassenförmig angelegte Hauptstadt gehört zu den attraktivsten Städten der Karibik. Mit ihren weißen und pastellfarbigen Häusern ziehen sich die Hänge wie ein Amphitheater um die Hafenbucht. Die Bauten stammen noch aus der Zeit, als sich Schiffe mit Zucker, Rum und Gewürzen auf den Weg nach Europa machten.

Im Zentrum des Städtchens liegt der bunte Markt, auch heute noch Hauptumschlagplatz für alle einheimischen Produkte.

Grenada kulinarischHier treffe ich auf den Frankfurter Starkoch Mirko Reeh, der ebenfalls in Sachen Recherche unterwegs ist. Er will die einheimische Küche studieren und ich hefte mich an seine Fersen. Es macht unendlich viel Spaß, zu riechen, zu fühlen, zu schmecken und mit allen Sinnen sich vom regen Treiben anstecken zu lassen.

Ein Farbenmeer breitet sich vor meinen Augen aus: frische Lebensmittel, Gewürzkörbchen, Gemüse, Blumen, Essenzen, handgefertigte Batiken, bedruckte Stoffe, Flechtarbeiten, Ledererzeugnisse, Gemälde, Seifen, Kerzen, Potpourris, Schokolade, originelle Brotaufstriche wie Muskatkonfitüre oder Passionsfruchthonig).

Gewürze und natürlich echter karibischer Rum wechseln sich ab mit Plastikschüsseln, gehäkelten Babymützchen, Geheimmedizin und Süßem.


Vor allem die Fischhalle hat es mir angetan. Es türmen sich riesige Thunfische, Mahi Mahi, verschiedenfarbige Fische, die ich noch nie sah, große und kleine Barsche, Krabben und Lobster.

Grenada kulilnarischLächelnd freuen sich die Verkäufer, mich zu verblüffen, mir zu zeigen, wie die Fische verarbeitet, zerteilt und portioniert werden. Und jeder weiß mir eine Geschichte zu erzählen.

Fruchtbare Vulkaninsel Grenada

Auch wenn die feuerspeienden Berge von Grenada längst nicht mehr aktiv sind, verdankt das Land den Vulkanen doch den fruchtbaren Boden, auf dem alles so prächtig gedeiht – Mahagoni- und Eukalyptusbäume, Zedern und Blumen.

Der höchste Berg des Landes, der Mount St. Catherine, ist selbst so ein erloschener Vulkangipfel.

Die beiden großen Seen Lake Antoine und Grand Etang haben sich in vom Regenwald überwucherten Vulkantrichtern gebildet.

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Vor gefährlichen Tieren braucht man sich selbst im dichtesten Urwald nicht zu fürchten, hier begegnen wir allenfalls ein paar harmlosen Geckos, Gürteltieren oder den kleinen Mona-Äffchen. Naturschutz nimmt Grenada sehr ernst.

Über ein Neuntel der Landfläche sind Nationalparks, Naturreservate oder Tierschutzgebiete. Die saftig grüne Gebirgslandschaft Grenadas wurde damit nicht nur für Naturfreunde zum attraktiven Ausflugsziel.

Grenada KulinarischDie Wunder-Nuss

Dass Grenada seinen Namen als Gewürzinsel der Karibik verdient hat, bemerken Besucher gleich nach der Landung, denn die sanfte Brise weht den unverkennbaren Duft exotischer Gewürze über die Insel. Das gute Klima macht’s, dass sich neben Vanille, Zimt, Ingwer und vielen anderen Gewürzen vor allem Muskatnüsse wohl fühlen. So wachsen allein auf Grenada pro Quadratmeter mehr Gewürze als sonst irgendwo auf der Welt. Allen voran die Muskatnuss.

Grenada KulinarischSie prangt auf der Landesflagge der Antillen-Insel, ihr zu Ehren wird alljährlich sogar eine „Miss Nutmeg“ gewählt. Die Muskatnuss gibt Eiscremes den unverwechselbaren Grenada-Geschmack und Cocktails die besonders pikante Note. Kein Wunder, dass Grenada auch „Spice Island“ genannt wird und Muskatnuss & Co. als Touristenattraktion vermarktet.

Neben Muskat werden heute Piment (Nelkenpfeffer), Gewürznelken, Zimt, Ingwer, Bayleaf (Westindischer Lorbeer) und Kurkuma (Gelbwurz) in Grenada angebaut.

Vielfältige Muskatnuss

Die Grenader verwerten beim Muskat nicht nur den Fruchtkern, den wir alle irreführend als „Nuss“ bezeichnen. Vorwiegend ist die Muskatnuss als Gewürz bekannt. Sie wird auch als Aphrodisiakum und Hypnotikum eingesetzt. Oleoresine (geschmack- und farbgebende Extrakte) werden aus Blättern, Samen, Wurzeln oder Früchten durch Lebensmittelextraktion hergestellt.

Grenada KulinarischDas gelborange Fruchtfleisch, welches die Nuss umgibt, ist die Basis für Sirups oder Gelee. Die Mazis, den roten, fasrigen Samenmantel, der den Kern umhüllt, trocknet man auf Holzgestellen in der Sonne und verwendet ihn als Fleischwürze, als Konservierungsmittel oder zur Herstellung von Lippenstift. Die harte Kapsel, die den Kern dann noch umgibt, wird geknackt und auf Blumenbeete gestreut, wo sie die Feuchtigkeit hält.

In der Lebensmittelindustrie begehrt ist Muskatbutter, das sehr fette, durch Auspressen der Nässe entstehende, rotbraune Öl.

Grenada KulinarischMuskatnussöl sei das Geheimmittel gegen Arthritis. Kein Wunder dass es auch Muskatseifen, Massageöle, Kosmetika und mehr gibt.

Allheilmittel Muskat

Die Grenader sind eben ein bisschen verrückt nach Muskat – aber auch davon überzeugt, dass ihre Muskat sehr gesund ist. Auf der Plantage hat mir ein Einheimischer erzählt, eine Muskatnuss in der Hosentasche verhindere einen Herzinfarkt. Das probiere ich.

Grenada KulinarischUnter „Estates“ versteht man in Grenada Plantagen oder Landgüter, in denen Traditionserzeugnisse wie Gewürze und Zuckerrohr angebaut und zugleich weiterverarbeitet werden.

Grenada KulinarischWer sehen will, wo auf Grenada Muskat wächst, sollte das Dougaldston Spice Estate in St. Pauls’s besuchen und sich kurz in vergangene Zeiten einer alten Plantage versetzen.

Muskatnuss wird immer zusammen mit Bananen und Kakao gepflanzt.

Grenada kulinarischDie weitere Verarbeitung der Wunder-Nuss lasse ich mir in der „Gouyave Nutmeg Processing Station“ zeigen. Millionen von Nüssen werden in Mehretagen-Holzgestellen gelagert, dabei von Hand immer wieder gewendet und bewegt, damit sie rundum gut trocknen. Eine archaische Maschine knackt die harten Schalen, bevor sie in Handarbeit, meist von Frauen, nach vorgegebenen Größen und Qualitäten sortiert werden. Abgefüllt in Jutesäcke warten sie dann auf ihre Reise in die Welt.

Grenada Schokolade

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Der Duft der trocknenden Kakaobohnen auf der Plantage lockt uns dann zur Grenada Chocolate Factory. Hier erleben wir, wie aus einheimischen Zutaten – Kakao aus Bioanbau, echter Vanille und Zucker – leckere Grenada-Schokolade hergestellt wird.

Die eigene Farm liegt nur knapp 2 km von der Kleinst-Fabrik entfernt. Mir hat es vor allem die schwarze Schokolade mit 71% und 82% Kakaoanteil angetan, für die es bei internationalen Wettbewerben Preise regnete.

Grenada KulinarischGrenada kulinarisch

Was ich noch alles auf der Insel erlebt habe, und was es noch so alles kulinarisch zu entdecken gibt, folgen in Grenada – kulinarische Entdeckungen Teil 2.

Grenada kulinarisch

Text und Fotos: Annemarie Heinrichsdobler