Für Conny und Johannes Reins ist eine Kreuzfahrt eigentlich nichts Besonderes. Aber mit dieser Reise im Herbst erfüllt sich das Berliner Ehepaar gleich zwei Wünsche: Sie feiern den 40. Hochzeitstag auf dem nagelneuen Kreuzfahrtriesen der TUI Cruises, der „Mein Schiff 6“ und schließen so ganz nebenbei einen weißen Fleck auf der Landkarte. Und diese Kreuzfahrt mit Umweltschutz gibt ihnen ein besonders gutes Gefühl.

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Conny und Johannes Reins lieben die Kreuzfahrt.

Achtmal waren sie schon mit TUI Cruises unterwegs. Außerdem mit AIDA und Star Clipper. So haben sie schon das Mittelmeer, die Bahamas, Norwegen und Asien erlebt. Jetzt zieht es die Jubilare nach Nordamerika.

Erst seit kurzem bieten deutsche Kreuzfahrtreedereien diese Destination an, in der es aktuell noch angenehm warm ist, wenn es in Europa bereits langsam kalt und ungemütlich wird. Allerdings fordern gleich drei amerikanische Institutionen mit ihren strengen Auflagen die Reedereien heraus.

Nordamerika Kreuzfahrt mit Umweltschutz Axel Sorger
Axel Sorger

Auf der „Mein Schiff 6“ stellt sich der General Manager, Axel Sorger, der Aufgabe. Der gebürtige Nordenhamer kümmert sich mit den ihm unterstellten 850 Crewmitgliedern zum Beispiel um die Belange der Küstenwache, der US Coast Guard. Es geht um die die Sicherheit an Bord. Jedes Besatzungsmitglied muss genau wissen, was es im Ernstfall zu tun hat. Die US Coast Guard lässt sich in aller Ruhe vorführen, ob die Mannschaft genügend gedrillt wurde – auch wenn es einen ganzen Tag lang dauert.

Aber auch die Anforderungen der Zollbehörde Custom-Boarder-Protection (CBP) stellen Sorger vor Herausforderungen.

Nordamerika Kreuzfahrt mit Umweltschutz 12Beispielsweise der von der CBP geforderte ZeroCount: Es müssen alle Passagiere gleich nach dem ersten Anlegen in den USA von Bord. Erst dann darf man wieder zurück aufs Schiff. Viel Papierkram.

Auch die limitierten Öffnungszeiten der Shoppingmeile und Bars auf dem Schiff erfordern einen hohen Organisationsaufwand. So darf zu bestimmten Zeiten nur eine Bar pro Deck geöffnet haben. Und wann die Geschäfte in der schiffseigenen Shoppingmeile, „Neuer Wall“, öffnen dürfen, erscheint fast willkürlich.

Für Sorger sind allerdings die Anforderungen der United States Public Healtcare (CSPH) am schwersten zu erfüllen. Hier geht es im Zweifel um bauliche Veränderungen am Schiff.

Die Tresen in den Selbstbedienungsrestaurants müssen so mit besonders tiefen Glasscheiben abgedeckt werden. So werden die hungrigen Passagiere unfreiwillig zu wahren Akrobaten, wenn sie versuchen an die Speisen zu kommen. Oder das Besteck. Es muss in speziellen Behältern bereitgestellt werden anstatt einfach in den Besteckhaltern auf den Tischen bereitzuliegen.

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„Mein Schiff 6“ beim Auslaufen vor derm Skyline New Yorks

Doch Sorger lässt sich von den Auflagen der US Coast Guard, der CBP und der CSPH nicht unterkriegen. Er sagt, das ist eine „lösbare Aufgabe“ und es ist ein kleiner Preis für die Eroberung dieses attraktiven Fahrtgebietes. Und der Einsatz lohnt sich. Die Kreuzfahrtreedereien treffen den Nerv der Reisenden.

Indian Summer im Acadia-Nationalpark

Gerade rechtzeitig zum Indian Summer bereist nun auch TUI Cruises mit ihrer erst sechs Monate jungen „Mein Schiff 6“ die Ostküste der USA und Kanada. Eine Zeit in der sich das grüne Blätterkleid der Laubbäume in eine farbenprächtige rote und gelbe Kulisse verwandeln.

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Indian Summer im Acadia Nationalpark

Ein Magnet für Kreuzfahrer ist der Acadia-Nationalpark, der von dem idyllischen Fischer- und Urlaubsort Bar Harbor bequem zu erreichen ist. Hier gibt es keine Pier, die groß genug wäre für die riesigen Passagierschiffe. Sie müssen vor der Küste ankern oder seemännisch ausgedrückt „auf Reede“ liegen.

Nordamerika Kreuzfahrt mit Umweltschutz 10Um die einzigartige Landschaft des Acadia-Nationalparks zu erhalten, setzt der US-National-Park-Service eine Reihe von Ranger ein. Eine von ihnen ist Christie Denzel-Anastasia. Sie liebt ihre Arbeit. Besonders im Herbst, denn dann genießt man von der höchsten Erhebung in dem Park, dem 466 Meter hohen Mount Cadillac, den besten Blick über die grauen Granitfelsen und die bunten Wälder hinunter zum tiefblauen Atlantik.

Wie ein Magnet zieht der Indian Summer im Nationalpark die Besucher an. Unter ihnen auch viele Kreuzfahrtgäste. Denzel-Anastasia empfiehlt in dieser Zeit auch Alternativen zu den überlaufenen Touristen-Hotspots anzusteuern, zum Beispiel das „Thunder Hole“, wo sich die Wellen auftürmen und mit gewaltigem Donner in einer Felshöhle brechen.

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Auf der Reede vor Bar Habor

Kreuzfahrt mit Umweltschutz

Um diese schützenswerte Natur zu erhalten, gelten seit 2015 für Schiffe strengere Umweltauflagen. So gibt es zum Beispiel für die Ostküste der USA und Kanada einen neuen Grenzwert für Schwefel als Bestandteil von Schiffsbrennstoff: Statt bislang einem Prozent darf es jetzt nur noch 0,1% sein. Das hatte die internationale Schifffahrts-Organisation IMO bereits vor Jahren festgelegt. Diese Regelung gilt außerdem u.a. für Nord- und Ostsee. Die Gebiete bezeichnet man zusammenfassend als Emission Control Area (ECA).

Nur Schiffe mit Abgaswäschern, sogenannten Scrubbern, oder mit schwefelärmeren Marinediesel beziehungsweise Liquified Natural Gas (LNG) in den Tanks halten die Grenzwerte ein. Bisher wurden die Abgasregelungen auf den Weltmeeren stets verschärft. Doch Dietmar Oeliger, Leiter Verkehrspolitik beim Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU), befürchtet Lockerungen: „Die ECA Regelungen wurden maßgeblich unter Beteiligung der amerikanischen Umweltschutzbehörde ausgehandelt und Trump hat ganz bewusst dort jemanden an die Spitze gesetzt, der von Umweltanforderungen nicht viel hält.“

Nordamerika Kreuzfahrt mit Umweltschutz 7Der Hummer liebt eine saubere Umwelt

Von der Reinheit der Umwelt profitieren die ganze Ostküste der USA und Kanada. Nur dann vermehrt sich der Hummer prächtig. Es fallen die vielen kleinen Bojen vor den Stränden aber auch weit draußen im Ozean auf, mit denen die Fischer die Korbreusen markieren, in denen der Hummer gefangen wird. Jeder Fischer hat eine eigene Bojenfarbe und die Fangrechte werden von Generation zu Generation vererbt.

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Typisches Lobstergericht

Wie sehr das Krustentier die Menschen prägt ist unübersehbar. Lobster, wie der Hummer dort heißt, bestimmt die Küche.

Nordamerika Kreuzfahrt mit Umweltschutz 16Kein Wunder, dass unzählige Restaurants ihn auf der Speisekarte haben. Für ungeübte zeigen die Kellner gerne, wie man an das noch kochend heiße delikate Fleisch kommt: Einfach mit der Zange den Panzer knacken und mit den Fingern herauspressen.

Und wem das noch nicht reicht, wird in Bar Harbor als Nachtisch auch noch eine Portion Hummereis angeboten. Satt und zufrieden setzen sich die Kostgänger dann in ihre großen Pick-ups mit den kleinen Lobster-Bildchen auf den Nummernschildern.

Dabei ist dieser Hype fragil; denn der Lebensraum der Meeresbewohner wird durch Emissionen immer weiter verunreinigt. An Land wie auch auf den Weltmeeren.

Reduzierung von Umweltbelastungen

Viele Kreuzfahrtreedereien setzen auf Schweröl und zur Reduzierung von Umweltbelastungen unter anderem auf den Einsatz von Scrubbern, die 99 Prozent der Schwefeloxide und etwa 60 Prozent der Rußpartikel herausfiltern.

Nordamerika Kreuzfahrt mit Umweltschutz 5Den meisten Schadstoffausstoß könne man aber durch Energieeinsparung vermeiden, so der Umweltoffizier der „Mein Schiff 6“, Athanasios Kallikis. Kreuzfahrt mit Umweltschutz bedeutet auch auf die Energiebilanz zu achten. Etwa 30% weniger Energie als vergleichbare andere Schiffe verbrauche die Flotte. So werden etwa die Pools an Bord mit Motorabwärme beheizt. Kein Wunder, dass alle neuen Schiffe der TUI Cruises beim diesjährigen Kreuzfahrt-Ranking des NABU auf Platz 1 landen. Sie sind technologisch auf dem richtigen Weg. Doch Öliger fordert mehr: Einsatz und Weiterentwicklung modernster Umweltschutztechnologien und Verzicht auf Schweröl.

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Maschinenleitwarte der „Mein Schiff 6“ mit Umweltoffizier Athanasios Kallikis und 2. Ingenieur Stylianos Giarimoustas

Beim Einsatz von LNG gehen die Meinungen zwischen dem NABU und den Kreuzfahrtreedereien auseinander: Die Branche ist zurückhaltend, denn eine lückenlose Versorgung mit LNG entlang der für Kreuzfahrten relevanten Routen sei derzeit noch nicht gegeben.

So können die Gewässer vor den USA und Kanada nur mit konventionellen Kraftstoffen befahren werden. Vor diesem Hintergrund hat sich TUI Cruises zum Zeitpunkt der Planung für die weiteren Neubauten, die 2018 und 2019 in Dienst gestellt werden, vorläufig gegen LNG entschieden.

Oeliger hingegen meint „der Aufbau einer Tankstelleninfrastruktur sollte von den Häfen bzw. Reedern selbst bezahlt werden“. Die Produktion von LNG ist aber auch nicht grün. Es entweicht dabei das Treibhausgas Methan. Oeliger erklärt „Studien, u.a. vom International Council on Clean Transportation (ICCT), gehen allenfalls von einer leichten Verbesserung aus, je nach Höhe des Methanschlupfes beziehungsweise der Herkunft des Gases sogar von einer leichten Verschlechterung gegenüber dem Umstieg von Schweröl auf Marinediesel in Kombination mit Katalysator und Partikelfilter.“

Kritische Jugend

Nachhaltig Reisen ist der Trend der Zukunft. Die 39-jährige Tochter der Reins greift die Kritik vom NABU auf und mahnt: „Schon wieder eine Reise mit einer Dreckschleuder“. Doch das Rubinhochzeitspaar weiß, dass auf den neuen Schiffen generell die Abgase besser gereinigt werden, als auf älteren Dampfern und zukünftig die Schadstoffemissionen noch weiter reduziert werden. So wollen sie auch weiterhin ihre Reisen an weit entfernte Destinationen auf umweltfreundlicheren Kreuzfahrtschiffen wie der „Mein Schiff 6“ genießen.

Schiffsname / Reederei: Mein Schiff 6 /TUI Cruises
Baujahr: 2017
Länge: 295,3 Meter
Kabinen: 1276 (davon 963 Balkonkabinen) für 2534 Passagiere
Decks: 15
Restaurants: 12
Bars: 14
Abgasreinigung: Scrubber im Open- und Closed-Loop Betrieb

Reiseroute: Bayonne (New York), Boston, Bar Harbor, Saint John, Halifax, Bayonne (New York)

Reisezeitraum: September und Oktober – passend zum Indian Summer

Preisbeispiele:
– Innenkabine Kategorie B (3072): 1.678 EUR, 2.678 EUR mit Flug (pro Person/Zweier-Belegung)
– Balkonkabine Kategorie C (Eure Kategorie, z.B. 9054): 1.978 EUR, 2.978 EUR mit Flug (pro Person/Zweier-Belegung)
– Junior Suite (10018): 2.888 EUR, 3.888 EUR mit Flug (pro Person/Zweier-Belegung)

Anreiseformalitäten:
Die USA fordern ein Visum oder die Beantragung einer elektronischen Reiseerlaubnis (ESTA). Die Beantragung erfolgt online über https://esta.cbp.dhs.gov/esta und kostet 14 US-Dollar. Er ist spätestens 72 Stunden vor der Einreise mit einem Reisepass, der noch mindestens 6 Monate nach Reiseende gültig ist, zu stellen.

Ausflugstipps:
– Priorisierter freier Eintritt für drei Attraktionen nach Wahl in New York mit dem „New York CityPASS C3“ für rund 68 Euro.
– Landausflüge sind schnell vergriffen. Daher: Buchung vor Reisebeginn empfehlenswert.
– nach Maine im Indian Summer.
– Für eine Bootstour zur Freiheitsstatue & Ellis Island ausreichend Zeit einplanen:

Quelle und Text: © 2017 by Ralf Lieske
Fotos: © Andreas Prochnow/Ralf Lieske, © Tom Kohler/TUI Cruises, © Christie Denzel-Anastasia/Ralf Lieske