Um Food Waste, also Lebensmittelabfälle zu reduzieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten, etwa mit Foodsharing abgelaufene Lebensmittel vor dem Müll zu retten. Eine Alternative ist die App To Good To Go, mit der Lebensmittel kurz vor dem Ablaufdatum zu einem geringen Preis erworben werden können. Selbst abgelaufene Lebensmittel sind nicht automatisch schlecht und verdorben. Sie gehören nur in den Müll, wenn sie schimmeln, ihren Geruch oder ihre Farbe verändert haben. Ansonsten können sie in vielen Fällen unbedenklich verzehrt werden.

Wie „rettet“ Foodsharing abgelaufene Lebensmittel?

Foodsharing ist eine Umweltorganisation mit dem erklärten Ziel, Lebensmittel vor der Mülltonne zu retten. Foodsharing verteilt die geretteten Lebensmittel über öffentlich zugänglichen Regale und Kühlschränke: Sogenannte „Fair-Teiler“, stehen allen Menschen zur Verfügung – in vielen kleinen und großen Städten in Deutschland und Österreich. Zum Abholen gehen die Mitglieder vorzugsweise mit dem Fahrrad, bei großen Mengen mit dem Auto. Auch wenn Foodsharing so viele Lebensmittel mit abgelaufenem MHD weiterverteilt: Es landet immer noch jede Menge Essen im Müll, weil viel zu viel produziert wird.

Sekundäre Pflanzenstoffe: gesundes Obst und Gemüse, foto BL-BildHauptziel von Foodsharing ist, dass letztendlich keine Lebensmittelrettungen mehr erforderlich sind. Eine Foodsaverin erklärt, warum sie sich engagiert: „Durch meine Erlebnisse beim Containern weiß ich, wie viele genießbare Lebensmittel in die Tonne wandern. Ich bin der Meinung, dass wir diese Lebensmittel besser fair-teilen könnten. Mein Engagement war zuerst ökologischer Natur, inzwischen stützt es sich auch auf soziale und politische Überzeugungen. Jede*r sollte Zugang zu Lebensmitteln haben und wertvolle Lebensmittel und die Arbeit der Produzenten mehr Wertschätzung erfahren. Dieser Wahn muss ein Ende haben.“ Bewusstseinsbildung bei den Kooperationsbetrieben ist daher sehr wichtig. Es gibt nämlich auch Betriebe die bedarfsorientiert produzieren, so dass im Normalfall nichts übrig bleibt.

Genusstour durch Galizien Teil 1In unserem heutigen Lebensmittelsystem zählt nicht, was nährt – sondern was sich verkauft. Unmengen an Feldfrüchten schaffen es nie bis auf unsere Teller, weil sie nicht der normierten Idealvorstellung entsprechen: zu krumm, zu klein, zu groß, mit Schönheitsfehlern. Doch auch vollkommen genießbare Lebensmittel landen im Müll, einfach weilzu viel davon produziert wurde. Wenn etwa zur Erntezeit Tomaten, Marillen oder Orangen gleichzeitig reifen, ist der Markt „übersättigt“. Nicht weil die Menschen satt wären – sondern weil der Absatz stockt. Denn das System verlangt Profit – nicht Gemeinnutzen oder Nachhaltigkeit.Food Waste: Mit Foodsharing abgelaufene Lebensmittel vor dem Müll retten

Mindestens haltbar bis… heißt nicht tödlich ab!

Nur weil ein Lebensmittel „abgelaufen“ ist, muss es noch lange nicht schlecht sein! Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist kein Verfallsdatum – sondern eine Orientierung der Hersteller, wie lange ein Produkt unter idealen Bedingungen seine typischen Eigenschaften (z. B. Geschmack, Farbe, Nährstoffe) garantiert behält. Viele Lebensmittel sind aber auch lange nach dem MHD noch gut.

Ein Beispiel: Käse verändert mit der Zeit seinen Geschmack – wird kräftiger, aromatischer. Das MHD zeigt hier lediglich das Ende der Phase an, in der sein Geschmack „gleichbleibt“. Viele Käseliebhaber*innen freuen sich gerade über den vollmundigen Reifegrad nach dem MHD.

Wichtig für abgelaufene Lebensmittel: Vertraue deinen Sinnen.

  • Riecht das Lebensmittel noch angenehm?
  • Sieht es aus wie gewohnt?
  • Hat sich das Aussehen verändert, gibt es Schimmel?

Wenn du unsicher bist: Erst schauen, dann riechen – und im Zweifel vorsichtig probieren. Unsere Sinne sind die besten Werkzeuge gegen unnötige Verschwendung.

Achtung: Das MHD ist nicht dasselbe wie das Verbrauchsdatum! Steht auf der Packung „zu verbrauchen bis…“, wie z. B. bei Hackfleisch oder frischem Fisch, ist das ein Hinweis auf schnell verderbliche Lebensmittel. Diese sollten nach Ablauf tatsächlich nicht mehr gegessen werden – hier geht’s um deine Gesundheit!

Weitere Verluste entstehen durch falsche Lagerung, Schädlingsbefall oder automatisierte Prozesse. Transportschäden oder fehlerhafte Verpackung führen dazu, dass Produkte im Müll landen – obwohl sie essbar wären.

In der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung ist die Situation kaum besser. Dort sorgen schlecht planbare Nachfrage, überdimensionierte Portionen und unflexible Standards für riesige Mengen an Speiseabfällen. Auch hier dominiert ein System, das einen sorgsamen Umgang mit Ressourcen hinter Gewinnmaximierung anstellt.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum verstärkt die Wegwerfspirale. Produkte, die dieses Datum überschreiten, dürfen nicht mehr verkauft werden – selbst wenn sie noch lange haltbar wären, besonders Trockenwaren wie Mehl, Reis oder Kaffee.

Food Waste: Mit Foodsharing abgelaufene Lebensmittel vor dem Müll retten
Globale Strukturen im Supermarktregal & Food Waste

In Supermarktregalen steht Ingwer aus China, Rindfleisch aus Australien, Paprika aus Holland, Saft aus brasilianischen Orangen, abgefüllt um die Ecke, Kaffee aus Äthiopien und selbst im Winter Unmengen Gemüse aus Spaniens Gewächshäusern.

Zu Weihnachten landen dann die Erdbeeren aus Ägypten in der Mülltonne. Zu schnell schimmlig, leider schon matschig. Die meisten Menschen wollen gar keine Erdbeeren am Heiligabend essen, für die Arbeiter einen Hungerlohn bekommen haben und die massenweise Wasser in einer Wüstenregion verbrauchen, um dort überhaupt wachsen zu können.

Bei den Foodsharing-Abholungen im Dezember bleiben genau diese Produkte übrig: Spargel aus Peru und Erdbeeren aus Ägypten. Beides Produkte, deren Saison bei uns in der Region nur wenige Wochen im Frühjahr dauert.

Würde jemand etwas vermissen, gebe es sie nicht, die Erdbeere im Dezember? Heute sind zudem Erdbeeren im Handel, die bei uns in Wintergewächshäusern wachsen. Sind die dann nachhaltiger im Anbau und im Energieverbrauch?

Das Thema ist endlos und die meisten Menschen sind überfordert: Was ist jetzt gut oder schlecht für die Umwelt? Durch den Konsumdschungel helfen sogar Apps, mit denen die Zutaten vieler Produkte im Supermarktregal überprüft werden können. Es ist leider häufig so, dass die in einem Produkt verarbeiteten Zutaten aus unterschiedlichen Orten der Welt stammen.

Ein Wochenende in Wroclaw / Breslau: Kunst, Kultur und Flair, PolenDas Überangebot an Waren in unseren Supermärkten führt zur Abhängigkeit von globalen Strukturen in der Lebensmittelproduktion und multinationalen Konzernen. Dadurch ist zudem immer viel mehr da, als wir brauchen. Wer braucht zehn Sorten Erdbeer-Joghurt im Kühlregal? Dieses Essen macht nicht glücklich, wie uns die Werbung erzählt – eher adipös, also fett. Liefern die bunten Milchprodukte nicht nur viel Protein sondern auch viel Zucker und Aromen.

Der Handel liefert, was der Kunde wünscht – heißt es. Ist das wirklich so? Tragen die satten Rabatte in den Werbeblättern, mit denen die Supermärkte um die Kundschaft kämpfen, nicht vielmehr dazu bei, dass wir zu viel einkaufen und dann umso wieder wegwerfen? Ganze 58 % aller Lebensmittelabfälle fällt in Privathaushalten an.

Wie wir konsumieren und uns ernähren, spielt bei Lebensmittelverschwendung eine große Rolle.

  • Auch wenn niemand von uns absichtlich einen Teil seines Wocheneinkaufs direkt für den Mistkübel kauft – alleine in Österreich landen jedes Jahr über eine Million Tonnen genießbarer Nahrung im Müll  – über die Hälfte davon zu Hause.
  • Doch es kann nicht sein, dass es die Aufgabe der Einzelnen ist, ihren Einkauf besser zu planen, um Lebensmittelverschwendung zu stoppen: Die systematische Vernichtung von Lebensmitteln ist nicht nur individuelles Versagen, sondern liegt in der Struktur unserer Wirtschaft bedingt. FETT
  • Gleichzeitig ist unser individuelles wie kollektives Handeln wichtig: etwa durch bewussten Einkauf, selbst Kochen, Gärtnern oder politisches Engagement für ein gerechteres und nachhaltigeres Ernährungssystem.
  • Gleichzeitig hungern 733 Millionen Menschen – ein Skandal, denn die Lebensmittelverschwendung in Industrieländern hat direkt mit der Not vieler Menschen zu tun.Food Waste: Mit Foodsharing abgelaufene Lebensmittel vor dem Müll retten

Food Waste vermeiden: Raus aus der Komfortzone!

Ob das verschimmelte Brot im Kasten, die Essensreste im Restaurant oder die krumme Karotte, die als Ausschussware ihren Weg gar nicht erst ins Supermarktregal findet: Lebensmittel landen überall in der Kette zwischen Produktion und Endverbraucher im Müll. Die Ursachen für Lebensmittelverschwendung sind sehr vielfältig.

Es muss uns allen bewusst werden: Krummes Gemüse schmeckt genauso gut und Obst gehört nicht wegen einer braunen Stelle in den Müll. Abgelaufene Lebensmittel sind oft noch gut und viel Food Waste landet umsonst im Müll. Brotsalat, Scheiterhaufen, Arme Ritter (French Toast), Knödel und viele Rezepte mehr helfen mit, zu Hause weniger Food Waste anfallen zu lassen. Gerade Brot und Gebäck landen aufgrund ihrer gerinen Haltbarkeit in großen MEngen im Müll.

Auch der Handel muss hier Verantwortung zeigen und die Kundschaft ein wenig „erziehen“, indem er transparent macht, dass es sich hier um eine Maßnahme gegen Lebensmittelverschwendung handelt. Früher war das doch auch kein Problem, wenn es kurz vor Ladenschluss nicht mehr alle Brote zur Auswahl gab. Beim Bäcker haben die Menschen ihr Brot sogar vorbestellt, damit der wusste, wieviel er backen muss.

Es ist wichtig, dass Privatpersonen mehr Bewusstsein für Food Waste und abgelaufene Lebensmittel erlangen. Aber das eigentliche Problem sitzt woanders: Solange sich nichts am globalen Lebensmittelsystem ändert, werden auch die einzelnen Haushalte nichts oder nur wenig an ihrem Konsumverhalten ändern.

Wir haben uns daran gewöhnt, dass Lebensmittel immer verfügbar sind und das Bewusstsein dafür verloren, welche Leistung, Ressourcen- und Energieverbrauch hinter den vollen Regalen steht.

Pfannengerichte zum Reste verwerten mit Brezen Gröstl und anderen Rezepten im Brotkochbuch

Textauszüge aus dem Buch „Kein Brot im Müll – Das Brotkochbuch“

Fotos: Verena Wagner, G&R-Redaktionsarchiv
Grafik: BMEL

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