Marrakesch ist zweifelsohne der schillernde Klassiker eines Marokko-Urlaubs. Weniger überlaufen und dennoch charmant ist aber auch die weiter nördlich gelegene Atlantikküste rund um Casablanca – eine Reise durch den Westen Marokkos.
Ein Karomuster aus Braunschattierungen, durchzogen von feinen grünen Linien und im Westen eingegrenzt von einem tiefblauen Rand – so zeigt sich die Gegend um Casablanca dem Besucher beim Landeanflug.
Doch der eintönige Schein trügt: Dank schillernder Kaftans, raffinierter Mosaike, brodelnder Souks und nicht zuletzt der gewürzintensiven Küche ist Marokko viel bunter als zunächst angenommen.

Dank des milden Klimas – die Temperaturen liegen zwischen 10 und 35°C –und einem angenehm abkühlenden Wind, ist die Region ein ganzjähriges Urlaubsziel.
Schau mir in die Augen
Was bietet sich besser an, um eine „wunderbare Freundschaft“ mit Marokko zu beginnen, als eine Erkundungstour auf den Spuren von Humphrey Bogart und Ingrid Bergman in Casablanca?
Die Stadt, die durch den Film aus dem Jahre 1942 Berühmtheit erlangte, ist von Frankfurt/M. aus per Direktflug in knapp drei Stunden zu erreichen.
Als erste Stärkung ist ein kleiner Zwischenstop in Rick’s Café nahe des Hafens durchaus zu empfehlen. Statt einer überteuerten „Touristenfalle“ bekommt man hier eine gute Küche zu dennoch moderaten Preisen geboten.
Ganz in der Nähe reckt die Moschee Hassan II. ihr 200 m hohes Minarett in den stahlblauen Himmel. Das höchste Minarett weltweit ist nicht der einzige Superlativ, mit dem die drittgrößte Moschee der Welt glänzt.
So bietet sie 105.000 Gläubigern Platz: 80.000 auf dem Vorplatz, 20.000 Männern im rund 20.000 m² großen Gebetsraum und weiteren 5.000 Frauen auf der Empore.
Zwischen 1987 und 1993 von 2.000 Arbeitern gebaut, stellt die Moschee eine gelungene Kombination aus traditionellem Kunsthandwerk und moderner Technik dar. So kontrastieren beispielsweise kunstvoll aus Zedernholz geschnitzte und farbigverzierte Decken mit einem 1.100 t schweren Schiebedach, das innerhalb einer Stunde auffährt.
Die Verbindung mit dem Himmel war ebenso wichtig, wie die Moschee zu erden und sie gleichzeitig mit dem Element Wasser zu verbinden, auf dem ein Teil des Grundstücks liegt. Im Untergeschoss sind Räume für die rituellen Waschungen – getrennt nach Geschlechtern – angelegt, sowie ein öffentliches Hamam.
Genutzt wird die Moschee nur an islamischen Feiertagen sowie während des Ramadan. Außerhalb dieser Zeiten kann sie für 120 Dirham pro Person besichtigt werden. Achtung: Saubere Füße bzw. ein Paar Strümpfe für Frierkatzen sind ebenso zu empfehlen wie bedeckte Knie und Schultern.
Casablanca ist mit ihren 6 Mio. Einwohnern die größte und industriell bedeutendste Stadt Marokkos. Dabei spielen besonders der Handel mit Phosphat, Sardinen und Zitrusfrüchten eine große Rolle. Im 720 ha großen, dreigeteilten Hafengelände lohnt sich insbesondere ein Abstecher zum Fischhafen.

Das Portugal Afrikas
Wer frische Austern liebt, der sollten unbedingt nach El Jadida fahren. In dem idyllischen Hafenstädtchen 90 km und etwa eineinhalb Stunden Autofahrt südlich von Casablanca entfernt, werden sie gezüchtet.
Orientalisches Flair sucht man hier zwar vergebens, doch der portugiesische Charme entschädigt alle Erwartungen.
Im Licht der sehr früh untergehenden Sonne erhebt sich die sonst blütenweiße Medina noch eindrucksvoller über der Stadt mit ihren 140.000 Einwohnern.
Die ehemalige portugiesische Befestigungsanlage, die 2004 zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt wurde, erlaubt einen grandiosen Ausblick über Küste und Hafen.
Zu schön, um „im Keller“ versteckt zu sein, sind auch die kunstvollen Stützbögen der Cisterne Portugaise, eines ehemaligen Waffenlagers, das später als Wasserspeicher genutzt wurde.
Badeurlaub im Luxusresort
Bevor es weiter ins Landesinnere geht, sollte ein Stop an der tiefblauen Atlantikküste genossen werden. Hier bietet sich der 7 km lange Strand mit feinstem dunkelbraunen Sand des Mazagan an, einem Beach Resort etwa zehn Minuten von El Jadida entfernt.
Wem der Atlantik zu kalt oder wild ist, der kann den einzigartigen Meeresblick des 250 ha großen Hotelareals auch vom 18-Loch-Golfplatz aus genießen. Entworfen wurde er vom südafrikanischen Golfprofi Gary Player, der zu den besten Spielern der Welt zählt. Bei Profis ist der Platz nicht zuletzt wegen der herausfordernden Windverhältnisse heiß begehrt.
Innerhalb der opulenten Hotelanlage versprühen Details wie marokkanische Lampen und fingerfertig verlegte Mosaike verschiedener Farben und Formen authentischen Charme.
Gleichwohl wurde ein Kompromiss zwischen Authentizität und Moderne realisiert, angefangen beim Spa, über das Casino mit seinen 400 Maschinen und 50 Spieltischen bis hin zum Themenspektrum der 8 Restaurants des Luxusresorts.
Im marokkanischen Restaurant schlägt einem ein betörender Duft von Kardamom, Zimt, Muskatblüte, Rosen, Galgant und weiteren exotischen Nuancen entgegen.
Die Gewürze verleihen u. a. dem typischen Tajine, einem schonend im gleichnamigen Tontopf gegarten Gericht, seinen außergewöhnlichen Geschmack.
Dank der speziellen Zubereitungsform zergehen Fleisch oder Fisch förmlich auf der Zunge.
Hinterher noch ein Tee aus frischen Minzblättern mit süßem Gebäck, das einem wunderbar die Zähne verklebt – und man wähnt sich in einem Märchen aus tausendundeiner Nacht.
Das Tor zum Süden
Derart eingestimmt geht es wei-ter nach Marrakesch. Vorbei an Eselskarren und kargen Feldern, aus denen arbeitende Frauen in Kaftans wie Blumenher ausleuchten, ist die lebhafte, sehr touristisch geprägte Stadt in drei Stunden zu erreichen.
So prachtvoll die Stadt unterhalb des Atlasgebirges heute auch anmuten mag, seine Geschichte begann schlicht – mit einem Karawanenlagerplatz. Nach der langen und beschwerlichen Reise quer durch die Wüste verhieß früher der Ort Erlösung und Ruhe.
Dennoch begann die Besiedelung erst sehr viel später, mit Abou Bekr, der Anführer der Berberdynastie der Almoraviden. Hier schlug er den Lagerplatz für seine Truppen auf. 1062 baute sein Vetter Youssuf Ibn Taschfin die ersten Häuser und eine Moschee – Marrakesch war gegründet.

Viele Jahrhunderte später entsteht hier eine märchenhafte Geschichte: Auf der Suche nach einem passenden Hochzeitsgeschenk für seine Söhne erlag der Sultan Sidi Mohammed Ben Abdellah dem Charme des Gartens außerhalb der befestigten Altstadt „Kasbah“ in Marrakesch, dennoch geschützt durch zinngekrönte Mauern, vor der Kulisse der schneebedeckten Gipfel des Atlasgebirges.
Der drei Hektar große Park wurde das Geschenk an den Sohn Moulay Mamoun. Sein Name sollte später untrennbarer Teil eines Hotels werden – das 1923 eröffnete La Mamounia.
Es verband die traditionelle, verspielte Architektur Marokkos mit der nüchternen Sachlichkeit des Art- Déco-Stils. Bis zum Ende der 30er Jahre verfügte das Hotel über 50 Zimmer und war schondamals Treffpunkt eines internationalen Gästeklientels. Wer damals Rang und Namen vorweisen konnte, kam nicht nur mit Frack und Zylinder, Juwelen und Abendrobe zum abendlichen Diner, sondern brachte vor allem seine eigenen Möbel aus Europa und Übersee mit in das Hotel.
Winston Churchill entfloh hier den kalten englischen Wintern, fand das perfekte Licht für seine Gemälde, schrieb an seinen Memoiren und teilte seine Begeisterung für „den schönsten Platz auf Erden“ mit weiteren Staatsmännern wie Franklin D. Roosevelt oder Charles de Gaulle.
Selbst als Filmrolle hatte das Hotel einen großen Auftritt: „Marokko“ mit Marlene Dietrich wurde hier ebenso gedreht wie der Filmklassiker „Der Mann der zuviel wusste“ von Alfred Hitchcock.
Das neue La Mamounia hält 138 Zimmer in einer Größe von 30 bis 45 m² sowie 70 Suiten mit 55 bis 212 m² bereit. Einzigartig in der Welt der Luxushotellerie sind die drei arabischen Riads: Auf 700 m² Fläche gruppieren sich jeweils drei Zimmer um einen marokkanischen Salon mit privater Terrasse, Swimmingpool und Innenhof.
La Mamounia ist eine Reminiszenz an einen alten Mythos und verkörpert gleichzeitig ein modernes Märchen, wie es oft gesucht und selten gefunden wird – eine Oase stilistischen Patchworks: Schwere Berberteppiche unter Art-déco-Möbeln, geschliffene Murano-Leuchter und ein fast 80 Jahre alter Flügel, auf dem schon Béla Bartók oder Maurice Ravel Darbietungen gaben. Eine Lobby, die sich zu einem dem Löwenhof der Alhambra ähnlichen Innenhof öffnet, und reich verzierte maurische Torbögen.
Für die kulinarische Betreuung der Gäste sorgen mehrere Spitzenrestaurants.
Hier lernen die internationalen Gäste des La Mamounia sämtliche Schätze Marokkos nicht nur in optischer, sondern vor allem in kulinarischer Hinsicht kennen.
Text: kir/teo
Fotos: A. Heinrichsdobler, Mazagan Beach Resort, Kirchner, La Mamounia
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