Zwischen Bodensee und Säntis, Toggenburg und Rhein bis an die Grenze zu Liechtenstein erstreckt sich der Kanton St. Gallen. Die gleichnamige Stadt mit dem zum Weltkulturerbe erhobenen Stiftsbezirk ist ein echter Tipp für Städtereisefans.
Am Bodenseeufer von Rorschach bis Altenrhein lockt der See und die ländlich geprägte Umgebung von St. Gallen ist ein herrliches Region, die den Blick immer wieder auf See und Berge freigibt. Die Stadt ist nicht nur reich an Kultur, auch die Küchen und regionalen Köstlichkeiten der Ostschweiz-Metropole machen längst von sich reden.
So vielfältig wie sich hier die Natur zeigt, so reichhaltig präsentiert sich der gedeckte Tisch. Feine St. Galler Bratwürste, traditionelle Spezialitäten aus Ribelmais, köstliches Gebäck und natürlich der vom Föhnklima verwöhnte Wein machen den Kanton St. Gallen zu einem Geheimtipp für Gourmets. Allein in St. Gallen gibt es 11 vom Gastronomieführer Gault Millau ausgezeichnete Restaurants.
Kleines Grandhotel
Unterkunft sollte man sich in einem der ehrwürdigen Hotels der Stadt suchen, wie dem Hotel Einstein, das mehr als eine Edelherberge ist – es gilt als Institution.
Das „Kleine Grandhotel“ – so wurde es bislang genannt – hat sich zum modernen Kongresszentrum entwickelt: Das Traditionshaus Einstein vereint nun Congress, Hotel und Fitnesspark unter einem Dach.
Das Hotel verfügt heute über 113 Zimmer, ein Feinschmecker Restaurant mit Blick über die Dächer der Altstadt und eine elegante Hotelbar im englischen Stil. In unmittelbarer Nähe des Hotels befindet sich das historische Zentrum der Stadt mit seinem Stiftsbezirk.
Ein wenig Geschichte
Wo heute die barocke Klosterkirche von St. Gallen steht, baute der Mönch Gallus im Jahre 612 für sich eine Zelle, weil er krank war. 100 Jahre nach seinem Tod hatte der alemannische Priester Otmar am Grab des Heiligen Gallus ein Kloster nach den Regeln des heiligen Benedikt gegründet.

Unter dem Schutz von Kaiser und Königen, geleitet von Äbten, entwickelte es sich zu einem geistigen Zentrum des europäischen Abendlandes. Höhepunkt war das sogenannte Goldene Zeitalter vom 9. bis zum 10. Jahrhundert.
Fast von Anfang an besaß das Kloster eine Bibliothek, Bücher wurden für die Liturgie und die Wissenschaft gesammelt, abgeschrieben und neu zusammengestellt. Unschätzbar ist das Lateinisch-Deutsche Wörterbuch, entstanden um das Jahr 790. Es ist das älteste deutsche Buch überhaupt.
926 überfielen die Ungarn St. Gallen, das goldenes Zeitalter endete. In der Reformation wurde die Stadt St. Gallen unter Führung von Vadian protestantisch.

1529 stürmten die Bürger das Kloster, die Mönche flohen. Drei Jahre später kehrten sie zurück und bauten ab 1755 die Klosterkirche und die Bibliothek neu auf. Die Stiftsbibliothek und der Stiftsbezirk St. Gallen wurden in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.
Und viel Traditionelles
In der erkergeschmückten, verwinkelten Altstadt lässt es sich gut einkaufen und gemütlich einkehren. Die holzgetäfelten, alten St. Galler „Erststockbeizen“ bieten ein vielfältiges kulinarisches Spektrum zwischen Haute Cuisine und deftiger Spezialitätenküche.
Weil Pferdemist und Gewerbehandel kulinarischen Genüssen und erholsamer Ruhe seit jeher entgegenstehen, verlegte man im mittelalterlichen St. Gallen das Familienleben und das Speisen kurzerhand in die oberen Geschosse der schmalen Bürgerhäuser.
In den liebevoll gestalteten Speisekarten der zahlreichen Erststockbeizen stehen traditionelle Wahrheiten in Form von Ostschweizer Gerichten aus „Grossmutters Küche“ an erster Stelle.
Lebkuchen haben hier ihre eigene Gestalt. Das feine Gewürzgebäck wird Biber genannt und in kunstvoll gefertigten Modellen ausgebacken. Was dem ausgehenden Mittelalter die feinen Gewürzkuchen waren, sind den seit Mitte des 19. Jahrhunderts die Schokoladen, z. B. von Maestrani.

In der Chocolaterie im „Blauen Haus“ am Klosterplatz lebt die Erinnerung an den Schokoladen-Fabrikanten weiter. Im Café der Chocolaterie laden feinste Trinkschokoladen und ein Spezialsortiment exklusiver Schokoladenspezialitäten zum Probieren und Geniessen ein.
Nicht einmal eine Wurst ist in St.Gallen einfach eine Wurst. Die Satzung der städtischen Metzgerzunft von 1438 erlaubte für die echte St. Galler Bratwurst (Schüblig) nur erstklassige Zutaten, insbesondere Kalbfleisch.
Daran halten sich die Metzger bis heute. Schon 1438 wurde der „kulinarische Stolz der Stadt“ zum ersten Mal über dem Feuer gegrillt, dreihundert Jahre später als Olma-Bratwurst patentiert. Das Besondere der überaus zarten weißen Wurst in ihrem knusprig-braunen Mantel? Das Kalbfleisch wird mit Schweinespeck, verschiedenen Gewürzen und Frischmilch angereichert.
Fondue-Schlemmereien
Das Fondue, der Inbegriff ehrlicher, bodenständiger und guter Schweizer Küche. Kaum anderswo wird das Fondue-Angebot so vielseitig, kompetent und konsequent gepflegt wie im Fondue Beizli Neueck mit seinem Patron Stefan Schmidbauer.
Im Mittelpunkt steht da also jenes Gericht, das dem charmant-rustikalen Lokal mit dem Chalet-Charakter den Namen gegeben hat. Beim Durchblättern der Speisekarte stößt man auf eine geballte Ladung an unterschiedlichsten Fondue-Spezialitäten: Fondue aux fines herbes, Jägerfondue, Herrenfondue und sieben weitere seltene Kombinationen. Speziell zu erwähnen sind auch die Fleischfondues mit hausgemachten Saucen.
„Für ein wohlschmeckendes Fondue ist die Qualität des Käses entscheidend. Gefragt ist ein gut gereifter Käse, der leicht schmilzt“, bringt es Stefan Schmidhauser auf den Punkt. Zum Tunken eignet sich Brot, das nicht zu frisch ist und viel Rinde hat.
Als Getränke sind Weißwein, Schwarztee wie auch Mineralwasser üblich, zum Verteilen dient ein Schluck gebranntes Wasser. Wichtig ist, dass fleißig gerührt wird, damit das Fondue cremig bleibt. Dieses Schweizer Spezialitätenrestaurant hat seit Jahren das größte Fondue Angebot in der Ostschweiz.
Genuss aus der Region
Was wäre ein Fondue ohne Käse oder eine Wurst ohne den Fleischer und ein Restaurant ohne seine Gemüsebauern? Der Trägerverein Culinarium garantiert für Produkte mit bekannter Herkunft, definierten Qualitätsnormen und kurzen Transportwegen, kümmert sich um den Genuss aus der Region wie die Spezialitäten-Metzgerei Götzl aus Brunnadern – legendär sind seine luftgetrockneten Schinken und Würste – oder die Käserei Bühler aus Gähwil.
Stephan Bühler betreibt seine kleine, feine Tilsiter-Käserei Eggsteig am Dorfausgang des Untertoggenburger Dörfchens Gähwil SG, direkt unter der sagenumwobenen St. Iddaburg, seit 18 Jahren. Seine Milchlieferanten sind Bauern aus den Bergzonen und ein Alpbetrieb, kommen alle aus der nächsten Umgebung. Er erzählt uns die Geschichte seines original Schweizer Tilsiterrs. Schweizer Auswanderer verbreiteten die Kunst des Käsens in vielen Ländern. So auch im einstigen Ostpreußen, das heute zu Russland gehört. Von dort, aus einem Städtchen namens Tilsit, kehrte der Thurgauer Otto Wartmann 1893 heim. In der Manteltasche hatte er ein Käserezept. Er verfeinerte es und kultivierte die Käseherstellung mit völlig neuen Qualitätsmaßstäben.
Edy Geiger, Pionier des Bio-Weinbaus in der Schweiz, bewirtschaftet seit 20 Jahren als Nebenerwerb seinen 0,4 ha großen Rebberg in Thal. Er produziert größtenteils Weine aus ungespritzten Trauben der Sorten Bianca, Regent, Maréchal Foch usw. Die Weine zeichnen sich aus durch intensive Farbe, Fülle und Geschmack sowie Bekömmlichkeit. „Seit über 25 Jahren bewirtschaften wir unsere Reben biologisch. Seit 1985 sind wir offiziell als kontrollierter BIO-Knospe-Betrieb anerkannt. Wir haben noch nie Insektizide oder Herbizide eingesetzt“, erklärt Edy Geiger.
Mit Forellen, Felchen, Egli, Hecht, Zander, Saibling und Trüsche bietet der Bodensee eine breite Palette an hervorragend mundenden Speisefischarten. Die hohe Qualität und Güte des Naturprodukts Bodenseefisch ist das Resultat gemeinsamen Wirkens der Fischereibehörden sowie der Berufsfischer und Fischköche am Bodensee.
Der Geheimtipp für frischen und exklusiv zubereiteten Bodenseefisch ist das Restaurant Jägerhaus in Altenrhein direkt am See. Im Jahr 1997 bereits wurde er von der Tafelgesellschaft zum goldenen Fisch aufgenommen. „Durch die Auszeichnung Goldener Fisch werden wir laufend überprüft“, so der Eigentümer. „Und seit März 2003 dürfen wir unsere Gerichte mit der Marke Culinarium auszeichnen. Die Auszeichnung verpflichtet uns, hauptsächlich Produkte wie Fleisch, Fisch, Gemüse, Früchte und den Wein aus der Ostschweiz zu beziehen und diese zu verwenden.“
Kulturerlebnis erleben
Bei elf Museen und Ausstellungshäusern im St. Galler Museumsviertel und in der Altstadt haben Gäste die Wahl: Je nach Vorliebe finden sie hier Kunst, Kultur oder Originelles wie das kleinste Spieluhrenkabinett der Welt.
Guter Stoff – was ist das? Diese Frage verpackt das Textilmuseum St. Gallen in drei sinnliche Thesen: Guter Stoff hilft in allen Lebenslagen, fördert die Kreativität und verkauft sich weltweit. Die hiesige Textilindustrie hat eine lange Tradition, die bis ins Mittelalter zurückgeht und ihre herausragende Blüte um die vorletzte Jahrhundertwende hatte. Und in der Stadt verführen exklusive Boutiquen Schaufensterbummler, das eine oder andere Mitbringsel zu erstehen.
Fazit: Reisender kommst Du nach St. Gallen, dann verweile, denn der Genuss ist in der Stadt und Region total. Hier findet man auf einer Fläche die ganze Schweiz im Kleinen. Hier wissen die Menschen, das Genießen was sinnliches ist. Was will man mehr?! dmp
Mit dem E-Bike durchs Emmental? Hier finden Sie unseren Reisebericht.
Text: Dr. Michael Polster
Fotos: ©St. Gallen-Bodensee Tourismus (9 Bilder), ©Dr. Michael Polster (8 Bilder)































