Dank innovativer, junger Winzer erlebt die Garnacha-Traube in Spanien ein spektakuläres Comeback.

Die Rebstöcke der Garnacha sind in Spanien nahezu überall zu Hause. Für die Hälfte der 65 Herkunftsbezeichnungen des Landes ist die Traube zugelassen, bis zur Jahrtausendwende galt sie als meistangebaute rote Rebsorte Spaniens. Dann ging der Anbau etwas zurück.

Heute jedoch nehmen Winzer diese Rebsorte wieder verstärkt wahr. Denn im Zuge des Klimawandels zeigen sich ihre Stärken – sie ist hervorragend an trockenes und warmes Terroir angepasst.

Die größten Anbaugebiete liegen in Rioja, in Aragón sowie in weiten Teilen Kataloniens, die Gesamtfläche in Spanien wird mit rund 20.000 ha angegeben. Kein Wunder, denn die Rebe gilt seit jeher als genügsam und widerstandsfähig, selbst bei schwierigen Wachstumsbedingungen.

Garnacha: Rote Reben-Renaissance, Foto ICEXIhre Beeren sind mittelgroß und von blau-violetter Farbe mit dünner Haut. Sie erreichen hohe Zuckergehalte und damit entsprechende Alkoholwerte. Bis vor kurzem entstanden aus den Trauben hauptsächlich Roséweine, geschmeidig und mit dezenter Säure.

Darüber hinaus galt die Garnacha unter traditionsverbundenen Kellermeistern als ideale Ergänzung anderer Weintypen, dass man hochrangige reinsortige Garnacha-Weine keltern könne, glaubte damals kaum jemand.

Es waren junge Weinmacher, die an das Potenzial dieser Rebsorte glaubten und sich vor wenigen Jahren erstmals darauf einließen, neue Wege zu gehen. Für sie stellte diese Traube eine besondere Herausforderung dar. Bald produzierten sie die ersten reinen Garnacha Weine, die es mit anderen Spitzenrotweinen aus Spanien aufnehmen konnten.

Wein-Enthusiasmus

Jetzt erfährt diese uralte, autochthone spanische Rebsorte eine spektakuläre Renaissance. Dank moderner Kellertechnik entstehen zeitgemäß ausgebaute Garnacha Weine, die begeisterten Anklang finden.

Top-Önologen entlocken der Traube ganz neue Qualitäten. Dabei setzen sie auf strenge Ertragsreduzierung und bauen die Garnacha mit einem extrem hohen Qualitätsanspruch aus. Dank dieser Avantgarde-Gewächse hat die Traube ein Comeback erfahren und ist bei Tastings wieder in aller Munde.

Vor allem, weil sie die Fähigkeit besitzt, das Terroir perfekt widerzuspiegeln und in jeder Anbauregion vollkommen unterschiedliche Geschmackstypen hervorzubringen. Mal zeigt sie Facetten von reifen roten Früchten mit blumigen Noten, dann wieder ist sie ausdrucksstark und opulent.

Nach Meinung vieler Weinmacher unterstützt die Reifung in neuem Holz ihre Vorzüge noch. So ausgebaut präsentieren hochwertige Garnacha Weine eine feine Würze mit balsamischen Noten.

Garnacha: Rote Reben-Renaissance, Foto ICEXEiner der jungen Weinmacher ist Rubén Provedo Santamartina. Der studierte Lebensmittelchemiker, Önologe und Weinbauspezialist wuchs in Burgos auf und verbrachte schon als Kind jede freie Minute in den Weinbergen der Comarca Ribera del Duero.

Als einer der Top-Önologen Spaniens beschäftigt sich der 37-Jährige nicht nur mit Traubensaft und Kellereitechnik, sein Enthusiasmus gilt dem Land und den Reben, ihren Eigenarten, Ansprüchen und Besonderheiten.

Ihn interessieren alle Rebsorten der Welt, doch spezialisiert hat er sich schon vor vielen Jahren auf die spannenden großen seiner Heimat, auf Tempranillo und auf Garnacha.

Früh in seiner Karriere ging Rubén Provedo Santamartina als Önologe zu dem für uralte Rebstöcke und Spitzenweine berühmten Weingut Numanthia, dem ersten in Spanien, das 100 Parker-Punkte erhielt. Dann packte ihn wieder die Neugier.

Garnacha: Rote Reben-Renaissance, Foto ICEXTeure Weine herzustellen, findet er, ist einfach. In der Vielfalt liegt die Herausforderung. Deshalb entschied er sich nach der Premium-Bodega für einen großen Weinkeller im Ribera del Duero-Gebiet.

Dort reizte ihn die Aufgabe, eine breite Palette an Weinen zu schaffen und die Verantwortung für Rebflächen von über 450 ha sehr alter Reben zu übernehmen.

Rubén Provedo erläutert: „Die Garnacha Traube stellt für mich eine besondere Herausforderung dar: Schon seit eh und je sagten die Önologen, dass man keine reinsortigen, anständigen Garnacha-Weine in der Rioja vinifizieren könne. Ich habe jedoch immer an das Potenzial dieser Rebsorte geglaubt und viel damit experimentiert – mit Erfolg. Es entstand ein außergewöhnlicher reinsortiger Garnacha Wein, der es mit Spitzenrotweinen aus Spanien aufnehmen kann.“

 

Text: Redaktion G&R
Fotos: ICEX

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