Es ist eines der kleinsten Länder Europas – das beschauliche Fürstentum Liechtenstein, das sich zwischen der Schweiz und Österreich in die Berge schmiegt. Das kulinarische Kleinod ist einen Besuch wert, denn es hat viel zu bieten.

Für die meisten hat Liechtenstein mit viel Geld zu tun, doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Nur elf Dörfer und gut 38.000 Einwohner zählt der kleine Staat und doch hat er seinen Gästen eine Vielfalt an vorzüglichen Weinen und kulinarischen Produkten zu bieten. Auf 160 km² gibt es nämlich gleich fünf Restaurants, die in bekannten Gourmetreiseführern im oberen Bereich zu finden sind.

Kulinarisches Kleinod Liechtenstein
Vom Fürstensteig aus, liegt das Städtchen und das Ländle zu Füßen.

Der Hauptort des Kleinstaates ist Vaduz. Die Stadt ist Sitz der liechtensteinischen Regierung.

Weithin sichtbar, majestätisch und unnahbar zieht das mittelalterliche Schloss der Fürstenfamilie die Blicke magisch an. Der Wohnsitz der fürstlichen Familie ist zugleich auch das Wahrzeichen des Landes. Vom Schloss aus blickt man auf das Bergpanorama der Schweizer Alpen bis hinüber nach Vorarlberg.

Kulinarisches Kleinod LiechtensteinZu Füßen des Schlosses liegt die Stadt, pardon, das „Städtle“. In einer halben Stunde hat man es abgeschritten, doch diese schlägt in ihrem Abwechslungsreichtum so manche Großstadt um Längen.

Straßenkunst wohin man tritt, exzellente Museen, feine Geschäfte und nette Lokale. Keine fünf Minuten vom Zentrum entfernt ist man in den Weinbergen, in denen edle Tropfen gedeihen, die so fein sind, dass sie die Einheimischen lieber selber trinken.

Kulinarisches Kleinod LiechtensteinKunst und Kultur werden im Fürstentum traditionell groß geschrieben. Zwölf Museen und kleinere Privatgalerien laden zum Besichtigen ein. Ein Beispiel dafür ist das Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz.

Kulinarisches Kleinod Liechtenstein
Der Fürstenhut – eines der Highlights der Schatzkammer.

Nur einige Schritte davon entfernt befindet sich das Landesmuseum. Die Ausstellung in drei eigenwilligen Häusern führt zu ungeahnten Augenblicken gemeinsamer Erinnerung und macht Kulturgeschichte, Landeskunde und Naturkunde zum Erlebnis.

Das Postmuseum im „Engländerbau“ lehrt auch jene das Staunen, die nicht zum Kreis der Philatelisten zählen. Im Heimatmuseum im Walserort Triesenberg, der Sonnenterrasse hoch über dem Rheintal, kann man sich über das Brauchtum und die Kultur der Walser informieren, die hier noch ihre eigene Sprache, das Walserdeutsch, sprechen.

Mit dem Städtlezug zur Hofkellerei

Im kleinen Citytrain, liebevoll Städtlezug genannt, kann der Gast von Ostern bis Mitte Oktober alle Sehenswürdigkeiten genussvoll „erfahren“. Mit dem Gefährt geht es durch die Weinberge auch zur Hofkellerei des Fürsten.

Das Weingut verfügt über erstklassige Reblagen in Vaduz sowie im österreichischen Wilfersdorf. Eine Weinprobe mit Weinen vom Vaduzer Herawingert in der kellereieigenen Vinothek ist ein echtes Erlebnis.

Kulinarisches Kleinod LiechtensteinDie Qualitäten, die hier erzielt werden, haben zu einer echten Weinrenaissance geführt, und so wird heute von über 100 Winzern auf 26 ha Rebfläche liechtensteinischer Rot- und Weißwein produziert.

Die Auswahl reicht von Vaduzer Riesling Sylvaner über Vaduzer Chardonnay bis zu Pinot Noir. Die Weinberge liegen alle in Föhntälern der Alpenausläufer an den Südhängen der Berge.

Ein bekannter Winzer ist Harry Zech. Im Herbst 1998 kelterte er seinen ersten eigenen Wein. Heute beträgt die gesamte Rebfläche etwa 3 ha. Sie setzt sich zusammen aus 7 verschiedenen Rebbergen in Vaduz und Mauren. Alle Rebberge sind seit der neuen Weinqualitätsverordnung im Fürstentum Liechtenstein vom Mai 2005 mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung (AOC).

Die Weinberge werden biologisch und umweltschonend, in Harmonie mit der Natur bewirtschaftet. Seit 2014 nach den Demeter-Richtlinien für biodynamischen Weinbau, d.h. es wird auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, auf Herbizide und auf Kunstdünger verzichtet. Die Weinbergsböden sind das ganze Jahr begrünt, damit die Nützlinge einen Lebensraum und ein ständiges Nahrungsangebot (z.B. Blütenpollen) haben.

Kulinarisches Kleinod LiechtensteinIm Keller werden die Trauben sehr schonend weiterverarbeitet und puristisch gekeltert. Gelesen wird von Hand mit Plastikkistchen, die „Rotwein-Maische“ wird noch von Hand in den Holgärstanden gestösselt und nach der Gärung mit geringem Druck ausgepresst. Die Weissweine werden möglichst wenig filtriert, die Rotweine werden alle unfiltriert abgefüllt, damit der Wein natürlich mit seinen wichtigen Inhaltsstoffen in die Flasche kommt.

LiechtensteinAusgezeichnete Genüsse

Von einfachen traditionellen Gerichten bis zu kulinarischen Höhenflügen der Gourmetlokale ist in Liechtenstein alles vertreten. Die regionale Küche, sowie Bekanntes aus der Schweiz, Österreich und Süddeutschland steht auf den Speisekarten.

Während ein Teil der Spitzenköche auf Experimente setzt, fühlt sich ein anderer eher der Tradition verpflichtet, Köstliches der klassischen Küche zu servieren. Beide Richtungen aber lassen es an Phantasie und Innovation nicht fehlen.

Liechtenstein ist vor allem für zwei Gerichte bekannt: den Ribel, gerösteten Maisgrieß, zu dem man üb­licherweise Kaffee trinkt. Die aromenreiche Maissorte darf nur in den Kantonen St. Gallen und Graubünden sowie in Liechtenstein angebaut werden.

Die zweite Spezialität sind die Käsknöpfle, ein traditionelles Teigwarengericht, das mit braun gerösteten Zwiebeln und je nach Geschmack mit Erdäpfel­salat oder Apfelmus gegessen wird.

Kulinarisches Kleinod LiechtensteinAls weitere traditionelle Vertreter der heimischen Küche gelten Kratzate, Sulzbraten, Älplerrösti, der Liechtensteiner Rauchteller, Kutteln in Weinsauce oder der berühmte Sauerkäse.

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Wirtshaus zum Löwen

Einkehren sollte man dazu in der „Wirtschaft zum Löwen“, die sich im beschaulichen Ortsteil Hinterschellenberg in einem über 400 Jahre alten ehema­ligen Bauernhaus befindet. Das Wirtepaar kennt und pflegt die über sechs Generationen vererbten Hausrezepte.

Ein weiterer Geheimtipp ist die Weinlaube in Schellenberg, am Fuße der gleichnamigen Burgruine gelegen. In dieser herrlichen Atmosphäre, ob im Sommer in der kühlen Weinlaube oder im Winter in einer der heimeligen Stuben, gibt es nichts Besseres, als sich einen guten Tropfen zu genehmigen, begleitet von einem köstlichen Schmankerl.

Kulinarisches Kleinod Liechtenstein

 

Die im Dezember 2007 eröffnete Liechtensteiner Brauhaus AG ist die erste Brauerei seit mehr als 100 Jahren. Genießen kann man das Bier z. B. im ältesten Gasthof Liechtensteins dem „Löwen“, in dem der Legende nach schon Goethe auf seiner Rückreise von Italien eingekehrt sein soll. Die Ursprünge des Hauses gehen auf das Jahr 1380 zurück.

Kulinarisches Kleinod LiechtensteinObwohl auch noch im 19. und 20. Jahrhundert bauliche Modifikationen vorgenommen wurden, geht der „Löwe“, so wie er sich heute präsentiert, in seiner markanten spätbarocken Gestaltung im Wesent­lichen auf den Umbau von 1786 zurück. Aus diesem Jahr stammt auch das über dem Eingang angebrachte Wirtshausschild.

Wir sind sicher, Sie haben jetzt auch Lust bekommen, die fürstlichen Gaumenfreuden Liechtensteins zu verkosten.

 

Text: Dr. Michael Polster
Fotos: Dr. Michael Polster / Liechtenstein Marketing

 

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