Einmal um die ganze Welt – das gelingt in Bremerhaven in ein paar Stunden: im Klimahaus, einer Attraktion der Havenwelten. Deutschlands größte Stadt an der Nordsee ist der Strukturwandel gelungen: „Fischtown“ war gestern, die Havenwelten sind heute. Kommen Sie mit für ein Wochenende.
Ankunft: Freitag, 14 Uhr:
Zunächst geht es an den Deich, der „guten Stube“ wie die Bremerhavener selbst über ihre Weserpromenade sagen. Diese liegt zwischen der neuen Kaiserschleuse mit dem Schlepperhafen davor und dem historischen Weser-Strandbad mit seinem Wasserstandsanzeiger, dessen Bälle und Kegel aus Korbgeflecht anzeigen, wie hoch das Wasser im Fluss steht. Am Eingang zur Nordsee riecht es schon nach Meer.
Der Spaziergang führt vorbei am Deutschen Schifffahrtsmuseum, einem der nur sieben nationalen Forschungsmuseen, dem runderneuerten Zoo am Meer, vorbei an Deutschlands ältestem noch funktionierenden Leuchtturm auf dem Festland und der Seebäderkaje, von der zwischen Mai und Oktober die Fair Lady täglich Kurs auf Helgoland nimmt.

Der Dampfer Lahn fuhr einst bis nach Amerika – mit seiner in Originalgröße nachgebauten Bordwand beginnt noch heute jede Reise im Deutschen Auswandererhaus, das 2007 als Europa Museum des Jahres ausgezeichnet wurde.
Ebenso eindrucksvoll wie anschaulich erzählt das Erlebnismuseum am Neuen Hafen die Geschichte der Auswanderung nach Amerika zwischen 1830 und 1974. In dieser Zeit brachen 7,2 Mio. Menschen von Bremerhaven auf nach Übersee.
Die Ausstellung nimmt die Besucher mit auf deren Reise: Sie erzählt von ihrem Abschied, von der beklemmenden Enge an Bord der Segler und der hoffnungsvollen Ankunft auf Ellis Island in New York.

Um die ganze Welt
Samstag, 10 Uhr:
Jetzt geht’s auf die einzigartige Weltreise. Im Klimahaus, einem spektakulären Bau aus Glas, Stahl und Beton, erleben die Besucher Wind und Wetter auf fünf Kontinenten: in der Schweiz, auf Sardinien, der Sahelzone, in Kamerun, der Antarktis, Samoa, Alaska und durchs Wattenmeer zurück nach Bremerhaven – neun Stationen immer am achten, östlichen Längengrad entlang, der auch quer durch die Großstadt an der Wesermündung läuft.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Menschen und der Einfluss, den der Klimawandel bereits heute auf ihr Leben hat. Eine Expedition – wissenschaftlich fundiert, unterhaltsam und spannend, aber auch ohne zu mahnen, künftig behutsamer mit unserer Erde umzugehen.
Von der erfrischend kühlen Alm in Isenthal in der Schweiz sind es nur ein paar Stationen bis in die 35°C heiße Wüste Nigers oder die tropische Wärme Kameruns. Der westafrikanische Regenwald bei Nacht bietet Gerüche und Geräusche von faszinierender Exotik. Platzregen und grüne Schluchten erwarten die Besucher auf Samoa, bevor ihr Weg in die Unterwasserwelt aus lebenden Korallen führt.
Das Abendessen wird in einer ehemaligen Fischpackhalle serviert: Das Schaufenster Fischereihafen ist schon mehr als 35 Jahre alt, aber die Laden- und Kneipenzeile mit dem Theater im Fischereihafen, Atlanticum mit Meerwasseraquarium und dem Seefischkochstudio könnte als ein Vorläufer der Havenwelten betrachtet werden.
Hafenrundgang Sonntag, 11 Uhr:
Wer mag, kann bei der Touristen-Information eine Führung für die Havenwelten buchen. Der Rundgang entlang des Alten und Neuen Hafens dauert etwa zwei Stunden.
Die Führer erzählen aus der Geschichte der größten deutschen Stadt an der Nordsee, vom „Urknall“ für den Tourismus in Bremerhaven 1975 mit der Eröffnung des Deutschen Schifffahrtsmuseums und seiner Hansekogge und natürlich von dem ehrgeizigen Projekt zwei Jahrzehnte später, Bremerhaven für den Städtetourismus neu zu erfinden.
Zehn Jahre lang wurden die Havenwelten geplant, gebaut und 2009 mit der Eröffnung des Klimahauses fertig gestellt. Wie ein neuer Stadtteil prägen heute die Havenwelten das Gesicht Bremerhavens, denn hinterm Deich sind auch exklusive Wohnungen, eine Marina für 220 Yachten, Büros mit Weser- und Hafenblick, das Einkaufszentrum Mediterraneo und ein Conference Center entstanden.
Zum Rundgang gehört auch der Besuch auf der Aussichtsplattform auf dem Dach des Büro- und Hotel-Hochhauses Sail City, dem höchsten Gebäude der Stadt. Bei guter Sicht kann man von hier aus über 30 km weit sehen, über die Häfen hinweg auf die Nordsee hinaus oder landeinwärts auf die Flusslandschaften der Weser und der Geeste.
Zum Ausklang gönnen wir uns einen kleinen Abstecher ans Mittelmeer: in das Einkaufszentrum Mediterraneo. Seit 2020 öffnen im „Mein Outlet & Shopping-Center“ von Mai bis Oktober die Geschäfte und Lokale auch sonntags bis 19 Uhr. Auf der großen Piazza plätschert das ganze Jahr hindurch ein Springbrunnen, wie er auch in Italien nicht schöner stehen könnte. Wenn die Sonne in Bremerhaven durch die 35 m hohe, gläserne Kuppel scheint, geht auch das mediterrane Experiment an norddeutscher Küste auf.
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Text: Redaktion G&R
Fotos: ©BEAN Bremerhaven (5 Bilder), DAH Bremerhaven/©Werner_Huthmacher (Auswandererhaus)






























