Spannende Sterneküche und Hotels in Matera entdecken, im Weltkulturerbe der Stadt aus Stein in Süditalien. Weiße Steine, winkelige Gassen, Treppen und Torbögen, Felsenkirchen, die sich an den Abgrund der Gravina-Schlucht schmkiegen – das ist Matera, die wohl unbekannteste Schönheit von Süditalien.

Kaum einer kennt Matera.
Die Kleinstadt mit ihren ca. 60.000 Einwohnern und Provinzhauptstadt in der wahrscheinlich unbekanntesten süditalienischen Region Basilikata liegt zwischen Apulien und Kalabrien, ungefähr dort, wo sich Stiefelschaft und Stiefelspitze zusammenfügen, nur noch ein gutes Stück im Inland.
Ca. 60 km von Bari entfernt, wo sich auch der Flughafen sowie die nächste Haltestelle für Nachtzüge befinden, liegt Matera, irgendwo im Nirgendwo. Die Küsten Apuliens bei Polignano a Mare ist mit dem Auto in einer guten Stunde erreichbar, etwas näher liegen die nächsten Strände an der ionischen Küste Kalabriens.
Wo die Erde steinig und zerfurcht, das Land hügelig und karg wird, dort liegt die verwinkelte Altstadt Materas, die zu einem erheblichen Teil aus Höhlensiedlungen – den Sassi – besteht. Aufgeteilt in die Stadtviertel Sasso Barisano und Sasso Caveoso gehören die Sassi seit 1993 zum UNESCO-Welterbe.
2019 wurde Matera europäische Kulturhauptstadt.
Kinoliebhabern ist die Stadt, die sich mit ihren Höhlenwohnungen und uralten Kirchen und Kapellen an den Abgrund eines Canyon schmiegt, nicht unbekannt. Mel Gibson drehte den Großteil der Außenszenen seines Filmes „Die Passion Christi“ (2004) in den Sassi, in der Schlucht, in der dunkelblau durch grüne Wiesen der Gravina fließt, und auf dem flachen Hügel auf der gegenüberliegenden Seite der Materaschlucht.
Eine schöne Wanderung übrigens für nicht allzu heiße Tage und zum Entdecken der hieisgen Flora, die zahlreiche wilde Kräuter beinhaltet. An der cineastischen Christuspassion nahmen übrigens etliche Materaner als Statisten teil, die sich dafür stattliche Bärte wachsen liesen, wie Bayern das von den Passionsspielen aus Oberammergau kennen.
Pasolinis Filmkulisse
Auch der berühmte italienische Regisseur Pier Paolo Pasolini drehte die Szene der Geburt Christi in seinem Matthäusevangelium (1964) in den Sassi von Matera. Und der James Bond 007 „Keine Zeit zu sterben“ (2021) spielt teilweise in Süditalien, unter anderem vor der Materaner Höhlenkulisse.
Wo hier vor vielen hundert Jahren erste Behausungen in den Felsen geschlagenen wurden, in denen die Menschen mit ihren Tieren gemeinsam Unterschlupf fanden, befinden sich heute schicke Restaurants, Luxusherbergen, Bars, Museen, Eis- und Souvenirläden, die durch unzählige Treppen und verwinkelte Gassen miteinander verbunden sind.
Wanderung durch die Schlucht
Während der Ortskern weitestgehend restauriert und ausgebaut ist, lässt sich bei einer kleinen Wanderung durch die Schlucht und hinauf auf die gegenüberliegende Hochebene deutlich erkennen, wie die Höhlen an den Rändern des Tuffsteinmassivs wilder werden. Überall gehen rege Bautätigkeiten vor sich. In manchen Felsen lassen auch einfach nur verschlossene Stahltüren auf eine bereits vorhandene Höhle schließen.
Süditalien: Besiedelt bis in die Jungsteinzeit
Die Höhlensiedlungen sind einzigartig im Mittelmeerraum. Auch auf der Hochebene gegenüber finden sich große, leerstehende Höhlen und Reste von Felsenkirchen mit uralten Malereien aus dem Frühchristentum. Das Gebiet um Matera war bereits seit der Jungsteinzeit besiedelt und gilt als eine der ältesten Städte der Welt.
Nach wechselhaften Zeiten voller Eroberungen zählte Matera abwechselnd zu Apulien und der Basilikata.
Stadttour durch Matera in der Ape (Dreirad)
Wer mehr über die Geschichte und die Höhlen der Stadt erfahren möchte, kann mit Santina Ines Schiavone (Tel. +39-338-9250994 (Whatsapp, Facebook, Instagram Ape Tour Matera) eine Dreirad-Tour buchen. In ihrer ausgebauten Ape haben vier Leute und mehr gemütlich Platz. Die knuffigen Hündchen der in Deutschland aufgewachsenen Italienerin sind mit von der Partie und geben ein entzückendes Fotomodell ab. Überhaupt hält sie an allen Hotspots der Altstadt an und zeigt die besten Fotoplätze in nur einer Stunde. Die allerschönsten Fotos ergibt eine Rundfahrt in der Dämmerung.

Von ihr erfahren wir, dass die Stadt am 12. September 1943 nach dem italienischen Waffenstillstand mit den Alliierten von deutschen Truppen besetzt wurde. Daraufhin rebellierte die Bevölkerung gegen die Besatzungstruppen. 26 Materaner kamen dabei ums Leben, woran ein Denkmal erinnert.

Die Sassi: Weltkulturerbe von Matera
Kurz nach dem zweiten Weltkrieg kam es zu Ausbrüchen von Malaria. Aber schon 1944 erschien der autobiographische Roman „Christus kam nur bis Eboli“ des italienischen Schriftstellers und Anthropologen Carlo Levi. Während seiner Verbannung (1935/1936) in die Basilikata schrieb er ein tagebuchartiges Werk. Darin beschrieb er die katastrophalen hygienischen Zustände. Dass die Menschen ohne Strom und fließendes Wasser in den Höhlen lebten, wurde so über nationale Grenzen hinaus bekannt.
Damals schämte sich ganz Italien für die Zustände im Süden des Landes. In den 1950er und 1960er Jahren wurde die Bevölkerungen in neugebaute Wohnblocks – die Neustadt liegt bis heute oberhalb der Sassi – umgesiedelt.
Die meisten der Höhlen gingen in Staatsbesitz über und nur wenige verblieben in privater Hand. Über Jahrzehnte verrotteten die Höhlen und das komplette Areal war eine zwielichtige und unsichere Gegend. Erst mit der Ernennung der Sassi von Matera und dem Park der Felsenkirchen zum Weltkulturerbe 1993 begann sich langsam etwas zu ändern. 2019 wurde Matera Weltkulturhauptstadt.
Restaurants und Hotels in Matera
Mehr und mehr Höhlen wurden seitdem restauriert und zu Sehenswürdigkeiten, Hotels und Restaurants umgebaut. Heute gibt es in Matera fünf im Guide Michelin erwähnte Restaurants, von denen sich zwei in ehemaligen Höhlen befinden (Baccanti und Vitantonio Lombardo) und eines davon, das Ristorante Dimora Ulmo, in einem restaurierten Palazzo mit Terrasse.
Ebenfalls in einem historischen Palast, dem Palazzo Gattini, befindet sich neben einem gleichnamigen Fünfsterne-Luxushotel das Ristorante Le Bubbole, ebenfalls mit lauschiger Terrasse. Nur einen Steinwurf von den Sassi entfernt erwarten Gäste erlesene Menüs im Michelin-Restaurant Ego.
Sterneküche in den Höhlen
Der Sternekoch Vitantonio Lombardo, 1979 in der Basilicata geboren, lernte bei den italienischen Meisterköchen Paolo Teverini, Gianfranco Vissani und Fabio Barbaglini, bevor er 2011 den ersten Michelinstern für sein gleichnamiges Restaurant erkochte. Berühmte wurde er mit seiner Pizza in Black. Den ersten Stern sah er eher als Ansporn und Ausgangspunkt für Verbesserungen als eine Ziellinie.
Gäste wählen zwischen drei Menüs. Traditionell lukanische Küche gibt es mit dem Mat.era. Das Menü Mat.eria setzt auf Terroir und das Menü VL, die Initialen von Vitantonio Lombardo auf seine Signature-Küche.
Ein weiteres Fünfsternehotel befindet sich mit dem Sant’Angelo Luxury Resort an der Piazza S. Pietro Caveoso mit 23 Zimmern eines der ruhigsten Rückzugsorte in den trubeligen Sassi Materas und einer spektakulären Aussicht.
Manche der Zimmer liegen tief in den Höhlen, andere nach vorne raus aus dem restaurierten Palazzo. Auch das Sextantio Le Grotte della Civita bietet 18 spektakuläre Höhlenzimmer und Suiten mit Fenstern und dem Komfort eines Luxushotels an.
Entzückende Bed & Breakfasts, Bars und Kneipen
Außerdem gibt es in den Sassi auch zahlreiche Drei- und Viersternehotels sowie spannende, inhabergeführte Bed & Breakfasts.
Spannende Museen und Felsenkirchen in den Sassi von Matera
Lohnenswert ist die Besichtigung einer der museumsartigen Höhlenwohnungen, eine von mehreren Casagrotte. Das sind originalgetreu erhaltene Behausungen, in denen die Bevölkerung bis nach dem zweiten Weltkrieg lebte. Dort ist neben original Einrichtungsgegenständen und landwirtschaftlichen Geräten auch das Zisternensystem zu begutachten.
Die Menschen fingen das Regenwasser auf. Sie sammelten es in tiefer liegenden Becken, sodass sie in den trockenen und bis über 40 Grad heißen Sommermonaten, in denen es kaum regnet, Wasser zur Verfügung hatten. Ganz besonders sehenswert ist auch die öffentliche Zisterne Palombaro Lungo.
Dort erhält man eine Vorstellung, wie sehr die Region vor dem Errichten der ersten Aquädukte zur Wasserversorgung in den 1950er Jahren auf das Sammeln von Regenwasser angewiesen war. Das Wasser wurde früher über einen Brunnen öffentlich entnommen.
Die Zisterne war lange Zeit verschlossen und erst in den 1990er Jahren unternahmen Taucher Sichtungen. Heute sind die gigantischen unterirdischen Räume nahezu leer und Stahltreppen führen hinunter und hindurch.
Highlights in Süditalien
Zu den Sehenswürdigkeiten zählen neben der Kathedrale unter vielen anderen Kirchen die Chiesa di San Giovanni Battista sowie das Auditorium im Kulturzentrum Casa Cava in einer ehemaligen Mine.
Beeindruckend auch die in Stein gehauenen Felsenkirchen mit ihren Fresken und Wandmalereien. Auf einem Felsen steht erhaben Santa Maria dell’Idris e San Giovanni‘ in Monterrone. Weitere Beispiele sind Santa Lucia alle Malve, Santa Barbara oder San Pietro Caveoso.
Der geschützte Park der Felsenkirchen beschränkt sich nicht nur auf Matera, sondern umfasst ein Gebiet von ca. 8000 Hektar zwischen Matera und Montescaglioso. Auf diesem Territorium befinden sich insgesamt 150 Felsenkirchen und zahlreiche Höhlenbauten.
Sehenswerte Museen wie das Museo Archeologico Nazionale „Domenico Ridola“ imponieren mit archäologischen Exponaten der Frühgeschichte über die antiken Kulturen bis hin zum Mittelalter.
Hinzu kommen das Museo Laboratorio della Civiltà Contadina, das sich alten Handwerken verschrieben hat. Das Museo della Scultura Contemporanea zeigt moderne Skulpturen. Das Museo dell’Olio di Oliva widmet das sich dem Anbau und der Verarbeitung von Oliven.
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Text und Fotos: ©Verena Wagner
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