Einmal mehr verwandelte sich auch in diesem Jahr, zum Food-Festival „Madrid Fusión“, Madrid in die kulinarische Hauptstadt der Welt. An der Veranstaltung nahmen wieder international bekannte Chefs und junge Talente aus aller Welt teil. Höhepunkt war die Rückkehr von Ferran Adrià auf die kulinarische Bühne. Er präsentierte elBulli 1846, sein neues Projekt in Cala Montjoi.

Ferran Adria_Madrid FusionGleich am Eröffnungstag der 17. Ausgabe des gastronomischen Gipfels von Madrid Fusión präsentierte der katalanische Chefkoch Ferran Adrià Einzelheiten seines neuen futuristischsten Projekts. Wer erwartet hatte, dass Ferran Adrià mit mehr Antworten als Fragen auf die Bühne kommt, wurde enttäuscht.

Er sagte es gleich zu Beginn seines Vortrags: „El Bulli kehrt nicht zurück – El Bulli war nie weg!“ Adrià brauchte etwa 30 Minuten, um dies seinem Publikum zu erklären. „Wir haben einige Kämpfe hinter uns gebracht, um alle Genehmigungen zu erhalten“, sagt Adrià. „Aber jetzt ist es soweit.“

ElBulli 1846 wird seine Arbeit offiziell im Februar 2020 aufnehmen. Das elBulli, das fünf Mal zum besten Restaurant der Welt gekürt wurde, stellte nach 28-jähriger seine gastronomische Geschäftstätigkeit ein.

Acht Jahre, nach der Schließung seines Restaurants El Bulli verkündete er nun Details seines Projekts, bei dem es sich nicht um die Wiedereröffnung seines Hauses in Cala Montjoiosa in Girona handelt, sondern um ein gastronomisches Konzept, das nach einer Investition von rund 8 Millionen Euro zwischen 2020 und 2022 verfügbar sein wird, mit dem Namen elBulli 1846.

„Die nächste gastronomische Revolution ist das, wovon ich spreche“, sagte Adrià, der Bilder von Cala Montjoi zeigte, wo elBulli1846 entsteht: Auf 4.000 Quadratmeter ein Raum für Forschung, letztlich ein Labor. Eine der großen Neuerungen von Adrià für dieses Projekt soll es sein, dass jeder auf alle verfügbaren Informationen online zugreifen kann.

Dabei handelt es sich um Informationen wie den allgemeinen Katalog der El Bulli-Rezepte, digitalisiert in Bildern und über 400 Videos aller Präsentationen seit 2003. Außerdem gibt es Zugriff auf die Daten der Notizbücher aller Köche, die im Restaurant El Bulli tätig waren.

Erklärt irgendein Buch, was Kochen ist? Oder die Geschichte der gastronomischen Verkostung? Gibt es Auskunft was ein Produkt ist? Alle Antworten würden im LaBullipedia zu finden sein, so betont es der beste Koch der Welt.

„Es ist ein Experimentierfeld, in dem wir Formate und Rezepte testen und unsere Studien weiter vertiefen werden“, so der Küchenchef. Er hatte sich in den letzten Jahren mit Projekten, wie dem weltweit ersten kulinarischen Wiki und der Verbreitung von gastronomischem Wissen verschrieben.

Zur Idee für elBulli 1846 wurde er von Forschungs- und Kunstzentren inspiriert, so Adrià, die er in den letzten Jahren besucht hatte. Es habe ihn immer interessiert, wie andere Bereiche, wie zum Beispiel Architektur und Kunst, mit kreativen Prozess umgehen. Warum solle man diesen Forschungsprozess nicht mit dem Thema Essen verbinden, so seine Überlegungen.

Adrià ist sich immer noch nicht sicher, ob das Labor regelmäßig für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird, obwohl er während des Fusión-Symposiums in Madrid mitteilte, dass dort möglicherweise private Abendessen und andere Veranstaltungen stattfinden könnten.

„Wir haben das Zimmer und die Küche behalten, obwohl sie renoviert wurden, aber es wird definitiv kein Restaurant sein“, sagt Adrià. „Alles ist möglich. Ich weiß, dass wir gleich mit der Arbeit beginnen werden, aber wie es aussehen wird, ist selbst für uns noch unbekannt. “

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Ferran Adria (li) mit Dr. Michael Polster, genießen&reisen

Das Ziel von elBulli 1846 sei es, mehr globales kulinarisches Wissen zu fördern. Das Konzept eines Restaurants, wie wir es heute kennen, sei nur knapp 200 Jahre alt. ElBulli sei nicht wegen seiner Gerichte bekannt geworden, sondern weil man darüber nachgedacht habe, so der Meister. Es sei dieser Geist, den man nun mit ElBulli 1846 vertiefen will. Bis Dezember 2020 können sich Interessierte für die Mitarbeit bewerben, Grundvorrausetzung sei kreatives Talent.

Text und Bilder: Dr. Michael Polster