Grün, Weiß und Blau, die typischen Farben der Tropen, dazu dichter Urwald, von Palmen überragte feine Sandstrände mit bizarren Granitfelsen und der endlos weite Indische Ozean: Die Seychellen gleichen einem Garten Eden. Und in gewisser Weise sind sie es auch.

Die Seychellen erstrecken sich südlich des Äquators auf über 1.200 km von Westen nach Osten. Topografisch gehören sie zu Afrika. Insgesamt besteht die Republik aus rund 115 Inseln, geologisch gesehen sind es 42 Granitinseln und 73 Koralleninseln. Südlich der Seychellen liegen Madagaskar, Mauritius und die Komoren.

Ein Garten Eden - die Seychellen Teil 1Auf den Seychellen existieren drei Arten von Riesenschildkröten. Die meisten von ihnen, nämlich 150.000, leben auf dem Aldabra-Atoll. Ein Garten Eden - die Seychellen Teil 1

Außerdem sind die Seychellen auch ein Paradies für Ornithologen. Durch die isolierte Lage des Archipels haben sich hier 13 Vogelarten und 17 Unterarten entwickelt, die es nur auf den Seychellen gibt.

Dazu gehören zum Beispiel der letzte überlebende flugunfähige Vogel des indischen Ozeans, die „Weißkehlige Ralle“. Einzigartig ist auch der Seychellen-Vasapapagei im Vallée de Mai auf Praslin.

Ein Garten Eden - die Seychellen Teil 1„Die Seychellen sind eine der letzten Destinationen für Menschen, die die Natur lieben“, sagt Alain St. Ange, Tourismus- und Kulturminister der Seychellen in Victoria. „Deshalb müssen wir die Schätze bewahren, die wir haben.“

So sind die Seychellen das erste Land der Erde, das den Naturschutz in seine Verfassung aufgenommen hat. Mit 58,61 % seiner Landfläche hat der Inselstaat mit Abstand prozentual den größten Anteil geschützter Gebiete weltweit.

„Massentourismus“, sagt er, „ist nicht gewollt – im Gegenteil, wir setzen auf umweltfreundliche Hotels und Unterkünfte“. In sogenannten „Wildlife Clubs“ wird das Öko-Bewusstsein von jungen Einheimischen geschärft.

Obwohl sie sehr klein sind, besitzen die Seychellen zwölf Naturschutzgebiete. Mehr als 50 % aller Pflanzen- und Tierarten kommen nur hier vor. Dazu gehören auch die Wahrzeichen der Inseln – die Seychellen-Riesenschildkröten und die Meereskokosnuss.

Ein Garten Eden - die Seychellen Teil 1Wichtigster Wirtschaftszweig des Landes ist der Tourismus, in dem 30 % der arbeitenden Bevölkerung beschäftigt sind. Diese erwirtschaften damit 70 % des Volkseinkommens.

2015 verzeichneten die Seychellen 260.000 Besucher. Mit 36.000 Gästen lag die Bundesrepublik Deutschland nach Frankreich auf Platz 2.

Ein Garten Eden - die Seychellen Teil 1Legendäre Palmenfrucht

Der von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärte Nationalpark Vallée de Mai ist einer der letzten Orte, wo die Meereskokospalme (Coco de mer) ungestört wachsen kann.

Als die Regierung 1966 das Tal erwarb, beschloss man, nur noch einheimische Gewächse gedeihen zu lassen. Wie das Innere einer Kathedrale wirkt der dämmrige Wald. Lianen ziehen sich durch ein Gewirr von Bananenstauden, Bambus, Akazien und Zimtbäumen. Hoch über dem Dickicht säuseln die gefächerten Blätter, unten liegen Geckos und Eidechsen in der Sonne.

Das Highlight ist jedoch die Coco de mer. Sie hängt an der mythischen Seychellennusspalme, die nur auf zwei Inseln des Archipels wächst, nämlich auf Curieuse und Praslin, und sonst nirgends auf der Welt.

Dieser Samen ist aufgrund seiner Form, die an ein weibliches Hinterteil erinnert, von vielen Legenden umrankt.

Lange hielt man die Coco de mer für die Frucht von Unterwasserbäumen und schrieb ihr aphrodisische Wirkung zu. In der Neuzeit wurde sie für viel Geld nach Europa exportiert, wo man aus ihr Epilepsieheilmittel und „Wundertränke“ herstellte.

Es gibt männliche und weibliche Bäume. Nur letztere tragen Früchte. Sie gelten als die größten Samen des Pflanzenreichs, die bis zu 30 kg schwer werden können.

Ein Garten Eden - die Seychellen Teil 1Ihre spärliche Verbreitung rührt daher, dass die Palmen äußerst langsam wachsen: Erst nach 25 Jahren bilden sich die ersten Nüsse, die dann noch sieben Jahre brauchen um zu reifen.

Dafür hat der Baum eine extrem lange Lebensdauer – von bis zu 800 Jahren. Die männlichen Palmen werden mit bis zu 30 m am höchsten und besitzen einen oder mehrere phallusähnliche Blütenstände, die meist um die 90 cm messen, manchmal aber auch bis zu 2 m lang werden können. Sie bestehen aus etwa hundert kleinen gelben, sternförmigen Blüten, und haben, wie die weiblichen Früchte, die Fantasie schon immer beflügelt.

Ein Garten Eden - die Seychellen Teil 1Der vom Staat kontrollierte Verkauf an Touristen ist eine bedeutende Einkommensquelle der Seychellen. Nur 1000 Nüsse kommen allerdings pro Jahr auf den Markt.

Wer auf eigene Faust durch den Wald wandern möchte, der kann sich eine detaillierte Karte und Informationen zum etwa zweistündigen Rundgang im Empfangsbüro vom Vallée de Mai besorgen.

Highlight für Botaniker

Auf dem Landgut Jardin du Roi in Les Canelles, das sich an einen Berghang von Mahé schmiegt, kultivierte der königliche Intendant Pierre Poivre im 18. Jahrhundert die ersten Gewürzpflanzen der Seychellen. Sie kamen als Schmuggelgut aus der holländischen Kolonie Ostindien, deren Monopol er zu brechen hoffte.

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Sans Soucis Road auf Mahé

Poivre zweiter Versuch hatte leider nicht viel mehr Erfolg als der erste: Nur der Zimt konnte sich wirklich akklimatisieren. Um zu verhindern, dass die Gewürze in Feindeshand fielen, wurde die Plantage in den Napoleonischen Kriegen auf Befehl des Gouverneurs niedergebrannt.

Um 1860 kaufte eine englische Familie das Anwesen und baute es teilweise wieder auf. Seither hat man es im Stil des ursprünglichen Jardin du Roi restauriert. Vanille, Zimt, Nelken, Pfeffer und Muskatnuss werden angepflanzt und auch verkauft.

Von der Terrasse des kleinen Restaurants genießt man eine herrliche Aussicht auf die Wälder und Plantagen der Ostküste. Das Gewürzeis und die frisch gepressten Säfte sind der Hit!

Ein Garten Eden - die Seychellen Teil 1Über unser Inselhüpfen auf den Seychellen und über die wunderbare Vielfalt von Mahé, Praslin, Saint Anne und La Digue – darüber berichten wir in unserem Teil 2 der Seychellen-Reportage. Die Seychellen aus der Luft gesehen, ist auch ein Erlebnis.

Text: Sonja Schön / Annemarie Heinrichsdobler
Fotos: Edmund Heinrichsdobler