In südlichen Ländern gehört die Siesta zum Tagesablauf. Bei uns hat bewusstes Nichtstun leider oft einen negativen Anstrich. Zu Unrecht, denn die Kraft des Moments – ein bewußtes Innehalten schenkt neue Energie und Motivation, um Aufgaben schneller und konzentrierter zu erledigen.

Wer kennt ihn nicht, den Wettlauf mit der Zeit. Gewinnen kann man ihn nicht, dafür aber viel dabei verlieren: in erster Linie Lebensqualität.

Kraft des MomentsSchon ein kleiner Moment des Innehaltens, nur eine kurze Auszeit von der Alltagshektik, reicht aus, neue Energie und Motivation zu tanken. So lassen sich die eigene Leistungsfähigkeit fördern und die Herausforderungen des Alltags leichter meistern.

Pausen bringen die Kraft des Moments

Pausen sind kein Zeichen der Faulheit, der Langsamkeit oder gar der Langeweile. „Pausen sind Zeitsofas, auf denen all jene von der Zeit geküsst werden, die es sich erlauben, es sich auf ihnen bequem zu machen“, erläutert der Zeitforscher und Wirtschaftspädagoge Prof. Karlheinz A. Geißler.

Philosophisch betrachtet gibt es ohne Pausen kein Beenden und kein Anfangen. Nichts Neues und nichts Altes. Pausen sind, so der Zeitforscher, bedeutsame, gefüllte und erfüllte Leerstellen. „Pausen sind Momente fürs Nachdenken, Abschalten, Verarbeiten, Träumen, Fantasieren und Vorausdenken. Sie sind Augenblicke zum Auftanken, zum Erholen, um sich nach dem Pausieren gestärkt zu neuen Ufern und Taten aufmachen zu können.“

Gerade deshalb sind Pausen glückliche Momente, in denen man zu sich kommt, bei sich selbst ist – und bleibt. Prof. Karlheinz A. Geißler: „Sie schaffen Ordnung im Leben, ermöglichen Wechsel, Anfang, Abschluss und Übergang. Und sie eröffnen notwendige Chancen, im Strudel des Alltags zum Luftholen und Durchatmen zu kommen“, erklärt er weiter.

Die Kraft des MomentsPausen gibt es in allen Größen und Längen. Wichtig aber ist nicht die Pausendauer, sondern die Anstrengung, Pausen zu machen und diese als Momente des Zu-sich-kommens bewusst zu leben.

In diesen Momenten der Rast geht es vor allem darum, das Nichtstun auszuhalten – eine schwierige Kunst, an der der Mensch täglich zu scheitern droht. Das Wichtigste ist, dass man in den Pausen keine Zeit verliert, aber auch keine gewinnt: „Vielmehr lebt man die Zeit“, betont der Zeitforscher.

Tipps für Rastlose

Auch Menschen, die scheinbar spielerisch ein großes Tagespensum erledigen, die diszipliniert und konsequent sind, brauchen zum Aufladen ihrer Batterien die Kraft des Moments.

Wie sich die Kunst des Nichtstuns neu oder wieder erlernen und gezielt umsetzen lässt, erläutert auch Prof. Dr. Lothar Seiwert. Der Zeitmanagement-Experte gibt hilfreiche Tipps, wie sich Momente für Entspannung, zum Nachdenken oder zum Krafttanken am besten nutzen lassen. Um welche Tageszeit die Akkus wieder aufgeladen werden müssen, hängt von der eigenen biologischen Uhr ab und ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

„Wichtig aber ist es, pro Tag mindestens drei  kleine Auszeiten einzuplanen“, ergänzt er. Dabei sei darauf zu achten, „dass man wirklich einige Minuten nichts tut – kein Telefon, keine Zeitung, keinen Fernseher. Begeben Sie sich auf eine Insel der Entspannung“, betont er.

Wem es anfangs schwer fällt, für einen kurzen Moment aus dem Alltagsstress auszubrechen und sich einen Moment der Ruhe zu gönnen, der sollte dafür feste Termine einplanen. So lassen sich auch die eigene Konsequenz und Disziplin zur Entspannung nutzen.

Wer sich bereits Zeit nimmt, um zu entspannen und die Kraft des Moments zu tanken, sich nach den Ruhephasen aber dennoch nicht wirklich erholt fühlt, sollte einmal genau beobachten, wie er mit seinen Pausen umgeht.

Die Kraft des MomentsSind es Momente, in denen man einfach die Seele baumeln lässt, oder nutzt man sie doch, um schnell mal Freunde oder Bekannte anzurufen, um im Internet zu surfen oder E-Mails zu lesen?

Auf all diese Dinge sollte man, so Prof. Dr. Seiwerts Rat, während der Erholungsmomente verzichten: „In bewussten Ruhezeiten und abseits des Schreibtischs, z. B. bei einem kurzen Spaziergang um den Block oder bei einem leckeren Espresso oder Cappuccino, kann man seine Gedanken einfach schweifen lassen. So lädt man seine Energietanks automatisch wieder auf“, erklärt er.

Die Kraft des MomentsWichtig ist dabei, dass die Auszeit nur einem selbst und der eigenen Entspannung gehört. „Lassen Sie sich durch nichts und niemanden von Ihrem Moment der Ruhe abbringen. Motivieren Sie besser noch andere dazu, ebenfalls die Kunst zu erlernen, den Moment zu nutzen“, rät der Experte.

Die Kraft des MomentsTipp: Eine Tasse hilft bei der Entspannung

Besonders angenehm werden die Momente des Rückzugs, wenn ich mir diese durch mein Lieblingsgetränk versüße: egal ob anregend oder erfrischend, ob Kaffee, aromatischer Tee oder ein duftender Becher heiße Schokolade.

Be­wusste Pausen, allein oder mit Freunden, können das Gefühl der Ausgeglichenheit und Energie wieder zurückbringen. Schließlich kommt der Begriff „Moment“ aus dem Lateinischen und heißt übersetzt so viel wie „bewegende Kraft“.

Detox statt Botox gibt es auf Sri Lanka.

 

Text: Redaktion G&R
Fotos: A. Heinrichsdobler