In Lissabon geht es bergauf bergab, von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt. Ein Spaziergang durch die Stadt gleicht einem schwerelosen Dahingleiten durch Gassen. Praktisch die Aufforderung, Lissabon einfach nur zu geniessen und sich treiben lassen. Hier gibts Tipps für einen Kurztrip nach Lissabon.

Lissabon geniessen und sich treiben lassen
Hoch über den Dächern schweben die Miradouros – entzückende Aussichtsplattformen, die Tag und Nacht atemberaubende Blicke über die Stadt und den Tejo bieten. Hier der Miradouro de St. Caterina im Bairro Alto.

Unser Traum beginnt pünktlich zu Sonnenuntergang. Auf dem Miradouro de St. Catarina sitzen viele Menschen auf Bänken, auf Steinen, im Gras.

Sie alle blicken über den Tejo hinweg, der breite Strom Lissabons, in weiches Abendlicht getaucht, rechterhand breitet der Cristo Rei seine Arme aus – gleich einem Gruß an die untergehende Sonne.

Musik ertönt, Gitarrenklänge und viel Atmosphäre – alles ist bereit zum Start in die Nacht.

Kulinarische Diversität

Lissabon geniessen und sich treiben lassen
Lissabon ist eine Street-Art-Metropole

Da die Winter in Lissabon nicht besonders lang sind und auch nicht wahnsinnig kalt, lässt es sich gut draußen aushalten – aufgewärmt durch ein Abendessen in einem der zahlreichen kleinen Restaurants im Viertel oder anderswo in der überschaubar großen Stadt.

Hier gibt es neben allerlei internationaler Küche auch viel brasilianische und afrikanische Wurzeln, v.a. die der ehemaligen portugiesischen Kolonien Angola, Mozambique, Kap Verde sowie Prinzipe e S. Tomé.

Die nationale portugiesische Küche ist deftig und macht satt.

Ein Klassiker, den es überall gibt, ist ein Bife (Beef) flankiert von Reis auf der einen, Pommes auf der anderen Seite und oben drauf ein Spiegelei, dazu Salat.

Eine berühmte Suppe ist Caldo Verde, eine Kohlsuppe mit einem Stück Chourizo drin, einer Paprikasalami.

Lissabon geniessen und sich treiben lassenAuthentische portugiesische Küche im Bairro Alto gibt es z.B. im Toma La Da Ca – eine kleine Wirtschaft mit vielen Einheimischen und moderaten Preisen. Wer gehoben speisen will, bekommt viel vom Meer, denn fangfrischer Fisch sowie der Stockfisch ist hier an der Tagesordnung.

Szene Lissabon: Restaurants mit Lifestyle

Das Restaurant The Decadente im EG und Insólito im Penthouse des Luxushostels The Independente Suites & Hostels im Bairro Alto gehört zu den stilvollen kulinarischen HotSpots, die Touristen wie Einheimische gleichermaßen anziehen.

Das The Decadente, steht unter der Ägide des 31-jährigen Chefkochs Nuno Bandeira de Lima, der Erfahrungen in der portugiesischen Spitzengastronomie (VirGula, Lapa Palace, Esperança, Altis Belém) sammelte.

Ein weiteres beliebtes, öffentlich zugängliches Hotelrestaurant ist das Bahr im stylischen Bairro Alto Hotel.

Hier findet sich übrigens eine umfangreiche Liste mit weiteren Spitzenrestaurants der Szene Lissabon.

Time Out Market in Lissabon – Szene Lissabon: Ausgehen in Lissabon
Spitzenküche und lokale Gastronomie im Time Out Market

Wer es ganz exklusiv mag, findet das 1-Stern-Michelin-Restaurant im Luxushotel Fortaleza do Guincho, etwas außerhalb Lissabons im Fischerort Cascais.

Berühmt sind die zahlreichen brasilianischen Rodizios, bei denen es Fleisch von Spießen gibt. Der Keller bringt die großen Spieße an den Tisch und schneidet den All-you-can-eat-Gästen ab, soviel sie mögen.

Bekannte Churrascarias sind das Fogo de Chao oder das Sabor Mineiro. Dort kommen auch Vegetarier auf ihre Kosten, denn es gibt zudem Essen vom Buffet.

Erklärte Lieblingsrestaurant vieler Insider ist das kleine, aber feine Gourmetrestaurant Boi Cavalo auf dem anderen berühmten Hügel mit Gassengewirr: die sagenumwobene Alfama, in der sich schon so manche(r) nüchtern verirrte.

Lissabon geniessen und sich treiben lassenDie Baixa Unterstadt, Chiado und Bairro Alto verbindet die Elétrico 28. Die meisten Menschen in Lissabon sind aber zu Fuß unterwegs. Fußmärsche durch das nächtliche Lissabon haben ihren ganz besonderen Reiz. Für längere Strecken gibt es auch preislich moderate Taxis. Lissabon liebt die Nacht.

Der Bär tobt in den Gassen des Bairro Altos, das an das schnieke Einkaufsviertel Chiado oberhalb der Baixa (Unterstadt) angrenzt.

In dieser Gegend kommt es um 4 oder 5 Uhr morgens manchmal noch zu Verkehrsstaus. Hier befinden sich zahlreiche Restaurants, Pubs, Tanz-. Wein- und Trinklokale, viele von ihnen so klein, dass die zahlreichen Gäste sich unweigerlich auf die Straße stellen – was nicht nur im Sommer die Gassen zum ultimativen HotSpot macht.

So liberal sich dieses Street Life auch anhört, die große Schere zwischen Arm und Reich ist ein Charakteristika für die Gesellschaft Lissabons. Es gibt Clubs für die Reichen und Schönen, für die Szene Lissabon, für Touristen und Studenten, für Afrikaner und für die Subkultur.

In Lissabon gibt es eine große Zahl exklusiver Adressen mit Klingel und Türstehern, die genau auswählen, wer hinein darf und wer draußen bleiben muss. Oft bestimmt die Security sogar die Höhe des Eintrittspreises.

Designt für Lissabons Upper Class und alle, die solche Luft schnuppern wollen, ist etwa die Café-bar BA, die zum Bairro Alto Hotel gehört und alles nur keine typische Hotelbar ist. In stylischer Atmosphäre gibt es hier eine große Auswahl an Salaten, Sandwiches, Toasts und den BA Burger. Die Getränkekarte zählt 73 Gin&Tonic Cocktails, die mit Raritäten der Spirituose gemixt werden.

Die Musik kommt hier von bekannten, fast täglich wechselnden DJs, aber auch Bands von Jazz und Blues bis Bossa Nova oder portugiesische Musik.

Ausgehen in Lissabon

Ebenso der private Silk Club im Penthouse des höchsten Gebäudes im Chiado der seit nunmehr zwei Jahren Sushi, Shashimi und Signature Dishes und Clubbing vereint. Dazu gehört eine Dachterrasse mit einer atemberaubenden 270º Sicht der urbanen Skyline – Rooftop-Locations sind auch ein Privileg der Schönen und Reichen dieser Stadt. Dazu kommen Djs, Desserts und Drinks.

Lissabon geniessen und sich treiben lassen

Der kürzeste Weg vom Ausgehviertel Bairro Alto hinab zu den Diskotheken in den ehemaligen Haenanlagen und am Cais do Sodré.

 

Für wen es Zeit für eine Ortsveränderung wird, braucht sich bloß die Beine zu vertreten und gelangt z.B. über die steile Rua da Bica hinab in die Avenida de 24 de Julho, eine Partymeile am Tejo.

Ein Zwischenstopp in einer der vielen Bars, zum Beispiel im „Dona Saudade“ lohnt sich.

Die alte Hafenzone Lissabons wurde Ende der 1980er Jahre privatisiert.

Wo die alten Lager der Fischer leer standen, sind heute die Docas (Santo Amaro Docks), in denen sich einige der besten Bars und Restaurants sowie viele Clubs befinden.

In einer großen Disco in den Docas mit wechselnden Themenabenden bedeutet die wöchentliche Ladies Night nicht nur, dass Frauen gratis hineindürfen. Nein, sie trinken auch den ganzen Abend über umsonst. Bloß die Männer zahlen und das dafür reichlich.

Weiter flussaufwärts Richtung St. Apolonia, vorbei am Cias do Sodre liegt das Lux, ein bekannter Szeneclub mit internationalen DJ-Sets und jahrzehntelanger urbaner Clubhistorie.

Der Feinschmecker-Markt

Time Out Market in Lissabon: Frontcooking trifft Fine DiningAuf dem Weg lohnt sich ein Abstecher in den Mercado da Ribeira, die größte und älteste noch erhaltene Markthalle Ribeiras, die heute zahlreiche Szene- und Fischrestaurants sowie Bars beherbergt.

Darin und drum herum liegen weitere Marktrestaurants und der malerische Parque da Ribeira mit weiteren Cafés.

Hier munden typisch portugiesische Snacks, etwa Pasteis, Schnecken oder Meeresfrüchte

Dort kann man das Nationalgetränk Ginjinha d’Óbidos, ein trockener Weißer Portwein mit Orangenzesten oder so etwas Ausgefallenes wie Smash! probieren. Das ist ein Aguardente Velha Chancella mit Limejuice-Spritzer, Grüner-Tee- und Honig-Sirup sowie frischer Minze.

Mehr lesen Sie in diesem Beitrag über den Mercado da Ribeira.

Egal wo in dieser Stadt, ausgehen in Lissabon endet meist erst frühmorgens. In den meisten Clubs brummt der Bär bis gegen 6 Uhr.

Zahlreiche Locations bieten eine Afterhour an. Coronabedingt hat sich die Szene Lissabon noch mehr nach draußen in die Straßen verlagert, als das ohnehin hier normal ist.

Andere Discos feiern auf Terrassen und Dächern wie etwa das oben erwähnte Lux Frágil.

Wer sich zu dieser frühen/späten Stunde noch in der Nähe des Bairro Altos befindet, geht am besten der Nase (und den übrigen Nachtschwärmern) nach.

Lissabon geniessen und sich treiben lassenIn der Morgendämmerung eröffnen die rustikalen Backstuben des Viertels, die neben dem typischen Weißbrot verführerische Gebäckstücke backen.

Diese werden frisch vom Blech weg verkauft – anstellen kann man sich in einer langen Schlange müder Partyhasen, wieder bis hinaus auf die Straße, um sich hier noch eine Stärkung für den Nachhauseweg zu holen.

Wir lieben Stadt-Spaziergänge. Dann gefällt dir sicher auch unsere Reportage “Sehnsucht nach Lissabon”. Und waren Sie schon mal im Winter in Lissabon oder in Rom?

Text Verena Wagner
Fotos: © Turismo de Lisboa (2x) / © Verena Wagner (8x)