Was haben der Rocksänger Freddie Mercury, der russische Komponist Igor Strawinsky, der Schriftsteller Jean-Jacques Rousseau, die Kaiserin Sissi oder die Kinostars Audrey Hepburn und Charlie Chaplin gemeinsam?
Alle verbrachten viele Jahre ihres Lebens am Genfer See und fanden überwiegend auch ihre letzte Ruhe an der „Waadtländer Riviera“. Hier unser Reisebericht über den Ort um, wo man „oberhalb der Welt und außerhalb der Zeit“ ist.
Majestätisch ist er, der Genfer See, oder „le Lac“ wie man ihn in Lausanne, Vevey und Montreux nennt. Die idyllische Lage zwischen See und Bergen und ein warmes Mikroklima wirken als Anziehungspunkt für Gäste aus der ganzen Welt.
Aus der Blütezeit der „Belle Epoque“ stammen viele der Häuser entlang der Uferstraße des östlichenGebiets des Sees, an der Besucher eine prachtvolle Aussicht auf Savoyer, Waadtländer, Walliser, die Berner Alpen und die Weinbergterrassen des Lavaux – die als UNESCO-Welterbe ausgewiesen sind – genießen können.
Grandhotels der „Belle Epoque“
Von visionären Hotelpionieren an äußerst privilegierten Plätzen erstellt, strahlen die Hotels heute jenes Prestige aus, das auf der Tradition bester Schweizer Hotellerie baut und sie mit dem Komfort moderner Luxushotels verbindet.
Hotels, die seit jeher berühmte Gäste aus der Welt der Musik, des Schauspiels, der Literatur, des Sports, der Politik, der Finanzen und des Adelsstands angezogen haben. Den Mittel- und Ausgangspunkt unserer Reise bildet das legendäre Grand Hotel du Lac in Vevey.
Am Ufer des Genfer Sees hat der berühmte Innenarchitekt Pierre-Yves Rochon die Eleganz des Hotels aus dem 19. Jahrhundert wiederhergestellt.
Gelebte Tradition
An historischen Hotels scheiden sich die Geister. Entweder man liebt sie – oder man meidet sie. Das älteste historische Hotel in der Gegend ist dascharmante Hôtel Masson mit 33 Zimmern in der Gemeinde Veytaux bei Montreux, in erhöhter, aussichtsreicher Lage an der alten Simplonstraße.
Das heutige Gebäude entstand 1829 aus einem Weinbauernhaus. Hier wird Geschichte anhand von Originalen erlebbar, eingebettet in Kultur und Natur. 2019 feierte das Hotel sein 190jähriges Bestehen. Das Hôtel Masson wird von derF amilie Laves geführt, die das historische Hotel 2015 übernommen haben und es mit Leidenschaft betreiben.
Ruhe und Erholung – und das selbstver-ständlich bei exzellentem Service – finden die Gäste auch in den anderen Hotels, die sich ebenfalls herausragender Lagen rühmen dürfen, wie das Victoria in Glion über Montreux, in dem der Luxus schweizerisch dezent gepflegt wird.
Das Hotel, das auch mit einer Seilbahnverbindung erreichbar ist, ist für seine atemberaubende Aussicht über den Genfer See sowie auf die schnee-bedeckten Alpen bekannt. 1869 wurde ein einfaches Hotel mit dem sonnenversprechenden Namen Hôtel du Midi gebaut.
Bis heute hatte das Victoria fünf Besitzer, die es mehrmals umbauten. Alle Epochen hinterließen mehr oder weniger sichtbare Spuren, die dem Hotel seinen Charakter und Charme verleihen.
Die heutigen Inhaber trugen viel zur Rettung des Hotels bei. Toni und Barbara Mittermaier haben das Haus über Jahrzehnte gestaltet, nun hat ihr Sohn Antoine Mittermair die Leitung übernommen. Es ist Teil von Relais & Châteaux. So enthält das Victoria im ganzen Haus eine kaum überschaubare Sammlung kurioser Antiquitäten vom ausgehenden Rokoko bis zum Jugendstil.

Historie und Design
Montreux war einstmals eine Ansammlung romantischer Dörfer am Genfer See, umgeben von Gebirgsketten, Weinbergen, Feldern und Wäldern. Ende des 18. Jahrhunderts hat Jean-Jacques Rousseau diese idyllische Landschaft als Hintergrund seines Romans „La nouvelle Héloise” genommen.
1816 entdeckte Lord Byron die Ufer des Genfer Sees und sein Gedicht „Le prisonnier de Chillon” machte damit Montreux und das eindrucksvolle Schloss Chillon berühmt. Der Tourismus begann 1850. Ende des 19. Jahrhunderts war Montreux dank seines Mikroklimas weltweit bekannt.
Hier steht mächtig und erhaben das Hotel Fairmont Le Montreux Palace. Sobald man das 5-Sterne-Haus betritt wird Geschichte lebendig. 1928 war der Montreux Palace einer der Gründer der Vereinigung von „The Leading Hotels of the World”.
Das im Jugendstil 1906 erbaute Grandhotel bietet eine gelungene Mischung aus Tradition und Eleganz mit der Technologie des 21. Jahrhunderts: 236 Zimmer und Suiten, 2.000 m² Wellness und Spa sowie 14 Veranstaltungsräumlichkeiten für Anlässe bis zu 1.200 Per-sonen.
Das Hotel verfügt über verschiedene Restaurants, in denen die Fairmont Lifestyle Cuisine angeboten wird: das Montreux Jazz Café, das La Terrasse du Petit Palais, das La Palmeraie, und Pureaty.
Hier logierten etwa schon Sir PeterUstinov, der russische Romancier Vladimir Nabokov und Michael Gorbatschow. Seit 1966, anlässlich des ersten Jazz Festivals von Montreux, residierten hier jedes Jahr renommierte Künstler wie B.B. King, Miles Davis, Georges Benson oder James Brown.
Lebendige Geschichte
An einer geschützten Bucht des Genfer Sees liegt Montreux. Über die mit Blumen geschmückte Seepromenade erreicht man zu Fuß das bekannte Château de Chillon.
Dieses architektonische Schmuckstück, ein Jahrtausend alt in den Genfer See gebaut, hat nicht nur die Fantasie vieler Künstler – darunter Victor Hugo und William Turner, beflügelt. Die heutige Gestalt des Schlosses ist das Resultat jahrhunderter langer Auf- und Umbau-ten. 1150 wird das Schloss erstmals ausdrücklich erwähnt.
Damals war Chillon in der Hand der Grafen von Savoyen. 1798 besetzten Waadtländer Patrioten aus Vevey und Mon-treux das Schloss. Eine mythische Dimension nahm es aber erst mit Lord Byron und seinem berühmten Gedicht „The Prisoner of Chillon“ von 1816 an, der auf den Spuren Rousseaus zum Schloss gepilgert war.
Vielfältiges Weinbaugebiet
Aufgrund seiner Größe, aber auch der Vielfalt der Böden, des Klimas und der Lagen, ist das Gebiet um den Genfer See zweifellos das vielfältigste Weinbaugebiet der Schweiz.
Die Rebsorte Chasselas (Gutedel) bean-sprucht hier über zwei Drittel der Anbaufläche. Die zweitwichtigste Rebsorte ist der Gamay, ein fruchtiger Wein, den man sonst auch im Beaujolais kennt. Sein Verwandter aus dem Burgund, der Pinot noir (Blaubur-gunder), besitzt Kraft und Finesse und ist fast so wichtig wie der Gamay.
Hinter diesem Spitzentrio bleibt noch ein kleiner Prozentsatz der Anbaufläche für Spezialitäten wie Pinot gris (Grauburgunder), Pinot blanc (Weißburgunder) Riesling/Sylvaner und weitere Rebsorten wie Mondeuse, Plant-Henri Bovy seine Rebkulturen.

1937 begann Maurice Bovy mit der Kommerzialisierung seiner Weine in Flaschen. Sein Sohn Bernard löste ihn 1960 in der Leitung des Guts ab. Mittlerweile wird der Betrieb seit 1997 von Bernards beiden Söhnen Vincent und Eric Bovy geführt – der vierten Generation. Eine Weinverkostung findet mit spektakulärem Blick auf den Genfer See und die Alpen auf der Terrasse statt.
Lavaux liegt zwischen Lausanne und Chillon, Die Region ist von ihren terrassierten Erbbergen geprägt, die von der Sonne großzügig mit Wärme und Licht verwöhnt werden: durch die direkten Sonnenstrahlen, die Rückstrahlung vom See und die in den Steinmauern gespeicherte Wärme.
Die Weine des Lavaux bezaubern durch ihre mineralischen und fruchtigen Noten, mit viel Schmelz und eleganter Länge.
2007 wurde das Weinbaugebiet Lavaux ins UNESCO-Welterbe aufgenommen. Direkt am See im „Vinorama“ wird ein Film in acht Sprachen gezeigt, der einer Winzerfamilie der Region auf Schritt und Tritt folgt.
Er erklärt den Jahresverlauf im Weinbau, enthüllt einige Geheimnisse der Önologie und zeigt die Eigenheiten der Weinterrassen von Lavaux.
Vor dem Hintergrund dieser theoretischen Kenntnisse können sich Neugierige und Kenner dann praktischeren Dingen zuwenden, da im Vinorama auch mehrere hundert Weine zur Verkostung und zum Verkauf angeboten werden.
Kulinarische Genüsse
Die Region der „Schweizer Riviera“ bietet neben der unendlichen landschaftlichen Vielfalt auch unerschöpfliche Möglichkeiten für Feinschmecker.
Dieser Teil der Schweiz gehört in Bezug auf die Kochkunst weltweit zu den renommiertesten Gegenden. Ob im Jura, in den Alpen, auf dem Land oder in der Stadt, ob die raffinierte Küche von Spitzenrestaurants oder in charmanten Gasthäusern servierte Spezialitäten, der gastronomische Reichtum sucht seinesgleichen:
Eglifilets aus dem Genfer See, Longeole – eine Schweinswurst mit Fenchel – oder Kardengratin und dazu eine typische Birnentorte als Dessert sind traditionelle Gerichte. Auch Kohlwurst mit Kartoffel- und Lauchgemüse ist ein Gericht, das hier geradezu eine staatstragende Bedeutung hat.
Ein Produkt von besonderer Qualität ist die Milch, die Basis für den daraus hergestellten Käse und Schokoladen, mit Fett strotzendem wunderbaren Doppelrahm. Die bekanntesten Käsesorten der Region sind Gruyère (Greyerzer) und Etivaz.
Der eigentliche Höhepunkt ist der, nur in den Winter-monaten erhältliche, Vacherin Mont d’Or: in einer runden Holzspanschachtel, weich und fast flüssig, dann ist er richtig. Ein Besuch des Käseladens „Käserei La Grenette“ in Vevey sollte ein Muss für jeden Kulinaristen sein.
Für Fischliebhaber sind die Egli, oder Felchen zu empfehlen – die hier am See eine kulinarische Pflicht sind. Um diese Fische zu genießen, sollte man sich spezielle Restaurants von den Einheimischen vorschlagen lassen. Und ein „Walliser Teller“ mit einer Auswahl von Trockenfleisch, Schinken und Käse, Löwenzahn und Speckwürfel ist nicht nur eine Vorspeise.
Der See hat hundert Gesichter und ebenso viele Geschichten. Umso schwerer fällt uns daher auch der Abschied.
Weitere Tipps für Reisen in die Schweiz finden Sie in unserem Reisearchiv.
Text: Dr. Michael Polster
Fotos (von oben): Lavaux_UNESCO©Samuel Bitton, Montreux©Christoph-Sonderegger, Dr. Michael Polster (5 Bilder), ©Hotel DuLac (2 Bilder), Dr. Michael Polster (2 Bilder), ©Montreux-Vevey-Tourisme (2 Bilder), ©Dr. Michael Polster, ©Samuel Bitton, ©ChristophSonderegger, ©Dr. Michael Polster (2 Bilder)





































