Großartige Kirchen, romantische mittelalterliche Burgen, imposante Schlösser aus den verschiedensten Epochen deutscher Baugeschichte und prächtige Gärten prägen das abwechslungsreiche Landschaftsbild der Region um Chemnitz. Wir besuchten Schloss Lichtenwalde in Sachsen.

Allein in der unmittelbaren Umgebung von Chemnitz laden über zehn mittelalterliche Burgen und barocke Schlösser zu einer Reise in vergangene Zeiten ein. „Die sehenswerten Drei“ Schloss Lichtenwalde, Schloss Augustusburg und Burg Scharfenstein haben nicht nur „Geistiges & Historisches“ zu bieten, sondern begeistern auch alle Freunde der sächsischen Küche.

Die Schloss- und Parkanlage Lichtenwalde liegt nur wenige Kilometer von Chemnitz entfernt in einer traumhaften Landschaft.

Schloss Lichtenwalde: Ein echtes Stück GeschichteSchloss Lichterwalde

Schloss und Park Lichtenwalde bilden eines der bemerkenswertesten Barockensembles in Deutschland.

Ein Minister August des Starken ließ die dreiflügelige Anlage von 1722-1726 erbauen, sein Sohn später den Park anlegen. 1772 fiel der Landsitz an die Grafen von Vitzthum von Eckstädt, die ihn bis 1945 bewohnten.

Schloss Lichtenwalde: Ein echtes Stück GeschichteEs ist das größte nichtwettinisches Schloss Sachsens. Einst für seine Kunstschätze berühmt, wurde es 1945 beschädigt und geplündert und seine Besitzer enteignet und vertrieben. Die „Perle des Zschopautales“ verlor ihren Glanz durch Zweckentfremdung und Verfall.

Mitte der 1990er Jahre drohte durch den Leerstand und einen geplanten Verkauf weiteres Ungemach. 1999 beschloss die sächsische Landesregierung eine Übernahme des Anwesens und die Rekonstruktion von Gebäude und Umfeld. „Das Schloss war in einem total desolaten Zustand. Es gab keine Türme mehr, z. B. an der Kirche. Es war eigentlich bedauernswert.“

Wie Phönix aus der Asche stieg das architektonische Kleinod nach der Verjüngungskur. Die historischen Räumlichkeiten im Untergeschoss, das Chinesische Zimmer, der Rote Salon, die gräfliche Bibliothek und das „Königszimmer“ präsentieren sich nach der Restaurierung schöner denn je.

Schloss Lichtenwalde: Ein echtes Stück GeschichteIn 35 aufwändig gestalteten Räumen in den oberen Etagen zeigen 220 Vitrinen Kostbarkeiten aus privaten Sammlungen, die dem Freistaat Sachsen übereignet wurden.

Schloss Lichtenwalde: Ein echtes Stück Geschichte, Foto ampAsiatische Schätze

Das Schloss beherbergt mehrere ethnologische Sammlungen, die sich unter der thematischen Klammer „Begegnungen der Kulturen“ den Zivilisationen Asiens und Afrikas widmen.

Kunst- und Ritualgegenstände aus Nepal und Tibet, Porzellane, Lackarbeiten, Möbel und Seidenstickereien aus China und Japan sowie Grabbeigaben und Geistermasken aus Westafrika sind mittels einzigartiger Zeugnisse ferner Welten beeindruckende Einblicke in die Kultur dieser Völker.

Kunstvolle Gebrauchsgegenstände und Ritualgeräte aus dem Himalaja, zum Teil aus buddhistischen Klöstern stammend, zieren den Ausstellungsbereich „Den Göttern ganz nah“ im dritten Obergeschoss. Hier  möglich, z. B. in die des ehemaligen Königreichs Nepal und des einstigen Tibet, der Heimat des Dalai Lama.

Schloss Lichtenwalde: Ein echtes Stück GeschichteBeindruckend für sich sind allein schon die in dunklem Blau gehaltenen Ausstellungsräume mit ihren saphirblauen Vitrinen. Wirkungsvoll sind auch weitere Räume in Schwarz bzw. dunklem Grau, welche die Basis für eine sehenswerte Präsentation bilden.

Musikalisch untermalt werden in den Vitrinen aus entspiegeltem Glas 1.800 hochkarätige Kostbarkeiten, darunter die Gemälde- und Ostasiensammlung des Kunstsammlers Georg Brühl sowie westafrikanische, tibetanische und nepalesische Stücke des Ethnologen Walter A. Frank. Beide erhielten im Austausch für ihre Schenkungen ein Wohnrecht auf dem Barockschloss.

Barock-Park und Wasserspiele

Das landschaftlich reizvoll gelegene Barockschloss an der Zschopau umgibt ein im Rokoko-Stil angelegter Park mit Wasserspielen und Pavillons. Von Mai bis Oktober finden hier Konzerte sowie das jährliche Parkfest statt.

Was Schloss Lichtenwalde von allen anderen sächsischen Schlössern unterscheidet, ist der ungeheure Reichtum an Wasserspielen. 100 davon, mit über 400 einzelnen Springstrahlen, sind über den Barockgarten verteilt und durch einen ausgeklügelten Kreislauf miteinander verbunden.

Schloss Lichtenwalde: Ein echtes Stück Geschichte, Foto Schloss LichtenwaldeGerade im Frühling erlebt der Besucher hier eine Sinfonie aus Blätterrauschen, Brunnengeplätscher und Blütenduft – nicht umsonst wurde das Schloss zu einem der schönsten Parkensembles Deutschlands gekürt.

Der terrassierte Park, der den Übergang vom Barock zum Rokoko vorzüglich illustriert, erschließt sich dem Auge nie in seiner Gesamtheit. Immer wieder wird der Blick auf verspielte Details wie antike Amphoren, Statuen oder Blütenrondelle gelenkt – oder hinaus aus dem künstlichen Garten in die ursprüngliche Natur des Zschopautals, das heute ein Landschaftsschutzgebiet ist.

Als eine Art Kontrast ist die neue Galerie „Junges Design“ gedacht, die im Nordflügel des Schlosses Arbeiten aus der Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg vorstellt. Auch dem Scherenschnitt- Museum mit seinen filigranen zweidimensionalen Preziosen sollte man unbedingt einen Besuch abstatten – es zählt zu den wenigen seiner Art in Deutschland.

Schloss Lichtenwalde: Ein echtes Stück GeschichteKulinarisches im Schlossgasthaus

Das Schloss ist ein Touristenmagnet – Stärkung vor und nach Kultur kann man sich im Schlossgasthaus Lichtenwalde, dem ältesten Gasthaus (seit 1725) vor Ort.

Theres Lämmel, die gemeinsam mit ihrem Vater Thomas das Lokal samt Hotel und Biergarten führt, ist ein echtes Gastronomie-Kind. „Ich kenne es überhaupt nicht anders“, sagt die 26-Jährige. Als sie zur Welt kam, waren ihre Eltern bereits die Betreiber des Schlossgasthauses. Am 1. August 1990 hatte es Familie Lämmel übernommen. Da befand sich im Rittergut gegenüber noch der Kuhstall und die ruhige Baumallee vor der Tür war eine befahrene Straße.

Die Entscheidung, nach dem Abschluss des Studium des Hotel- und Tourmismusmanagements ins Lichtenwalder Familienunternehmen einzusteigen, lag auf der Hand. „Das hier ist meine Heimat, mein Leben. Mein Herz schlägt dafür““, sagt Theres Lämmel. „Ein Besuchermagnet im Sommer ist unser direkt an der Schloßallee unter schattigen Bäumen gelegener Biergarten mit 100 Sitzplätzen.“

Der romantisch restaurierte ehemalige Braukeller der Schlossbrauerei bietet ausreichend Platz für Feierlichkeiten für bis zu 25 Personen. Es gibt auch gemütliche Zimmer, sowie 2 Ferienwohnungen. Wohnen am Schloß, das hat doch was…

Neben dem gastronomischen halten die Lämmels zudem ein kulturelles Programm für ihre Gäste parat – von Krimi-Dinner über „Ritter“- und „Mittelalter“-Essen bis hin zu Faschingsveranstaltungen reicht die Palette der nächsten Wochen.

Weitere Tipps und Vorschläge für Kunst und Kultur in Sachsen finden Sie in unserem Reisearchiv.

Schloss und Park Lichtenwalde, Schlossallee 1, 09577 Lichtenwalde
Die Schatzkammer ist von April-Oktober täglich außer montags von 10-18.30 Uhr, von November-März von 10 bis 17.30 Uhr geöffnet.
www.die-sehenswerten-drei.de

Text: Dr. Michael Polster, Annemarie Heinrichsdobler
Fotos: Schloss Lichtenwald Schlossbetriebsgesellschaft, Dr. Michael Polster

 

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