Das minoische Kreta hat mit dem Palast von Knossos ein weltweit bekanntes archäologisches Reiseziel, aber auch mehrere weitere, weniger überlaufene kretische Paläste zu bieten. Wer fernab von den Traumstränden der griechischen Insel auf archäologische Entdeckungstour gehen möchte, kommt an Knossos und dem Archäologischen Museum in Heraklion nicht vorbei.

Es ist eines der ältesten und bestkuratierten Musseen Griechenlands. Es lohnt sich in jedem Fall das Abenteuer kretische Paläste und das minoische Kreta mit einem Besuch des Museums in Heraklion zu verbinden.

Das minoische Kreta, Knosso und kretische Paläste

Dafür lässt sich gut und gerne ein ganzer Tag einplanen. Denn Heraklion hat nicht nur einen großen Hafen sondern auch eine trubelige, charmante Altstadt mit vielen tollen Restaurants und Bars.

Am besten unten am Hafen in den großen Parkplätzen parken (oder mit dem Bus anreisen) und den Weg über die Treppen hinauf in den alten Ortskern nehmen. Das Museum bietet selbst ein Café und einen lauschigen, schattigen Innenhof inmitten von Kräutern und Bäumen. Hier lassen sich mit Panoramablick auf den Hafen auch selbst mitgebrachte Speisen verzehren.

Das minoische Kreta, Knosso und kretische Paläste

Im Archäologischen Museum von Heraklion befinden sich so gut wie alle einschlägigen Originalfunde und Fresken aus den Ausgrabungsstätten von Knossos und den anderen Palästen von unter anderem Phaistos, Malia oder Kato Zakros. Im Bild oben etwa zum Vergleich die in eine Rekonstruktion eingepassten Originalteile des Prozessionsfreskos. Darunter ist die komnplette Ansicht des Prozessionsfreskos zu sehen, aus dem die Replik in Knossos von Sir Arthur Evans lediglich einen Ausschnitt darstellt.

Arthur Evans ist der Archäologe, der Knossos Anfang des 20. Jahrhundert ausgegraben hat. So beeindruckend die in Beton gegossene Vorstellung der kretischen Welt der Minoer von Arthur Evans auch sein mag. Weder muss alles haargenau so ausgesehen haben, wie er sich das vorgestellt hat, noch war er frei von den gesellschaftlichem Bias seiner Zeit.

Heute sehen seine archäologischen Kollegen manches anders als es vor über 100 Jahren gang und gäbe war.

Das minoische Kreta, Knosso und kretische Paläste

Knossos und die Rekonstruktion von Sir Arthur Evans vor über 100 Jahren

Für Arthur Evans war sonnenklar, es muss einen König gegeben haben und folglich deutete er einen Lilienprinzen in Ermangelung eines stichhaltigen Oberhaupts aus dem minoischen Kreta.

So könnte der sogenannte „Thronsaal“ eine gänzlich andere Bedeutung gehabt haben, als das repäsentative Empfangszimmer eines Staatsoberhauptes gewesen zu sein. Hier im Bild unten ein Eindruck von dem stillen und zurückgezogenem Raum, dessen bis heute von den Reiseleitern so betitelten Name auf Arhtur Evans zurückgeht.

Um seine Theorie zu untermauern, störte ihn keineswegs, dass der steinerne Sitz am rechten Rand des Fotos ganz augenscheinlich für eine schmale und sehr zierliche Person gebaut wurde.

Das minoische Kreta, Knosso und kretische Paläste

Das heraklische Archäologie-Museum bietet jedoch eine erfreulich differenzierte Sicht auf die geheimnisvollen Hinterlassenschaften des sogenannten Palasts von Knossos. Nicht gewiss ist, ob jemals neue Erkenntnisse zu der eigentlichen Funktion der gewaltigen Anlage gefunden werden können.

Der „Thronsaal“ befindet sich in diesem Gebäude am Rande des zentralen Platzes der Anlage und ist auf der einen Seite, oberhalb des Beckens, das sich hinter den schwarzen Säulen befindet, nach oben offen.

Zur Funktion des Beckens gibt es zahlreiche Theorien, Badewannen waren es wohl eher nicht. Die Theorie, dass die gesamte Anlage eine sakrale Rolle neben ihrer Funktiona sl wirtschaftliches Zentrum hatte, ist nicht von der Hand zu weisen.

Wer mehr über kretische Paläste wissen möchte,  dem sei folgender Kultur- und Reiseführer empfohlen: „Geheimnisvolles Kreat. Erste Hochkultur Europas“ von Beat Schneider. Das wunderschön bebilderte Buch, erschienen in der Edition amalia, ist mittlerweile leider vergriffen, aber mitunter in Bibliotheken erhältlich.

Das minoische Kreta, Knosso und kretische Paläste
Hier stehen die Menschen an, um einen Blick in den Thronsaal zu werfen. Mittlerweile sind alle Räume von Knossos zu ihrem Schutz abgezäunt und dürfen nicht mehr betreten werden. Täglich besuchen die Anlage Tausende Gäste aus aller Welt.

Das Gehemnis der Fresken von Knossos

Da die Schrift der minoischen Kreter bis heute nicht vollständig entschlüsselt wurde, bleiben die Fresken. Erstaunlich farbenfroh und lebendig geben diese einen spannenden Einblick in die Kultur des antiken Kretas.

Das minoische Kreta hatte seine Blütezeit bereits vor der griechischen Antike. Die minoische Kultur erlebte ihre Blütezeit ca. 2000 – ca. 1450 v. Chr., also mitten in der Bronzezeit. Über mehrere Jahrhunderte, sogar Jahrtausende hinweg, beeinflusste das minoische Kreta mit seiner hochentwickelten Kultur den gesamten östlichen Mittelmeerraum.

Seine Handwerkskünste von Schmiedearbeiten bis hin zu Freskenmalerei und Töpferwaren sind von herausragender Qualität und Kreativität. Nicht nur das griechische Festland, sondern viele Regionen Mesopotamiens aber auch Ägypten trieben Handel mit der Insel.

Das minoische Kreta, Knosso und kretische Paläste

Die Rolle der Frau im minoischen Kreta

Auch ohne sich eingehend wissenschaftlich mit der minoischen Hochkultur beschäftig zu haben, sticht ein Aspekt gerade zu ins Auge. Sowohl in den Fresken als auch an Statuen sind unzählige Frauenfiguren porträtiert.

Hier im Ausschnitt eines weniger bekannten Freskos sitzen Frauen, vielleicht Priesterinnen?, in ihrer traditionellen Robe, unter großen Bäumen. Sie sitzen ganz offensichtlich am Rande eines großen offenen Platzes, wie wir ihn in Knossos bis heute sehen.

Sind sie Zuschauer oder aktive Protagonisten einer Zeremonie? Wir wissen es nicht. Die unzähligen Motive von den Siegelringen vermitteln jedoch einen Eindruck über den intensiven Bezug zur Natur der Kreter der Bronzezeit. Ob Höhlen oder heilige Haine, NAturheiligtümer scheinen in der Religion der Minoer eine essentielle Rolle gespielt haben.

Mehr über die Rolle der Frau im minoischen Kreta lesen Sie zum Beispiel auf dem Blog Archäologischen Museum in Heraklion von Angelika Klatte oder in dieser ZDF-Dokumentation.

Das minoische Kreta, Knossos und kretische PalästeDas Archäologische Museum Heraklion setzt sich intensiv mit der Rolle der Frauen im minoischen Kreta auseinander. Frauen scheinen zentrale und leitende Funktionen sowohl im kultischen und sakralen Alltagsleben, als auch in Verwaltung, Wirtschaft und Handwerk inne gehabt zu haben. Was für ein komplett anderer Anblick als in der griechischen Antike. In Hellas verlor die Frau ihren gesellschaftlichen Status fast komplett. Verschleiert und weggesperrt fristete sie nach dem Zerfall der kretischen Hochkultur ihr Dasein als Wesen zweiter Klasse.

Das minoische Kreta, Knosso und kretische Paläste

Die berühmten, als Schlangengöttinnen bezeichneten Statuetten zeigen die Tracht der Minoerinnen. Ein mehrschichtiger, bunter und luftiger Volant-Stufenrock komplettierte ein enganliegendes Oberteil. Ob das in der minoischen Kultur als sexy galt, sei dahin gestellt.

Das Freilassen und Sichtbarmachen der Brüste könnte auch eine andere Funktion haben. Die weibliche Brust ist das Symbol der Fruchtbarkeit schlechthin. Das Weibliche galt als heilig, weil es lebensspendend und nährend war.

Ob das wirklich eine Alltagstracht war, weiß niemand. Es könnte sich um ein rituelles Gewand handeln. Demnach zeigten die Fresken aus Knossos rituelle und sakrale Handlungen.

Das minoische Kreta, Knosso und kretische Paläste

Auch wenn Sir Arthur Evans keine Deutungshoheit hat und zu Recht dafür kritisiert wurde, dass er den Palast von Knossos nach seinen nicht gesicherten Vorstellungen rekonstruiert hat. Selbst wenn das heute in der Archäologie nicht mehr so gehandhabt wird.

Das minoische Kreta, Knosso und kretische Paläste

Für mich persönlich war der Besuch von Knossos eine Bereicherung, auch wegen der Betonbauten von Evans. Auch wenn es vielleicht ganz anders war, ermöglicht uns der in Teilen wieder aufgebaute und angemalte Palast eine Vorstellung, wie es gewesen sein könnte.

Es ist eine sehr beeindruckende Anlage und zieht auch wohl wegen der in Beton gegossenen Vorstellung, wie es geewesen sein könnte, solche Menschenmassen an. Trotz allem regt die Rekonstruktion die Fantasie an und beflügelt beim Besuch anderer kretischer Paläste die eigene Vorstellungskraft.

Kretische Paläste: Malia und Phaistos

Kretische Paläste, die nicht wieder aufgebaut wurden, sehen aus wie gewöhnliche archäologische Ausgrabungsstätten.


So auch der Palast von Malia. Er befindet sich etwa 30 Kilometer östlich von Heraklion an der Nordküste Kretas. Touristische Orte in der Nähe heißen Sissi und Stalida.

Von Sissi aus lässt sich ein wunderbarer Spaziergang an der Küste entlang durch raue Klippenlandschaft unternehmen. Es ist eine kleine und ruhige Ausgrabungsstätte mit einem besonderen Zauber. Ein kleines Museum erzählt interessante Informationen und bietet eine Rekonstruktion der Anlage im kleinen Maßstab.

 Das minoische Kreta, Knossos und kretische Paläste

Unsere Reisezeit fiel auf den Oktober. Wie sich zeigte, eine ideale Zeit, um sich viel zu bewegen und bei nicht allzu großer Hitze und gemäßigten Temperaturen viel anzuschauen. Baden im Meer ist auf Kreta auch im Oktober noch sehr gut möglich!.

Das minoische Kreta, Knosso und kretische Paläste

Ein weiterer, bekannterer Palast ist der von Phaistos auf der Südseite der Insel. Von Malia aus sind das ungefähr 1,5 h bis 2 h Fahrt. Von Heraklion aus sind es eine gute Stunde bis 1,5 h Fahrzeit. Es gibt eine gute Autobahnverbindung über die Berge der Insel.

In der Nähe von Phaistos befindet sich der sehr bekannte Strand von Matala mit seinen natürlichen Höhlen. Die sind mittlerweile auch nur noch mit Eintritt zu besichtigen.

In 2 km Entfernung der schönen, aber weniger detailreich beschilderten Palastanlage von Phaistos befindet sich außerdem die Villa von Hagia Tryada und die Ruinen der Stadt Gortyn.

Dies war während der Römerzeit der bedeutendste Ort Kretas. Hier befinden sich die Inschrift mit dem Gestz von Gortyn. Offensichtlich blickte Kreta auf eine lange Gesetzestradition zurück, die bis in die minoische Zeit zurückreicht.

Kreta und minoische Paläste
Bisher nicht entziffert ist der Diskus von Phaistos. Die runde Scheibe, auf der spiralförmig Zeichen eingraviert sind, befindet sich im Archäologischen Museum von Heraklion.

 

Text: ©Verena Wagner
Fotos: ©Verena Wagner

Vorheriger ArtikelApfel-Maracuja-Mojito: Cocktails für die Garten-Party
Nächster ArtikelApfelstrudel glutenfrei backen: Was bedeutet Zöliakie?