Eine einmalige Gelegenheit, um auf den Spuren der Impressionisten entlang der Seine durch Frankreich zu reisen, sind Flusskreuzfahrten. Jetzt heißt es, treiben lassen, entspannen, genießen. Das Gefühl auf Flusskreuzfahrten ist unbeschreiblich. Der Schiffsreise von Paris entlang der Seine bis an den Atlantik und zurück gelingt in acht Tagen totale Entschleunigung. Hier unser Reisebericht.

Schon nach dem ersten Aufwachen an Board der Viva Gloria ist aller Alltagskram weit weg. Paris und der Eiffelturm, die die Passagiere und die 36-köpfige Schiffscrew gerade noch bei einem Welcome-Drink begrüßt hatten, liegen hinter uns.
So wie die Seine dahintreibt, entfliehen wir mit unserem schmucken Schiff unversehens allem Stress. Zunächst sind es Hausboote, dann heimelige normannische Häuser und Burgruinen, die am Ufer vorbeiziehen, ein Fußballplatz, Schrebergärten, Bootsanleger, eine Gartenparty.
Das ganz normale Frankreich ist – ausgestreckt auf dem Doppelbett in der Kabine – bei offenem Fenster und hinter wehenden Vorhängen vom Bett aus zu beobachten. Das einzigartige Reiseerlebnis fängt das Flair der Normandie in einer ganz besonderen Atmosphäre ein.

Auf den Spuren Richard Löwenherz
Nach der ersten Nacht auf dem Fluss macht das Schiff an der Anlegestelle in Les Andelys fest, einer kleinen verschlafenen Stadt wie aus dem Bilderbuch. Nach der Besichtigung geht es per Bus zumm Château Gaillard, erbaut im 12. Jahrhundert von Richard Löwenherz, um Rouen vor den Franzosen zu verteidigen. Das eindrucksvolle Schloss bewacht bis heute als eine der dramatischsten Ruinen der Region die Spitze der Flussbiegung.

Zur Magie von Kreuzfahrten gehört das Jeden-Tag-woanders-aufwachen. Am nächsten Morgen ist es Rouen, Hauptstadt der Normandie.
Malerisches Rouen, Hauptstadt der Normandie
Der herausragende Bestandteil der Stadtführung ist die beeindruckende gotische Kathedrale, die der große Impressionist Claude Monet in einer Serie von 28 Gemälden verewigte, die die Fassade zu verschiedenen Tageszeiten und bei unterschiedlichen Wetterbedingungen zeigen.
Die Kathedrale wurde kurzzeitig zum höchsten Gebäude der Welt, als im 19. Jahrhundert der hohe Turm hinzugefügt wurde. Sie ist auch für die liegende Statue bekannt, die angeblich das Herz von Richard Löwenherz enthält.
Dann geht es auf eigene Faust durch die verwinkelten Gassen einer der schönsten mittelalterlichen Städte Europas. Antiquitätengeschäfte, Läden voller Skurrilitäten, geschmackvolle Boutiquen und unzählige Restaurants wechseln sich ab mit Blumenläden und Marktständen.
Der Markt auf der Place Saint-Marc am Sonntag Vormittag ist ein beliebter Treffpunkt. Doch auch dienstags, freitags und samstags lohnt sich der Besuch von 6 bis 18 Uhr. Einfach nur, um das besondere Flair zu genießen oder um ganz gezielt kulinarische Souvenirs zu erstehen wie Cidre, Calvados oder die vier AOP-Käse Neufchâtel, Pont l’Évêque, Camembert de Normandie und Livarot.

Gleich daneben liegt mit dem Place du Vieux-Marché der wohl ergreifendste Ort der Stadt. Ein großes Kreuz markiert den Punkt, an dem Jeanne d’Arc, die Jungfrau von Orléans wegen ihres Glaubens auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.

Die Mündung der Seine am Atlantik
Mit vielfältigen Eindrücken geht es weiter nach Le Havre, dem Zielpunkt der Reise am Atlantik. Die Stadt und ihre eigenwillige architektonische Vielfalt lernt man am besten wieder mit einer kundigen Stadtführerin kennen, um in der kürze der Zeit einen guten Eindruck zu bekommen.
Über allem thront die eindrucksvolle Kathedrale St. Joseph wie ein Mahnmal für die großflächige Zerstörung Le Havres im Zweiten Weltkrieg und den vielen Toten. Unbedingt von innen ansehen, denn dann entpuppt sich diese Kirche als das Symbol von Hoffnung, Wiedergeburt und Durchhaltevermögen, als das sie der visionäre Architekt Auguste Perret erbaut hat.
Mit den Impressionisten nach Étretat und Honfleur
Ein Muss ist auch der Ausflug zum Badeort Étretat und seinen berühmten Kreidefelsen und Steilküsten. Bei einem Spaziergang hinauf belohnt nicht nur die umwerfende Aussicht für den kurzen Anstieg: Die Kapelle Notre-Dame-de-la-Garde ganz oben galt als Inspiration vieler Maler. Auch Monet verbrachte viel Zeit in Étretat. Daneben verblüffen die Gärten von Étretat mit experimentellen Skulpturen.

Doch es ist Honfleur, den viele als malerischsten Ort der nordfranzösischen Küste betrachten. Den alten Hafen mit Fischerbooten und Yachten umgibt eine Uferpromenade mit pastellfarbenen Häusern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, von denen viele Fischrestaurants beherbergen.

Talentierten Künstlern beim Malen zusehen, eine Runde Karussell fahren und auf Entdeckungstour in das verschlungene Labyrinth verwinkelter Gassen gehen. Oft berühren sich die Traufen der hohen Fachwerkhäuser fast und in den Straßen darunter gibt es eine Fülle traditioneller Läden, in denen es Antiquitäten, Bücher und feine Speisen zu bestaunen gibt. Honfleurs berühmtester Sohn ist Eugene Boudin, einer der Vorläufer des Impressionismus und ein Freund von Claude Monet.
Auf den Spuren der Impressionisten
Auch das Fischerdorf Honfleur war ein Lieblingsort der Impressionisten. Hier lohnt sich ein Spaziergang an die Seinemündung. Neben zahlreichen Ateliers und Kunsthandlungen gibt es auch einige sehenswerte Museen in Honfleur.
Das Musée Eugène Boudin beherbergt eine Sammlung normannischer Ethnografie sowie zahlreiche Werke von Malern aus Honfleur und der Mündung des 19. und 20. Jahrhunderts. Es ist spannend den heutigen Ort zu erkunden. In den Kunstmuseen lassen sich einige der Kirchen und Gebäude auf den Gemälden der Maler wieder entdecken.
Wer dem Spazierweg entlang der hier rauen, sich zum Atlantik hin öffnenden und mehrere Hundert Meter breiten Seine folgt, entdeckt einen wilden Strandstreifen.
Wie so oft an der wildromantischen Atlantikküste überkommt einen das berauschende Gefühl direkt in den weltberühmten Gemälden der Impressionisten herumzuspazieren.

Claude Monet, Schüler von Eugène Boudin, legte den ersten Stein der Gründungsbewegung der modernen Kunst mit seinem Gemälde «Impression, Sonnenaufgang», das er in Le Havre nahe des Musée d’art moderne André Malraux, dem MuMa, malte. Das Museum für moderne Kunst zeigt eine gute Mischung an impressionistischen Werken und auch den einen oder anderen Highlight wie Monets Seerosen.

Impressionisten in den Museen Le Havres
In Le Havre entstanden weitere Meisterwerke wie „Terrasse in Sainte-Adresse”, „La Pointe de la Hève” und “Der Hafen von Le Havre, Nachteffekt”. Die Normandie profitiert vom außergewöhnlichen Licht, das nicht nur spektakuläre Sonnenaufgänge zaubert sondern auch eine einzigartige Weite des Himmels erahnen lässt, auf dem die Wolken ihre Formationen bilden. Dieses Licht inspirierte auch Jongkind, Pissarro, Sisley, Signac, Caillebotte oder Courbet.
Der Höhepunkt für Kunstfans ist mit Sicherheit Monets japanisch inspirierter Wassergarten und seine üppigen Blumengärten, die das einladende Haus mit den grünen Fensterläden einrahmen.
Bereits im April 1883 war Monet nach Giverny in der lle de France übergesiedelt, wo er 1890 ein Haus erwarb und mit seiner Familie lebte.
Der Künstler selbst bezeichnete seinen Garten als sein „schönstes Meisterwerk“. Mit Sicherheit ist er einer der meist fotografierten und gemalten Gärten der Welt – idealerweise im zarten Morgenlicht, reflektiert von Blättern und Büten in allen Farben. Von Trauerweiden beschattet und von Bambusrohren, Rhododendren und Azaleen veredelt funklet der Seerosenteich.
Hier malte Monet seine außergewöhnliche Serie Les Nymphéas (Seerosen). Auf dem Wasser tanzende Lichtreflexionen zaubern die magische Atmosphäre, die der Künstler hier einst auf Leinwand bannte.
Flusskreuzfahrten von und nach Paris
Wer noch nicht genug hat, kann das Kunsterlebnis in Paris vertiefen und die Zeit nach der Rückkehr des Schiffes in den Hafen nutzen, um die großen Museen aufzusuchen. Das sollte man aber bereits vor der Reise planen, um sich etwa für den Louvre eine Eintrittskarte vorab zu reservieren.
Wer sich um gar nichts kümmern möchte, kann bei der Schiffscrew einen einzigartigen Ausflug buchen. Zum Montmarte geht es nostalgisch mit einer originalen Ente, wie der Citroën 2CV in Deutschland noch immer liebevoll genant wird. Nicht nur für die Mitfahrenden ein besonderes Erlebnis!
Passanten winken den pastellfarbenen Enten in den malerischen Strassen von Montmartre erfreut zu. Es geht am Eiffelturm vorbei, einmal um den Place de la Concorde mit dem Obelisken von Luxor und den Triumphbogen. Die Champs-Elysées hinunterzurattern ist einer der Highlights.
Die Route wird je nach Verkehrslage gewählt, um eine möglichst reibungslose Fahrt zu gewährleisten. Ziel ist die beeindruckende Basilika Sacré-Cœur, die stolz auf dem höchsten Punkt von Montmartre thront und einen Panoramablick über Paris bietet.
Nur wenige Schritte entfernt, am Place du Tertre, tummeln sich Künstler und Porträtmaler und fangen den böhmischen Geist ein, der dieses Viertel ausmacht. In der Nähe bietet die Kirche Saint Pierre de Montmartre einen Einblick in das mittelalterliche Paris.
Entschleunigen an Board der Flusskreuzfahrten
Während der gesamten Flusskreuzfahrten erwartet die Gäste an Bord ein umfassendes „All-Inclusive“-Erlebnis. Mit Mittags- und Abendsmenüs lässt es keine Wünsche offen. Zum Riverside Restaurant, dem Hauptrestaurant der Viva Schiffe kommt das „Bistro“ am Schiffsheck. Hier speisen 26-30 Personen in intimer Atmosphäre auf Reservierung – auf fast allen Schiffen mit Live-Cooking-Erlebnis. Abends gibt es täglich interessante Weine zu den Speisen. Freie Sitzplatzwahl soll die Passagiere zum „mix and mingle“ animieren.

Neben den Restaurants sind sämtliche Getränke der Barkarte und aus der Minibar zu jeder Tageszeit im Preis inkludiert. Ob Suite oder reguläre Zwei-Bett-Kabine gebucht wurde. Auch die Grundausstattung soll für jeden Gast gleich sein – von der Nespresso-Maschine in den Kabinen bis zu den Rituals-Produkten im Bad.
„All-Inclusive haben wir wieder salonfähig gemacht“, bestätigt Viva Cruises CEO Andrea Kruse. An Bord genießen Gäste getreu dem Unternehmensmotto „Enjoy the Moment“ unvergessliche Urlaubsmomente in entspanntem Ambiente mit einem Hauch Hochseecharakter.
Boardsprache ist Deutsch und Englisch, das Publikum international. Gerne trifft man sich zum High-Tea mit Eclairs, Macarons und Co.
Flusskreuzfahrten mit trendy Image
Die traditionelle Tortenschlacht zum Kaffee-Kuchen hat sie abgeschafft. Ebenso die Tischdecken bei Lunch und Dinner aus Nachhaltigkeitsgründen. Die edlen Tisch-Sets sind abwaschbar und wer gerne um 16 Uhr Tee und Kuchen möchte, kann das bestellen.
Der Trend hin zu Individualität und kleineren Einheiten anstatt Masse wird an Board gelebt. Etwa mit dem Verzicht auf fixe Dinnerzeiten. Die Küche ist von 19 bis 21 Uhr geöffnet. Gäste können auch länger sitzen bleiben – wie in einem Restaurant.
„Das war zu Anfang für einige Gäste höchst ungewöhnlich“, erklärt Andrea Kruse. Mit den Neuerungen bildet sich auch eine etwas andere Gästestruktur heran. Aktuell liegt das Durchschnittsalter an Board bei 60,9 Jahren. Wer sich mit Flusskreuzfahrten auskennt, weiß, der Altersdurchschnitt von Gästen auf Flusskreuzfahrten eher bei 68 Jahren aufwärts liegt.
Text und Fotos: Verena Wagner

























