Immer tiefer ins schöne Erzgebirge führt uns die Fahrt im 2. Teil der Schlösserreise. Den krönenden Abschluss bietet heute das Schloss Rothenhaus im böhmischen Erzgebirge. Das Frühbarockschloss Červený hrádek (Rothenhaus) befindet sich nördlich der Stadt Jirkov am Fuße des Erzgebirges.

Die ursprüngliche Burg mit dem Namen Borek wurde vor 1415 durch das Geschlecht Kraa erbaut. In den 20er Jahren des 15. Jahrhunderts wurde die Burg durch Hussiten erobert und anschließend umgebaut.

Die Fassade wurde mit roter Farbe angestrichen, damals hat die Burg einen neuen Namen bekommen – Rothenhaus.

Das neusanierte Frühbarockschloss hat eine ausgeprägte Treppe auf der Frontseite von 1796, einen Teil der Verzierung bilden die Skulpturen von Johann Brokoff – Schöpfer einiger Statuen, die das berühmteste tschechische Denkmal (die Karlsbrücke) schmücken.

Schloss Rothenhaus: Frühbarockschloss im Böhmischen, foto SChloss RothenhausGegenwärtig kann man im Schloss die Räume der Schlosskapelle, des Spiegelsaals, der Gemäldegalerie, und des Arbeitszimmers vom letzten Schlossherren Max Egon zu Hohenlohe-Langenburg und weitere Räumlichkeiten besichtigen.

Beeindruckend ist der Rittersaal, der sich über zwei Etagen erstreckt und reichlich mit Stuckverzierung geschmückt ist.

In der Reithalle des Schlosses widmet sich eine Dauerausstellung dem Flugzeugkrieg über dem Erzgebirge.

Schloss Rothenhaus: Frühbarockschloss im Böhmischen, foto SChloss Rothenhaus

Die Schlosskapelle ist dem heiligen Johannes dem Täufer geweiht. 1813 hielt sich im Schloss Freiherr von Stein auf, als er vor Napoleon flüchten musste. Im Herbst 1938 fand hier die Unterredung des britischen Lord Runcinan mit politischen Vertretern der Sudetendeutschen statt.

Schloss Rothenhaus: Frühbarockschloss im Böhmischen, foto SChloss RothenhausDas Schloss ist vom ausgedehnten Park mit edlen Gehölzen umgeben. Heute ist der Park eingetragen in Verzeichnis der Kulturdenkmäler der Tschechischen Republik. Das Schloss ist in der weiten Umgebung durch die Kulturveranstaltungen und regelmäßige Ausstellungen bekannt. Besuchen sollte man auch den einzigartigen Stadtkeller und den Steinturm in Jirkov.

Was noch zu sagen wäre

Erzgebirgisch sein hüben und drüber – das ist heute nicht mehr dasselbe. 80 bis 100 % der Bevölkerung im böhmischen Erzgebirge waren bis Kriegsende deutschstämmiger Herkunft. Heute sind es weniger als 1 %.

Es ist ein Gebirge, dem das reiche Erzvorkommen seinen Namen gab. Es gilt als das am dichtesten besiedelte Gebirge Europas, aber es ist zweigeteilt. Die Tschechen nennen es „Krusne hory“, die Deutschen „Erzgebirge“.

Hüben wie drüben des Gebirges nennen sich die Anwohner „Erzgebirgler“. Sächsisch-tschechische Zugverbindungen, Wanderwege, gemeinsame Gewerbeparks und kulturelle Events verbinden heute beide Seiten des Erzgebirges wirtschaftlich, politisch und kulturell wie schon seit fast hundert Jahren nicht mehr.

Wenn Sie mehr über Schloss Lichtenwalde und Schloss Scharfenstein lesen wollen, klicken Sie einfach weiter.

 

Text: Dr. Michael Polster
Fotos: Schloss Rothenhaus

 

Vorheriger ArtikelGenießer entschleunigen in den südsteirischen Weinbergen
Nächster ArtikelDas besondere Dessert: Frittiertes Eisbällchen