Im Drei-Länder-Eck Frankreich, Luxemburg, Deutschland sind die Grenzen sogar in den Köpfen verschwunden. Das Beste aus drei Ländern bringt nur Vorteile. Schengen ist das Zauberwort und uns scheint es, als wären hier Frankreich, Luxemburg und Deutschland ein großes länderübergreifendes Dorf …

Treffen sich ein Franzose, ein Luxemburger und ein Deutscher … Nein! Witze machen sie nicht im Drei-Länder-Dreieck. Schon gar nicht solche, bei denen einer der Drei schlecht wegkommt. Die Pandemie zeigte, wie intakt das Drei-Länder-Eck eigentlich aufgestellt war und wie es abrupt im Wortsinn in die Schranken verwiesen wurde.

Drei-Länder-Eck F-L-D=Schengen: Als wären sie eins, foto müssigAls die Schlagbäume fielen, stand nicht nur das Leben still, wie überall. Die Grenzen, die vergessen geglaubten Grenzen, waren wieder da und rissen Familien und Freundschaften jäh auseinander, denn im Drei-Länder-Eck Frankreich-Luxemburg-Deutschland lebte und lebt man längst wieder wie in einem großen, länderübergreifenden Dorf: Jeder hat überall Freunde und Verwandte.

Aktivitäten und Begegnungen diesseits und jenseits der Grenzen gehören selbstverständlich zum Alltag. Nationale Feiertage nutzt man zu Shopping-Ausflügen, da dann in den anderen Ländern ja überall geöffnet ist. Generell fahren die Franzosen und Luxemburger gerne nach Deutschland zu „Aldi“ und „Lidl“.

Die Franzosen und Deutschen fahren nach Luxemburg zum Tanken und zum Arbeiten, denn Luxemburg ist der wirtschaftliche Motor der Region. 200.000 Pendler werden werktäglich gezählt.

Schlemmende Region

Und alle fahren gern mal über die Grenzen zum Schlemmen: In Luxemburg isst man französisch, aber mit deutschen Portionen auf den Tellern.

Victor’s Residenz-Hotel Schloss Berg: Überall schaut ein Römer raus, foto Müssig
Victor’s Residenz-Hotel Schloß Berg, Perl

Wenn es um allerhöchstes Niveau geht, überqueren die Franzosen und Luxemburger jedoch die Grenze nach Deutschland: „Victor’s Fine Dining by Christian Bau“ im Schloss Berg in Perl ist nicht nur in der Region das Maß der Dinge.

Christian Bau hat seit 2005 kontinuierlich drei „Michelin“-Sterne und bietet nichts geringeres als Weltklasse.

Drei-Länder-Eck F-L-D=Schengen: Als wären sie eins, foto müssigEnttäuschend ist nur, dass es in Apach auf der französischen Seite zwar einen Miniatur-Eiffelturm im Maßstab 1:40, aber keine Boulangerie mehr gibt, sondern einen Baguette-Automaten: Man wirft einen Euro ein, wartet eine Minute, dann fällt das ofenheiße Baguette ins Entnahmefach …

Sierck-les-Bains in Lothringen und Perl im Saarland (mit dem Motto „Grenzenlos an der Mosel“) sind die beiden Hauptstadt-Dörfer der Drei-Länder-Region in Frankreich und Deutschland. Außerhalb der Region kennt sie quasi niemand.

Drei-Länder-Eck F-L-D=Schengen: Als wären sie eins, foto müssig
Maison Lamort in Sierck-les-Bains in Lothringen

Schengener Abkommen

Luxemburgs Hauptstadt-Dorf dagegen ist weltweit bekannt: Schengen. Durch das Schengener Abkommen, 1985 ohne großes Tamtam auf einem Ausflugsschiff auf der Mosel unterzeichnet, und durch den daraus resultierenden Schengen-Raum mit derzeit 27 Ländern, die übrigens nicht identisch mit den 27 EU-Ländern sind: Die Schweiz, Liechtenstein, Norwegen und Island sind Schengen-, aber nicht EU-Mitglieder, während Irland, Zypern, Bulgarien und Rumänien in der EU, aber keine Schengen-Länder sind.

Drei-Länder-Eck F-L-D=Schengen: Als wären sie eins, foto müssig
Schloss Schengen

„Was da 1985 auf der ‚MS Princesse Marie-Astrid‘ unterschrieben wurde, war die Grundlage dafür, dass heute rund 420 Mio. Menschen ohne Grenzkontrollen zwischen den Mitgliedstaaten reisen können“, sagt Martina Kneip, Direktorin des Centre Européen Schengen, ein Museum, das über alles, was Schengen betrifft, aufklärt und 40.000 Besucher pro Jahr zählt. Die Schengen-Zone ist die größte länderübergreifende Region der Welt, in der man ohne Grenzkontrollen reisen kann.

Drei-Länder-Eck F-L-D=Schengen: Als wären sie eins, foto müssigDass ihr Schengen weltweit bekannt ist, erfüllt die Schengener natürlich schon ein wenig mit Stolz: „Fragen Sie mal einen irgendwo in China. Der kennt nicht Luxemburg, der kennt Schengen“, sagt Martina Kneip. „Es gibt ja schließlich kein Europa-Visum, sondern ein Schengen-Visum …“

Die Flaggen aller Schengen-Länder wehen vor dem Museum. Gleich daneben symbolisieren 27 Bronze-Sterne in drei Säulen ebenfalls die Schengen-Länder und eine unscheinbare weiße Boje in der Mosel steht für das Drei-Länder-Eck: An dieser Stelle mitten im Fluss grenzen die drei Länder Frankreich, Luxemburg und Deutschland aneinander.

Drei-Länder-Eck F-L-D=Schengen: Als wären sie eins, foto müssigIn der Regel sprechen die Franzosen französisch und ein bisschen deutsch, die Deutschen deutsch und ein bisschen französich und die Luxemburger parlieren fließend deutsch, französisch und natürlich ihr eigenes lëtzebuergesch, also ihr luxemburgisch.

„Wichtig ist, dass die Grenzen physisch weg sind und längst auch in den Köpfen nicht mehr vorhanden sind“, weiß Martina Kneip. „Und wir Luxemburger übersetzen gerne das eine oder andere…“ Die Menükarten in Luxemburger Restaurants sind allerdings fast immer auf französisch, die Ortsbeschilderungen dagegen stets bilingual.

Drei-Länder-Eck F-L-D=Schengen: Als wären sie eins, foto müssig
Saarschleife

Ideale Wanderregion

„Ich habe mich immer international gefühlt!“, sagt Gudrun Worms. Die 67-jährige Naturführerin ist mit einem Franzosen verheiratet und meint, es sei doch schließlich wunderbar, drei Kulturen zu haben.

Wander- und Radwege führen durch die drei Länder. Ihr Revier aber ist deutsch, groß- und einzigartig. Nicht nur im Drei-Länder-Eck, sondern in ganz Europa gibt es keine formvollendetere Flussschleife als die der Saar bei Mettlach, keine 20 km von Perl entfernt.

Drei-Länder-Eck F-L-D=Schengen: Als wären sie eins, foto müssig
Mettlach: Baumwipfelpfad

Gudrun Worms führt ihre Gäste, vorbei an 300 Jahre alten Buchen, auf den gut 1 km langen Baumwipfelpfad mit grandiosem Ausblick vom 42 m hohen Turm auf die Saarschleife. Viel wichtiger ist ihr aber: „So eine alte Buche erzeugt in einem Jahr so viel Sauerstoff, dass ein Mensch 13 Jahre lang davon leben könnte.“

Drei-Länder-Wein

Drei-Länder-Eck F-L-D=Schengen: Als wären sie eins, foto müssig
André Mehlen von der „Domaines Vinsmoselle“

„Wo Wein wächst, ist es den Leuten selten schlecht gegangen“, sagt dagegen André Mehlen von der „Domaines Vinsmoselle“ an der Route du Vin in Stadtbredimus auf Luxemburger Seite. „Denn wer Wein anbaut, der ist auch naturgemäß kein Kind von Traurigkeit. Und bei uns an der Mosel wachsen rundum Reben.“

Daraus macht Mehlens Kellerei und viele weitere luxemburgische Winzer den wunderbaren Crémant de Luxembourg, ein Sekt, der traditionell in der Flasche gegart und mehrmals täglich gerüttelt wird. Als extra brut kann es so ein Crémant sogar mit dem einen oder anderen Champagner aufnehmen …

Drei-Länder-Eck F-L-D=Schengen: Als wären sie eins, foto müssig
Katharina Schmitt vom Weingut „Schmitt-Weber“

Und dann treffen sich doch noch ein Franzose, ein Luxemburger und ein Deutscher … Aber nicht zum Witze, sondern um einen Drei-Länder-Wein zu machen.

„Mein Vater hatte die Idee“, sagt Katharina Schmitt, 28-jährige Winzerin vom „Weingut Schmitt-Weber“. „Er dachte: zum grenzüberschreitenden Leben gehört auch ein grenzüberschreitender Wein.“ Seit 2014 wird also in drei Ländern und in drei Weinbergen am gleichen Tag die Ernte gelesen.

Drei-Länder-Eck F-L-D=Schengen: Als wären sie eins, foto müssig
Henri Ruppert von der Kellerei „Domaine Henri Ruppert“

„Jeder von uns drei Winzern keltert im Turnus, also alle drei Jahre, 2000 bis 3000 Flaschen Grauburgunder zum Flaschenpreis von 20 Euro“, sagt Henri Ruppert von der Kellerei „Domaine Henri Ruppert“, der Kollege in Luxemburg.

Der Preis ist eher symbolisch, denn nur wenige Flaschen finden ihren Weg in den freien Verkauf, sondern werden vorwiegend von den Gemeinden geordert, die die Fläschchen dann gerne als Präsente verwenden.

„Diesen Herbst bin ich wieder an der Reihe“, sagt Ruppert, dessen Weingut wegen seiner ikonischen Architektur und erhabenen Lage alle Augen auf sich zieht. „Grauburgunder darf allerdings nicht auf dem Etikett stehen, auch kein Jahrgang. Ausgerechnet, letztlich aber wenig erstaunlich, aufgrund von Brüsseler EU-Verordnungen.“

Drei-Länder-Eck F-L-D=Schengen: Als wären sie eins, foto müssig

Rezept von Christian Bau und von Luxemburgs Kochikone Lea Linster finden Sie in unserem Rezeptarchiv.

 

Text: ©Jochen Müssig
Fotos: ©Jochen Müssig

Vorheriger ArtikelKandukukulhu (Maledivisches Fischcurry)
Nächster ArtikelSteiermark: Almsommer pur