Der längste Golfplatz der Welt – der Nullarbor Links – ist unglaubliche 1.365 Kilometer lang und liegt down under in Australien. Wo sonst?
Ein 18-Loch-Golfplatz hat eine durchschnittliche Länge von 6 km. Das ist auch in Australien so. Mal abgesehen vom längsten Golfplatz der Welt, der zwar auch nur über 18 Loch (mit Par 72) geht, aber doch stattliche 1.365 km lang ist! Das entspricht ungefähr der Entfernung zwischen München und Sizilien.
Der Nullarbor Links genannte Platz führt weltweit als einziger Golfplatz durch zwei Zeitzonen, durchquert die baumlose Nullarbor-Ebene und verläuft von Ceduna in Südaustralien nach Kalgoorlie in Westaustralien – oder umgekehrt.
Statt Golfcart nutzt man natürlich das Auto. Einige Löcher liegen schließlich bis zu 80 km voneinander entfernt und das Absolvieren des gesamten Kurses erfordert drei Tage.
Neun Roadhouses entlang der Strecke bieten einfache Unterkünfte, Kamel-Steaks und Känguru-Burger.
Die ersten Europäer, die in Australien anlandeten, kamen im Westen an. Sie sahen Sand, Busch und Fliegen – und verschwanden wieder. Das ist aber nur der erste Teil der Geschichte.
Denn die Weißen kamen ja wieder: seit 2009 auch Golfer. Aber bis heute trägt der mit 2,5 Millionen Quadratkilometern größte Bundesstaat Australiens das Sand-Busch-Fliegen-Image mit sich herum.
Es wurden Gold und andere wertvolle Bodenschätze gefunden, man entdeckte Naturphänomene, wie den Wave Rock, die Pinnacles und Bungle Bungles, Bilder von Monkey Mia mit seinen wilden, aber handsamen Delfinen gingen um die Welt, die Hauptstadt Perth überwand die Millionengrenze an Einwohnern – nichts änderte das erste Bild von Sand, Busch und Fliegen, auch Nullarbor Links schaffte das nicht.
Mit ihm sollten Touristen in die weitgehend unbewohnte Gegend gelockt werden. Doch nur rund 120 Golfer bespielen den Platz pro Monat, meistens begleitet von – Sand, Busch und Fliegen …
Loch 1 und 2 liegen noch auf dem gepflegten Green des „Ceduna Golf Clubs”. Doch dann fährt man westwärts in die abgelegene und extrem dünn besiedelte Region: Hinaus in die scheinbare Endlosigkeit des Outbacks, wo die Hitze flimmert und die Road Trains, die Ungetüme von Lastwagen mit bis zu fünf Anhängern, die Herrscher des Highways sind.
Sonst gibt‘s nichts, abgesehen eben von Milliarden lästiger Buschfliegen – und immer wieder mal ein Loch zum Spielen. Etwa Hole 10 am „Caiguna Motel”, wo der National Highway 1 auf 90 km Länge schnurgerade, ohne auch nur eine winzige Krümmung, verläuft.
Dann wieder die wunderbare Monotonie des Never-Never: Wüste mit rotbrauner Erde, Geröll, Spinifex, überspannt von stahlblauem Himmel und vereinzelt weißen Schäfchenwolken.
Für Europäer, die eher die Enge gewöhnt sind, ist dieser Outback-Platz eine Offenbarung, für golfende Lonesome Rider der Weg das Ziel, für den Rest der verrückteste Abschlag auf Erden – und dabei sehr günstig: Eine Runde kostet umgerechnet gerade mal knapp 50 Euro. Golfausrüstung kann an jedem Abschlag gemietet werden.
Text: Jochen Müssig
Fotos: Jochen Müssig




































