In unserem Reisebericht Teil 1 erzählten wir über Fort Myers und die Erfinder Edison und Henry Ford. Dann überquerten wir die Brücke nach Sanibel Island und Captiva. Nun geht es weiter – mit aktivem Inselhüpfen. Wenn es noch eine Steigerung zur Natur auf Sanibel Island gibt, dann wird dies auf Captiva Island Wirklichkeit.
Captiva Island
Die natürliche Schönheit dieser Insel wirkt wie ein Magnet auf ihre Besucher. Auch Anne Morrow Lindbergh verfiel dem Charme, denn die Frau und Co-Pilotin des berühmten Fliegers Charles A. Lindbergh verfasste hier ihr Buch „Muscheln in meiner Hand“.
Vieles ist hier etwas feiner und kleiner als auf Sanibel, man hat das Gefühl, im Paradies gelandet zu sein: auf der linken Seite öffnet sich die Sanibel Captiva Road zum Meer und gibt den Blick auf den Golf von Mexico frei, rechter Hand reihen sich Perlen gleich Traumvillen.
In dem kleinen Ort Captiva hat man das Gefühl, die Zeit sei stehengeblieben. Seit 1976 hat der „sundown“ im „Mucky Duck“, einem Stammlokal der Einheimischen, Tradition.
Ein kühles Bier, frische Meeresfrüchte, und ein atemberaubender Sonnenuntergang, was brauchen wir mehr.


Vielleicht doch noch eine der köstlichen, bunten Torten im „Bubble Room“ – allerdings sei vor der Größe der Stücke gewarnt.
Die Region bietet geradezu ideale Voraussetzungen für aktive Inselhüpfer.
Das ultimative Erlebnis bietet das Kayak. Auf „Kayakfühlung“ mit Strandläufern, Seeadlern, Fischen, Alligatoren und Manatees hat was ganz eigenes.
Daß Fischer die bis zu 4 Meter langen und bis zu 1500 Kilo schweren, doch etwas, sagen wir mal klobig, wirkenden Seekühe früher für Meerjungfrauen gehalten haben, finde ich allerdings merkwürdig.
Nur per Boot erreichbar ist eine weitere Besonderheit in der Region: Cabbage Key, ein verstecktes Paradies auf einer rund 40 Hektar großen Insel mit Südstaaten-Charme.
Die Wände und Querbalken sowie die Decke des 1938 gegründeten Restaurants sind mit Ein-Dollar-Scheinen beklebt.

Diese Tradition stammt aus dem Jahr 1941, als ein Fischer seinen letzten Dollar erst ansengte und dann an die Wand klebte, um später wieder zu kommen und mit diesem Dollar sein Bier zu bezahlen.
Besucher führen diesen Brauch noch heute weiter. Auch John F. Kennedy hat hier seinen Dollar hingeklebt, genau wie ich.
Pro Jahr fallen ca. 10–12.000 Dollar von den Wänden, die für soziale Zwecke gespendet werden.
Matlacha
Einen Ausflug wert ist die Fahrt nach Pine Island, westlich von Cape Coral.
Diese größte Insel an Floridas Westküste bietet ein beschauliches Bild, überrascht aber mit viel Individualität, die sich vor allem in dem kleinen Ort Matlacha widerspiegelt.
Bunte Kunstgalerien, Boutiquen, Fischrestaurants und typische „Florida cottages“ liefern die Kulisse der knapp 1.000 Menschen zählen-den Gemeinde.
Mit einem rosafarbenen Dach, gepunkteten Wänden und einer Mischung aus Kunst und Pop-Kultur sowie mit ihrer quirligen Art gibt Inhaberin und Künstlerin Leoma Lovegrove den Ton in dem Künstlerviertel an.
In Lovegrove Gallery & Gardens tragen ihre Werke – von Gemälden und Skulpturen bis hin zu witzigen Andenken – Motive mit Fischen, Wassernixen, Herzen, Flamingos, Ananas oder Katzen.
In ihrem Beatles-Zimmer(Cottage) schläft man buchstäblich auf dem Wasser. Es ist auf einem Pier erbaut und von der Veranda kann man direkt ins Wasser springen.
Im Garten bemale auch ich fleißig eine Kokosnuss, welche als „Postkarte“ meine Familie aus Florida grüßen soll. Die Absendung ist Service der Künstlerin.
Während Leoma uns anleitet, erzählt sie lebendig von ihren Studienjahren an der Ringling School of Art & Design in Sarasota. „Meine Malerei ist laut, fordernd und artistisch.“
Sarasota
Ein absolutes „must“ ist für Kunstliebhaber Sarasota, ca. 1,5 Autostunden nördlich von Fort Myers gelegen. Ausgerechnet in diesem leicht verschlafenen Ort mitten in der entspannten Provinz ist ein hochkarätiges Kulturzentrum entstanden.

Der Grund: Vor 100 Jahren zog ein exzentrischer Zirkusdirektor in die Stadt: der Italien-begeisterte John Ringling mit seiner Frau Mable.
Die Ringlingfamilie besaß Anfang des 20. Jahrhunderts den weltweit größten Zirkus, der allabendlich in einem Zelt von der Größe eines Football-Feldes an die 10.000 Besucher verzauberte.
1909 kam John Ringling mit seinem bekannten Zirkus „Ringling Bros and Barnum & Bailey Circus“ nach Sarasota, um hier zu überwintern. Unter der Bedingung, das Winterquartier für seinen Zirkus dauerhaft dorthin zu verlegen, bot ihm die Stadt 1927 ein Grundstück von 63 Hektar an.
Heute ist der Ringling-Komplex mit seinem historischen Asolo Theater, den 21 Galerien im Museumskomplex, einem Sonderausstellungsbereich und dem architektonischen Meisterwerk Ca’ d’Zan im gotisch-venezianischen Design wohl das berühmteste kulturelle Highlight, das die Region den Ringlings zu verdanken hat.
Fantasievolle Kostüme, Gold verzierte Zirkuswagen aus dem 19. Jahrhundert und riesige Zirkusplakate, die großartige Wunderartisten, kuriose Kreaturen und wilde Tiere ankündigen, machen die Zirkuswelt im Museum lebendig.
Einmalig ist das „Howard Bros. Circus Model“, eine 345 m² große Zirkusminiatur mit acht Zirkuszelten, 152 Zirkuswagen, 1300 Artisten und Arbeitern, über 80 Tieren und einem Zirkuszug mit 59 Waggons.
John Ringling, aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen, gründete ein erfolgreiches Unternehmen und verwirklichte den amerikanischen Traum.
Er bereiste die Welt, um neue Künstler für seine Manege zu werben und seinem Hobby zu frönen: den europäischen Meistern. Rubens, Titian, Veronese, Hals und Velazquez – der Zirkuschef hatte bald eine umfangreiche Sammlung in New York und London ersteigert, die er 1931 in dem von ihm selbst konzipierten „John und Mable Ringling Museum of Art“ der Öffentlichkeit vorstellte.
Bis heute kann es die Sammlung in dem zartrosa Gebäudeensemble mit den großen Museen Amerikas in New York oder Washington aufnehmen. John Ringling hatte Ahnung von Kunst, und das nötige Kleingeld für eine großartige Sammlung.
Venedig war Ringlings Lieblingsstadt, und das Ergebnis seines Traums ist die „Ca’ d’Zan“, Johns Haus, das Wohngebäude der Familie im Stil eines venezianischen Palazzo, welcher imposant an der Golfküste thront. Es besitzt zweistöckige, gewölbte Decken, Kristallleuchter aus dem Waldorf-Astoria Hotel in New York und Wandteppiche, die Figuren der Mythologie zeigen.
Außerhalb des Ringling-Anwesens sind besonders das Sarasota Ballett und die Sarasota Oper erwähnenswert.
Als einziges Opernhaus der Welt spielt die Oper in einem Mammutprojekt seit 1989 alle Werke des italienischen Komponisten Giuseppe Verdi – und knüpft damit an Ringlings Italien-Leidenschaft an.
Letzter Sonnenuntergang
Wir starten rechtzeitig zum Sonnenuntergang in den Himmel. Und der hat es wieder wirklich in sich …
Die Küste verabschiedet sich unbeschreiblich schön. Die Wolken werden zu Seashells, und ich träume noch einmal von Muschelteppichen.
Sollten Sie unseren Reisebericht Teil 1 über Fort Myers und Sanibel Island noch nicht kennen, dann klicken Sie hier einfach weiter.
Text: ©Annemarie Heinrichsdobler
Fotos: ©Annemarie Heinrichsdobler (alle Bilder)




































