Die alte Gebirgsrasse Blobe Goas gilt als hochgefährdet und nur dank Züchtern, die am Erhalt der Artenvielfalt arbeiten, kann sie vor dem Aussterben bewahrt werden. Bis ihr Bestand wieder als gesichert gilt, liegt noch ein langer Weg vor Herbert Felderer und rund 140 weiteren Züchtern in Österreich. Nur gemeinsam ist dieses Ziel zu erreichen.

Eine alte Gebirgsrasse
Aus dem Ziegenstall ertönt freudiges Gemecker. Sie wissen schon, wer sie da besuchen kommt. „Wenn die Ziegen etwas oder jemanden nicht kennen, sind sie aber eher zurückhaltend“, erklärt Herbert Felderer. Die Blobe Goas folgt dabei nur ihren Mutterinstinkten. Diesen verleiht ein durchdringender Blick aus gelben Augen, umrahmt von zwei archaischen Hörnern Nachdruck. Ihr Verhalten gebührt einer Urziege. Zum einen ist sie scheu, zum anderen gerät sie schnell in Rage, wen ihr der Platz im Stall nicht reicht. Sie braucht Auslauf und viel Freiraum.
In seinem Stall oberhalb von Buch in Tirol leben inklusive Jungtiere 25 bis 30 Blobe Ziegen und ein paar Pfauenziegen, eine weitere vom Aussterben bedrohte Hochgebirgsrasse mit Schweizer Ursprung. Außerdem hält der Obmann des Blobe Goas-Vereins auf seinem Hof Hühner und Ponys. Schon immer hat er sich für hochgefährdete Nutztierrassen interessiert. Aber eine Art hat es ihm besonders angetan: Herbert Felderer ist ziegenbegeistert. Wenn er erzählt, erscheinen die bockigen Ziegen in neuem Licht, als hochintelligente und individuelle Tiere: „Die sind wirklich eigen, nicht nur ihr urtümliches Aussehen mit Bart und Zotteln! Die fressen schnell mal die Blumen weg, wenn sie können!“
In Österreich gibt es acht Ziegenrassen, die unter besonderem Schutz stehen. Heute gibt es laut Herdenbuch im ganzen Land ungefähr 700 rassetypische Blobe Ziegen. Das ist schon ein Erfolg, aber damit die Generhaltung als langfristig gesichert gilt, braucht es einen Bestand von ein paar Tausend Tieren. Begonnen hat alles 2008 mit ein paar letzten Exemplaren der Bloben Goas. „Die haben wir in Ziegenbeständen in Südtirol oder auch im hinteren Ötztal und oberen Inntal noch entdeckt“, erinnert er sich an die Anfangszeiten des Vereins.

Vereine zum Arterhalt Blobe Goas
Damals hätten sich die zwei Hände voll Enthusiasten, die 2009 mit dem Züchten begannen, niemals vorstellen können, wieviele Mitstreiter heute dabei sind. „Gerade auch junge Züchter haben so eine Gaudi mit den Ziegen“, freut sich Felderer. Mittlerweile gibt es sogar mehrere Vereine, die sich um den Erhalt der Rasse kümmern.
Alle ziehen dabei an einem Strang, denn nur mit der Unterstützung einer großen Gemeinschaft gelingt es eine bedrohte Rasse mittels Erhaltungszucht vor dem Aussterben zu bewahren. Die Auswahl der Zuchttiere erfolgt nach bestimmten Kriterien wie ein guter Fuß und Muskelmasse für die im steilen Gelände benötigte Trittsicherheit. Aber auch die typische Farbe, die hohe Widerstandsfähigkeit bei Kälte und Nässe oder ein gutes Gebiss, das mit der kargen Nahrung klarkommt, sind wichtige Merkmale.

Für mehr Artenvielfalt
In Zusammenarbeit der Züchter mit dem Tiroler Ziegenzuchtverband, der Österreichischen Nationalvereinigung für Genreserven (Öngene), die für den Schutz und die Bewahrung der Erbanlagen seltener erhaltungswürdiger heimischer Nutztierrassen zuständig ist, sowie dem Verein Arche Austria zur Erhaltung seltener Nutztierrassen und für Artenvielfalt, ist es gelungen, ein gemeinsames Zuchtprogramm zu erarbeiten.
Der Bestand der in der Region zwischen Nord- und Südtirol beheimateten Rasse belief sich Anfang 2008 auf rund 35 Zuchttiere in Österreich. Ihr traditionelles Alpgebiet liegt zwischen 2.500 und 3.000 m Seehöhe. Aber auch an Steilhängen in tieferen Lagen gefällt es der äußerst genügsamen Ziege. Ihr mittellanges Fell macht sie unempfindlich gegenüber extremen Witterungsbedingungen.
„Wenn eine Rasse einmal verschwunden ist, bedeutet das einen unwiederbringlichen und endgültigen Verlust für die genetische Vielfalt einer Region“, erklärt der sich seit November in Pension befindliche Nebenerwerbsbauer. Langweilig wird ihm sicher nicht. Seine freie Zeit setzt er für die Blobe Goas ein. Er ist nicht nur im Verein aktiv, sondern auch Spartenbetreuer für seine Schützlinge bei Arche Austria sowie Rasse-Ausschuss-Obmann der Gebirgsziegen im Tiroler Zigenzuchtverband.
Alte Nutztierrassen sieht er als Chance für kleine Höfe, die oft im Nebenerwerb betrieben werden. „Während ich als kleiner Bub in den 1970er Jahren erlebt habe, wie Hochleistungs- und Fleischrassen groß in Mode kamen, schein es seit gut 15 Jahren auch für andere Entwicklungen wieder mehr Raum und Interesse zu geben“, bemerkt er. Allerdings brauche es ein wachsames Auge drauf, ob die gegebenen Förderungen ausreichen. Denn allein vom Idealismus nährt sich auch die hohe Motivation der Jugend nicht auf Dauer.
Fotos: Verein Blobe Goas Austria
Text: Verena Wagner





































