Das Fahrrad ist heute nach seiner Erfindung durch Karl Freiherr von Drais präsenter denn je. Gegenwärtig fährt immer öfter nicht nur die Muskelkraft, sondern auch die Moral mit, denn Fahrräder hinterlassen keine ökologischen Fußabdrücke. Abgasfrei geht es durch Zeit und Raum …

Der mobile Begleiter des Menschen erlebt 210 Jahre nach der Erfindung der Laufmaschine durch Karl Freiherr von Drais eine Renaissance, als Elektro­variante oder als Lastenfahrrad.

Spricht man heute über Fahrräder, sind Fahrradkuriere, Rikschas und Postboten, Sport- und Kunstradfahrer, BMX-Räder als Teil der Jugendkultur, das Radwandern und natürlich die Straßenverkehrsordnungen ein Thema. Eines aber gilt immer: Ein Fahrrad ist effi­zient und benötigt keinen Treibstoff. 

Mit dem Fahrrad abgasfrei durch Zeit und Raum, foto Quengle NadaMit dem Fahrrad abgasfrei durch Zeit und Raum, foto TechnoseumGeschichte mit Pointen

Alt und Jung radelt, zur Arbeit, zur Schule, in die Universität, oder in den Urlaub. Für viele ist es Sport; nur für ganz wenige ein Hochleistungssportgerät.

Aufregung gab es einst 1965 in Mailand, als beim Res­taurieren eingeklebter Blätter des Codex Atlanticus von Leonardo da Vinci eine Fahrrad­skizze gefunden wurde. Noch immer ist man darüber geteilter Meinung. Echt, betonen die einen, von unbekannter Hand hineingeschmuggelt, meinen die anderen.

Die Zeichnungen aus dem 15. Jahrhundert sind Meisterwerke lebendiger Ausdruckskraft, voll schöpferischer Phantasie und unerhörter Scharfsichtigkeit. Leonardo Da Vinci nahm vieles, was die Maschinentechnik im Zeit­alter der industriellen Revolution verwirklichte, gedanklich vorweg. 

Mit dem Fahrrad abgasfrei durch Zeit und Raum, foto TechnoseumDie Geschichte des Fahrrades ist lang, vielfältig, und bewegt. Am 12. Juni 1817 nahm sie ihren Lauf: Mit der Jungfernfahrt auf seiner zweirädrigen Laufmaschine in Richtung der kurfürstlichen Sommerresidenz in Schwetzingen legte Karl Freiherr von Drais (1785-1851) den Grundstein für die Entstehungsgeschichte des Fahrrades.

Mit dem Fahrrad abgasfrei durch Zeit und Raum, foto Fürstenbergische SammlungenFast 14 km lang war die erste Radtour der Welt. Dieser Ausflug mit dem Vorläufer des Fahrrades gilt als die Geburtsstunde individueller Mobilität. Die Urform des modernen Fahrrads war geboren.

Von Mannheim aus begann das Zweirad seinen Siegeszug um den Globus und wird bis heute millionenfach in aller Welt genutzt. Während sich Pferdekutschen damals mit rund 10 km/h fortbewegten, kam der Freiherr auf eine atemberaubende Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 bis 17 km/h.

Mit dem Fahrrad abgasfrei durch Zeit und Raum, foto TEchnoseumDer Erfinder verkaufte zu Lebzeiten nur wenige Exemplare. Erst rund 50 Jahre später gewann die Weiterentwicklung des Fahrrades mit dem Tretkurbel-Velociped wieder an Fahrt.

Im Zuge der Weltausstellung 1867 in Paris wurde es zum Verkaufsschlager. Da sich das Gefährt nur schwerfällig und langsam fahren ließ, brachte erst das vergrößerte Vorderrad den durchschlagenden Erfolg.

Mit dem Fahrrad abgasfrei durch Zeit und Raum, foto TEchnoseumBeim in den 1870er und 1880er-Jahren populären Hochrad betrug er schließlich um die anderthalb Meter: Damit ließ es sich zwar flott vorankommen, doch die Gefahr schwerer Stürze war groß. 

Es folgte das Sicherheitsniederrad, bei dem der Schwerpunkt tiefer und weiter hinten lag. Zwei gleich große Räder und die Übersetzung der Kurbeldrehung mit einer Kette auf das Hinterrad garantierten eine sichere und schnelle Fahrt.

Mit diesem Modell war die Fahrradform gefunden, die bis heute zum Einsatz kommt. Auch der Elektroantrieb hat daran nichts geändert.

Mit dem Fahrrad abgasfrei durch Zeit und Raum, foto Deutsches FahrradmuseumVom Massenartikel zum Accessoire

Nach 1900 wurde es zum Verkehrsmittel für die breite Bevölkerung: Anfangs noch ein Spielzeug des Adels und des gehobenen Bürgertums, machte es als Massenprodukt um die Jahrhundertwende die Arbeiterschaft mobil und beflügelte die Frauenbewegung.

Mit dem Fahrrad abgasfrei durch Zeit und Raum, foto Deutsches Fahrradmuseum

Mit dem Fahrrad abgasfrei durch Zeit und Raum, foto TehnoseumMit dem Boom von Autos und Motorrädern ab den 1950er Jahren kam das Fahrrad wieder aus der Mode.

Erst in den vergangenen Jahrzehnten gab es eine Renaissance:

In westlichen Metropolen ist das Fahrrad nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern auch Ausdruck eines Lebensgefühls. Durch farbige Lackierungen, Aufkleber oder individuelles Zubehör werden Fahrräder zum Accessoire.

Bad Mergentheim im TaubertalIns Büro radeln liegt im Trend. Schwarzer Anzug, weißes Hemd, dazu ein schwarzer Halbschalenhelm – für viele ein perfekter Look. So ist Lifestyle angesagt.

Tipps für Fahrradtouren finden Sie in unserem Reisearchiv.

 

Text: ©Dr. Michael Polster
Fotos von oben: ©160523_Radjubilaeum_2017_42091, ©Nada_Quenzel, ©TECHNOSEUM (2 Bilder), ©Fürstlich_Fürstenbergische Sammlungen, ©TECHNOSEUM (2 Bilder), ©Deutsches_Fahrradmuseum (2 Bilder), ©TECHNOSEUM, ©Stadt-Bad-Mergentheim

 

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