Das wertvolle Porzellan verschiedener Länder auf Schloss Klösterle steht im letzten Teil unserer Reise zur Geschichte auf der Spur in den Schlössern Sachsens und dem Erzgebirge.

Schloss Klösterle an der Eger

Von Augustusburg geht die Fahrt durch das Erzgebirge weiter ins „Böhmische“ nach Klasterec nad Ohri/ Klösterle. Diese Stadt entstand am linken Ufer der Eger am Fuße des Erzgebirges und nahe dem Duppauer Gebirge.

Das Schloss, eingebettet in die Landzunge des Flusses Ohre (Eger), zählt zu den bedeutendsten historischen Gebäuden Nordwestböhmens. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1514. Die größte Entfaltung kam unter Michal Oswald Thun (1631-1694), der einschneidende Umbauten an der Residenz vornehmen ließ.

Schloss Klösterle: der Geschichte auf der Spur im Erzgebirge, foto Schloss KlösterleDas Schloss befindet sich in einem zehn Hektar großen, dendrologisch wertvollen englischen Park aus den 20er und 70er Jahren des 19. Jahrhunderts, in dem 200 Bäume aus der ganzen Welt wachsen.

Im neugotischen Schloss befindet sich eine kostbare Ausstellung des Porzellans aus den Sammlungen des Museums für angewandte Kunst in Prag, welche die Herstellung vom alten orientalischen und europäischen Porzellan und die Entwicklung vom tschechischen Porzellan vom Beginn bis zur Gegenwart enthält.

Weiter können hier die Ausstellung „Märchenwelt der Kobolde, Feen und Gespenster“ von Vítezslava Klimtová und Marionetten der Familie Kopecký besichtigt werden, die den Besuchern ein unvergessliches Erlebnis in Gesellschaft der Märchenfiguren bietet.

Klösterle oder „kleines Kloster“

Der Name des Schlosses und der Stadt ist die alt-tschechische Bezeichnung für „kleines Kloster“ (abgeleitet aus dem lateinischen claustrellum), das 1250 an der Stelle der heutigen Stadt von den Benediktinern aus dem nahen Postoloprty gegründet wurde.

Schloss Klösterle: der Geschichte auf der Spur im Erzgebirge, foto Schloss KlösterleDie Klosterwaren gingen 1277 in das Eigentum der Königskammer über. Neue Eigentümer wurden die Herren von Schumburk, die es bis 1449 verwalteten. Danach war Klösterle kurz in Besitz von Vilém von Liburg, bis es 1453 vom Rittergeschlecht der Fictums erworben wurde, das ebenfalls in Besitz der nahen Burg Schumburk war. Volf Detrich Fictum gründete an der Stelle des heutigen Schlosses einen neuen Stammsitz, der von seinen Söhnen erweitert wurde.

Das Fictumer Eigentum wurde aufgrund der Teilnahme am Ständeaufstand 1621 konfisziert und 1623 an Kryštof Šimon Freiherr von Thun (1582-1635) verkauft. Nach dem Tod von František Josef 1800 übernahm sein Sohn Josef Jan Graf Thun die Majorität Klösterle, dessen Name mit der Gewinnung der kürzlich gegründeten Porzellanmanufaktur verbunden ist (1794), die bis in die 1940er-Jahre im Besitz der Familie Thun Hohenstein war.

Erst nach dem Tod von Oswald III. Thun 1942 endete die mehr als 300-jährige Ära, in der das Schloss im kontinuierlichen Besitz der Familie Thun-Hohenstein war. Nach dem zweiten Weltkrieg ging es in Staatsbesitz über. Von 1950-1952 wurde das wertvolle Renaissance-Interieur restauriert.

Schloss Klösterle: der Geschichte auf der Spur im Erzgebirge, foto Schloss KlösterleIn diesen Jahren kam auch die Idee auf, im Schloss eine Ausstellung von böhmischem Porzellan aus den Sammlungen des Kunstgewerbemuseums in Prag zu installieren, das zum einen an die Gründung von Klösterle in einer der bedeutendsten Gegenden der böhmischen Porzellanindustrie erinnert, und auch an die Existenz der Porzellanfabrik in Klösterle, der Zweitältesten Böhmens, die noch heute zu den wichtigsten Porzellanproduzenten des Landes gehört.

Die kostbare Porzellanausstellung befindet sich in den Sälen im Südflügel im Erdgeschoss, die aus dem Renaissaincebau im Jahre 1600 stammen. Ein Saal ist dem ältesten europäischen Porzellan gewidmet, das aus Meißen und Wien stammt. Die Ausstellung wird durch Plastiken aus der Nymphenburger Porzellanmanufaktur aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus der Werkstatt von Dominik Aulicek ergänzt.

Der Renaissancesaal beinhaltet eine Kollektion alten chinesischen Porzellans aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. Die ganze obere Etage ist mit 21 Sälen der Entwicklung des böhmischen Porzellans seit seinem Beginn bis hin zur Gegenwart gewidmet. Weitere Räume zeigen die Produktion aus der Zeit des Empire und Biedermeier aus den Jahren 1815-1835.

In dieser Zeit kam es zu einem deutlichen Aufschwung, der die Qualität der Produkte technisch wie künstlerisch eindeutig anhob. In acht Räumen sind Exponate aus den Jahren 1835-1860 zu sehen. Die Produktion böhmischen Porzellans begann in den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts, als in der Karlsbader Gegend große Kaolinvorräte entdeckt wurden.

Mehr zu Sachsens Schlössern finden Sie in unserem Reisearchiv. Lassen Sie sich inspirieren für Ihren nächsten Trip…

 

Text: Dr. Michael Polster
Bilder: ©Schloss Klösterle

 

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